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  #1  
Alt 13.03.2007, 16:06
olaja olaja ist offline
Mod a.D.
 
Registriert seit: Jan 2003
Ort: Schweiz
Beiträge: 2.929
aikye

Schüfenebrügg

Jùng
no so jùng

Vùrzwyyflet
ara Ùnderdosis
Lääbe


Hubert Schaller


aikye

ù wääge sina wytt,
mengisch stüü
ù hört

perla um perla
siilet sich z lääbe
va dyer
ab

- laaschùs los
kyschù
vu z wytt
ai

z tüüf
i häärd



(24.02.07)
__________________
er geht | mys härz | durch die nacht | schwarz | Suche | aikye

Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller
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  #2  
Alt 20.03.2007, 19:35
yarasa yarasa ist offline
Brachialpoetin
 
Registriert seit: Nov 2005
Ort: Pratteln CH
Beiträge: 5.478
Hallo olaja

I bi ja scho e ganze momänt ratlos vor dim Titu gsässe - und hütt plötzlech e lutt gläsni Erlüüchtig (viellech ou paaret mit dr Erinnerig ane liebe Kolleg, wo Seisleret)

Einzig di allererschti Zyle isch mer nid ganz schlüssig, mit dr 'Sina' chan ni nüt würklech afa, ou bim wytt gheieni züsche welle u Wytti hinuhär.
Hiufsch?

Aber - es isch e schöne Text, er berüehrt - vor auem ds Biud vom sech abseilende Läbe überzügt mi.

Liebi Griessli usem Baselbiet

yarasa
__________________
Ich bin dem Leben staunend auf den Versen
.
Tagesmenü:Muuse, Wildwuchs, Falscher Pfeil, Morgenmoor, Dies Irae,
Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .yarasas Fingerübungen
Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.
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  #3  
Alt 22.03.2007, 11:26
Andvari Andvari ist offline
gefaltet
 
Registriert seit: Jan 2005
Ort: Schweiz
Beiträge: 367
Hallo,

Also die „Schüfenebrügg“ von H.S. weckt in mir viele Assoziationen. Hie und da befinde ich mich dort in ca. 20m Tiefe in der anderen (Unterwasser-) Welt und dies ist wie Meditation; Konzentration der eingeschränkten Sinne auf Wesentliches. Da ist es unausweichlich, dass das behandelte Thema in einem aufsteigt – rein schon auf Grund des Ortes und den vielen Schicksalen, die mit ihm verknüpft sind.

Bei Schaller sticht natürlich „ara Ùnderdosis Lääbe“ hervor. Alleine die Tatsache, dass mich der Ausdruck zunächst ansprang, mich dann zum Grübeln brachte und dass ich doch nicht so recht mit ihm Leben kann zeigt, dass er eine gewisse Qualität hat.
Ich verbinde mit der „Underdosis Leben“ eher ein Empfindungsdefizit; einen Mangel an Höhen und an Tiefen und damit an allem, was das Leben ausmacht. Irgendwie will mir die Verzweiflung, die zu so einer Aktion führt eher als „Überdosis Leben“ erscheinen, da mir die Intensität des „Lebens“ (Empfindungen) in einer echten Krise bzw. in der Euphorie maximal erscheint.

Dein „aikye“ steht im interessanten Kontrast zum zitierten Werk. Weist der Titel noch in dieselbe Richtung wie bei „Schüfenebrügg“ (aikye vo de Brügg), ändert sich die Sichtweise im Text und das „aikye“ wird eher zum Prozess und es beschreibt (mir) eher das Zweifeln.

Kann z.B. in S2 noch das wirkliche Fallen meinen (z.B. die „das Leben zieht noch einmal vor dem geistigen Auge vorüber“-Geschichte) ändert dies spätestens danach. Thema ist eher der Konflikt, bzw. die Zerrissenheit und das Ringen. Ich lese wie gesagt eher einen Prozess heraus, den Widerstreit zwischen der Überdosis und der Unterdosis Leben sozusagen.
Am Text festmachen kann ich dies vor allem durch das „perla um perla / siilet sich z lääbe
/ va dyer / ab“ im Kontrast zu „kyschù / z wytt / ai / / z tüüf / i häärd“.

Ja, gefällt mir gut. Es wird mich bei meinem nächsten Ausflug in die Tiefen des „Schüffenesees“ sicher begeleiten.

PS1: by „stüü“ hani ùf Grùnd vo de chlyschryybig zersch „Stühle“ glääse. Irgendwie sind ja die Laute der beiden „ü“ nicht gleich, ich denke da käme ein „accent grave“ auf den einen ü, aber das ist mit normalen Schriftarten nicht machbar.

PS (Yarasa): „Sina“ hier: sind (hat nichts mit der Sängerin zu tun )

A Gruess vo hye

Andvari
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  #4  
Alt 22.03.2007, 13:24
yarasa yarasa ist offline
Brachialpoetin
 
Registriert seit: Nov 2005
Ort: Pratteln CH
Beiträge: 5.478
Andvari, di erschti Zyle meint tatsächle:
Und Wege sind weit??!

Da wär ich nie drauf gekommen - bei mir war das so eine Art nich ganz schlüssiges: und wegen seinem Willen (solcher Weiten)

Ich bin erleuchtet!

LG
yarasa
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  #5  
Alt 22.03.2007, 13:44
Andvari Andvari ist offline
gefaltet
 
Registriert seit: Jan 2005
Ort: Schweiz
Beiträge: 367
Hallo,

Sorry, ich will nicht rumspammen - aber das ist ja irgendwie textbezogen, da es um das Verstehen oder um das Verständnis desselben geht...

So schlecht war dein Versuch mit dem "seinen" nicht, denn "sina" heisst tatsächlich auch "sein" (deshalb habe ich "hier:" geschrieben). Ich sage z.B. "syna Päppù hettne totau vùrpypääperlet" (sein Vater hat ihn zu sehr verwöhnt), aber auch "d'Gedanke vom Andvari syna ùnergründlich" (bzw. z.T. wie wahrscheinlich auch du: "sy ùnergründlich").

A Hùüba ùf Basù usi (ha gminnt Bärn).

Andvari
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  #6  
Alt 14.04.2007, 10:16
olaja olaja ist offline
Mod a.D.
 
Registriert seit: Jan 2003
Ort: Schweiz
Beiträge: 2.929
Sälü ihr zwü.

Leider musstet ihr lange auf eine Antwort warten, aber nun kommt sie. Ende Ferien und ich bin zum Glück langsam wieder im grünen Bereich (ma syta ja, di beschte Schüeler sigi i de Ferie chrank ). Und in diesem Sinne sehe ich durchaus einen Bezug zu meinem oder H. Schallers Gedicht: Krank sein bedeutet eine Unterdosis Leben zu erhalten. Jedenfalls habe ich das Gefühl die letzten zwei Wochen gar nicht richtig gelebt zu haben, es ist ein abgeschwächter Zustand zwischen wach sein und schlafen. Überhaupt nicht intensiv.

Mir ist diese "Ùnderdosis Lääbe" auch sofort ins Auge gesprungen, als ich sein Gedicht zum ersten Mal las. Ich sah noch ein zweites Mal hin, ob wirklich Ùnderdosis und nicht Überdosis stand. Ich machte mir, wie Andvari, viele Gedanken darüber, wann eine Freitodentscheidung näher erscheint.
Tatsächlich hat man herausgefunden, dass viele depressive Menschen erst zum Selbstmord schreiten, nachdem sie aufputschende Medikamente erhalten haben. Ein anderes Beispiel wäre die Organisation Exit (letzthin sah ich einen spannenden Doku-Film darüber).
Wird somit bei einer Underdosis Lääbe (Krankheit, Drogensucht…) eine Personen von aussen her zum Freitod bewegt?
Ich weiss es nicht. Jedenfalls möchte ich nicht unbedingt in den Gewässern des Schiffenensees herumtauchen. Irgendwie unheimlich, nicht?

Ich wollte mit „aikye“ an der „Schüfenebrügg“ anknüpfen. Genau dieser Prozess des Fallens, wie Andvari ihn angesprochen hat. Das Leben seilt sich ab – und ich falle. Nein, nur, wenn ich es loslasse. Ich kann jederzeit diese Perlen des Lebens (vielleicht neue) wieder einfädeln. Somit sehe ich das Gedicht sehr ähnlich oder sogar gleich, wie ihr beiden es auch seht.

Es freut mich, dass es euch gefällt. Vielen Dank für eure Rückmeldungen!

A lyeba Grues,
olaja
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