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Charles Dinkens (2)
2. Akt
1. Szene Vor der Schule. Billy Peters und Chris. Chris sitzt nervös zitternd auf einer grossen steinernen Stufe. Ein paar Meter entfernt steht beobachtend Billy. Billy(mit leichter Häme): Hey Druggy! Chris(nach einer Weile verbissen angestrengt): Lass mich in Ruhe, du Krüppel! Billy: Glaubst du wirklich, dass mich das beeindruckt? Tief im Innersten denkt das doch jeder. „Armer Krüppel.“ Billy nähert sich Chris. Also, wie lange bist du jetzt schon ohne Stoff? Ein paar Stunden? Ein Tag? Mehr wohl kaum. Chris: Hör endlich auf du Spasti! Billy: Der wievielte Versuch ist das, um clean zu werden? Reicht eine Hand aus? Komm schon, wir wissen beide, dass du es nicht schaffst. Du wirst es nie schaffen. Sieh dich doch an. Wir beide wissen, dass du irgendwann, früher oder später zugreifen wirst, und dann… dann landest du wieder am Strassenrand, wo dich deine Eltern auffinden. Willst du das deinen Eltern antun? Willst du wieder nichts mehr, als eine einzige Enttäuschung für sie sein? Chris fängt an zu schluchzen. Ich kann dir helfen, sodass das alles nicht passieren muss und nebenbei ersparst du dir jede Menge Qualen. Allerdings müsstest du mir einen kleinen Gefallen tun, so als eine kleine Gegenleistung. 2. Szene Billy sitzt auf der Toilette. Billy: Bin fertig! Karin(im Wohnzimmer): Versuch es selbst. Dein Vater kann nicht immer springen, wenn du rufst. Peters: Komme! Karin: Du sollst ihm nicht immer alles abnehmen. Wenn wir alleine sind muss er auch sehen, wie er zu Recht kommt. Peters: Und genau deshalb werde ich ihm jetzt helfen. Also wirst du noch oft genug überprüfen können, ob er alleine zu Recht kommt! Peters geht ins Bad zu Billy. Karin: Du bist unmöglich! Im Bad. Peters atmet ein. Peters: Bei diesem Geruch fühlt man sich unweigerlich an deine Säuglingszeit erinnert. Scharf, markant, unerträglich für jede Nase, sodass es einem die Tränen in die Augen treibt. Ja, das macht einen wahren Peters aus! Billy: Oh bitte Dad! Könntest du nicht langsam mal eine andere Platte auflegen? Empfindest du überhaupt keinen Scharm? Ich meine, was bringt dich immer dazu, anhand von dem Geruch oder der Menge meiner Exkremente, zu beurteilen, wie viel „Peters“ in mir steckt? Peters: Hey, Billy. Du weisst doch, dass ich nur Spass mache. Billy: Mum hat Recht. Vielleicht sollte ich das lieber alleine machen. Ich meine, früher oder später muss ich ohnehin alleine zu Recht kommen! 3. Szene Vor der Schule. Billy und Chris. Billy: Hey Druggy! Na? Wie läuft der Entzug? Du siehst irgendwie blass aus. Chris: An deiner Stelle würde ich mir überlegen, ob du mir so blöd kommst. Wer weiss. Vielleicht könnte ich auf die Idee kommen, dich die Welt aus einer völlig anderen Perspektive sehen zu lassen! Billy: So verlockend das für dich jetzt auch sein mag, würde ich trotzdem genau überlegen, was du tust. Der Deal könnte sonst platzen und ich kann mir kaum vorstellen, dass dein Körper die Strapazen noch länger mitmacht! Chris: Wo ist die Kohle? Billy: Wo sind die Infos? Chris: Rück die Kohle raus! Billy(gelassen): Pscht. Leise Chris. Wir wollen doch kein Aufsehen erregen. Damit es keine Differenzen Gibt, schlage ich vor, wir übergeben die Waren gleichzeitig. Du die Infos, ich die Kohle. Die Übergabe findet statt. Chris: Hey, das ist viel zu wenig! Ich brauche mehr! Billy: Du nennst es viel zu wenig, ich nenne es Anzahlung. Denkst du, dass du mich einfach so ausnehmen kannst? Je nach dem, wie wertvoll mir diese Informationen erscheinen, nimmt das natürlich auch Einfluss auf deine Bezahlung. 4. Szene Billy sitzt in seinem Zimmer an seinem Schreibtisch. Es klopft an der Tür. Billy: Ja? Peters(öffnet die Tür): Ich bin’s. Ich will gar nicht lange stören. Ich möchte nur kurz etwas mit dir besprechen. Billy: Schiess los! Peters: Vor ein paar Tagen habe ich zufällig gesehen, wie du von deinem Konto zweitausend Euro abgehoben hast. Billy(fährt zu einem Regal): Ich habe mir ein neues T-Shirt gekauft. Ich weiss, man sollte keine Unsummen für ein paar Fetzen Stoff ausgeben, aber dieses T-Shirt wollte ich schon immer haben. Er nimmt ein noch in Folie verpacktes Shirt aus dem Regal. Peters: Du brauchst dich vor mir nicht zu rechtfertigen. Du solltest nur wissen, dass uns das Geld nicht einfach so zufliegt. Billy: Das weiss ich, Dad. Peters(lächelt zufrieden): Also, ich muss jetzt weiterarbeiten. Peters geht zur Tür hinaus. Billy fährt zurück zu seinem Schreibtisch. Billy(kramt unter einem Buch einen Zettel hervor): Mal sehen, ob sich die Investition gelohnt hat. Er nimmt sein Handy hervor und wählt eine Nummer. Das Freizeichen. Wenige Sekunden später nimmt jemand ab. Drake: Ja? Billy: Sie erledigen Aufträge jeglicher Art? Drake: Möglich. (Pause) Wer ist da? Billy: Das spielt keine Rolle. Drake: Interessant. Billy: Haben Sie Interesse oder nicht? Drake: Das Interesse ist nicht das Problem. Billy: Oh, und das, was einen Auftrag richtig interessant werden lässt sicher auch nicht, denn wenn alles glatt läuft, winkt Ihnen und ihrem Partner eine beträchtliche Summe. Drake: Das klingt vielversprechend. 5. Szene Vor der Schule. Billy: Hey Chris! Gut siehst du aus. Lange nicht mehr so blass. Chris(taumelt auf ihn zu): Siehst du das das? Der Himmel, wie er in seinen bunten fassettenreichen Farben strahlt. Das ist schön. Danke Mann! Das Leben ist geil! Billy: Ich hab‘ dir doch gesagt, dass es dir bald wieder besser gehen wird. Chris (umarmt ihn): Ja, danke Mann. Billy(tätschelt ihm den Rücken): Schon gut, schon gut. (Billy bemerkt plötzlich, wie Chris‘ Körper auf ihm lastet. Er packt und schüttelt ihn.) Hey, tret‘ mir jetzt ja nicht weg! Erinnerst du dich an unser letztes Gespräch? Ich hab dir gesagt, dass sich die Qualität der Infos auf deine Bezahlung auswirkt. Chris: Was? Billy(drückt Chris einen Umschlag in die Hand): Hier, das ist für dich. Chris: Die Farben, wie bunt der Himmel ist! 6. Szene Im Unterricht. Lehrer 1: Wer kann mir den nächsten Satz ins Englische übersetzen? Billy hebt die Hand. Billy: Kann ich bitte kurz rausgehen. Ich fühle mich nicht besonders gut. Lehrer 1: Ja, natürlich. Ein Schüler: Brauchst du Hilfe? Billy: nein, nein, danke. Es geht schon. Billy fährt aus dem Klassenzimmer. Mit zufriedener Miene blickt er auf die Uhr. Er fährt in den Fahrstuhl und mit diesem in den untersten Stock. Kurz darauf verlässt er das Schulgebäude. Vor der kleinen Parkgarage, die Zum Schulgebäude gehört steht ein unauffälliger Wagen. Ein Mann steigt aus und geht zielstrebig auf Billy zu. Er streckt ihm die Hand entgegen. Sie schütteln sich die Hände. Drake: Schönes Wetter heute. Billy: Schönes Wetter heute. Sie gehen zum Auto. Billy: Mein Informant hat mir wirklich nicht zu viel versprochen. Drake: Das will ich doch hoffen. Es gäbe da noch eine Kleinigkeit, die zu klären wäre und bitte, verstehen Sie mich nicht falsch: Mein Partner und ich, wir sind dafür bekannt unseren Aufträgen äusserst sorgfältig und gewissenhaft nachzukommen. Leider gibt es immer wieder Leute, die unsere Arbeit nicht zu würdigen wissen und Sie scheinen mir ebenfalls einer dieser Leute zu sein. Drake hilft Billy ins Auto. Der Rollstuhl wird in den Kofferraum verfrachtet. Drake setzt sich neben Billy ans Steuer. Billy(blickt auf die Rückbank): Sie sind also Drakes Partner. (Er nickt.) Tun Sie ihm doch einen Gefallen und werfen Sie einen Blick auf ihren Kontostand. Er wartet. Drake: Tu, was er sagt Roy. Roy nimmt einen Laptop hervor. Es vergehen ein paar Minuten. Dann übergibt Roy Drake den Laptop. Drake: Sie stehen zu ihrem Wort. Ich frage lieber nicht woher Sie das Geld haben. Billy: Wer hat, der hat und wer nicht, der holt es sich. 7. Szene Im untersten Stockwerk des Schulgebäudes. Peters: Sie haben mich angerufen? Gibt es Probleme in der Schule? Wird Billy gemobbt? Es klang sehr dringlich. Lehrer1: Nein, in dieser Hinsicht müssen Sie sich keine Sorgen machen. Peters blickt fragend. Lehrer1: Ich habe sie angerufen, weil ich gehofft habe, dass Sie wissen, wo ihr Sohn sich gerade aufhält. Peters: Was soll das heissen? Er wurde doch heute Morgen in die Schule gebracht, oder nicht? Ich verstehe nicht ganz. Lehrer1: In der dritten Vormittagsstunde hat Billy das Klassenzimmer verlassen. Er sagte, es ginge ihm nicht so gut. Peters: Haben Sie die Polizei verständigt? Lehrer1: Ich- Peters(zückt ein Handy, wählt): Christian Peters hier. Schicken Sie bitte eine Polizeistreife in die Karl-Heinz-Strasse. Peters legt auf. Peters(verlässt den untersten Stock und geht die Treppe hinauf. Der Lehrer ihm nach.): Wenn meinem Sohn etwas zustösst, wird das Konsequenzen haben. Lehrer1: Ich kann verstehen, dass Sie sich Sorgen machen, aber finden Sie nicht, dass Sie die Situation etwas zu ernst einschätzen? Peters(bleibt stehen): Wie bitte? Lehrer1: Ich meinte damit bloss, dass man vielleicht nicht gleich die Polizei verständigen muss. Es kommt durchaus vor, dass Schüler nicht zu bestimmten Unterrichtszeiten erscheinen. Peters: Sie meinen er schwänzt. Hören Sie sich eigentlich selber reden? Dass Schüler hin und wieder schwänzen soll vorkommen. Aber kein Schüler ist so dreist und verlässt mitten im Unterricht die Schule. Zudem sitzt Billy im Rollstuhl. Was hätte er davon? Er kann doch nirgendwo alleine hin. Lehrer1: Sie haben ja recht. Trotzdem sollten Sie sich nicht so viele Sorgen machen. Peters: Ihr Mitleid können Sie sich schenken. Sie haben mit zu verantworten, dass mein Sohn verschwunden ist! Und jetzt tun Sie mir bitte einen Gefallen und nehmen die Polizei in Empfang, während ich mit dem Rektor spreche. Fortsetzung folgt... |