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  #1  
Alt 25.09.2007, 23:41
Baratheon Baratheon ist offline
gefaltet
 
Registriert seit: Mar 2007
Beiträge: 313
Würde


Ich schluck sie hinunter, die restlichen Schwüre,
versag mir den Schock, und versage mir Dich,
verkneif mir die letzte entsetzte Allüre
ergreife den Griff deiner offenen Türe,
verlasse dich schließlich, verlasse auch mich

und lächle ein wenig, ich lächle mit Würde,
aus Achtung vor Dir und ein bisschen vor mir,
verlächle die Träne und ächte die Bürde,
die fortan, so weiß ich, als mächtige Hürde
die Nächte mir schwermacht, von jetzt an, von hier.

Geändert von Baratheon (27.09.2007 um 07:25 Uhr).
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  #2  
Alt 25.09.2007, 23:52
Cyparis Cyparis ist offline
verbanntes Mitglied
 
Registriert seit: Aug 2007
Ort: Saarpfalz
Beiträge: 3.083
Ach, Baratheon, Deine Gedichte sind dermaßen schön, daß sich eigentlich jeder Kommentar verbietet!!
Trotzdem hoffe, glaube ich, daß ich meiner Bewunderung Ausdruck verleihen darf!
Was LyrI in dem zweiten Vers der zweiten Strophe schreibt: D a s ist wirklich eine Selbstentäußerung, die von überragender Würde zeugt! Ich, kleinlich wie ich bin, hätte die Achtung umverteilt.
Gleichviel: Das ist ein wertvolles, ein tiefes, ein so nie wiederkehrendes Gedicht. Welche Stärke, welch Aufrechtbleiben!

Mehr kann ich einfach nicht sagen.
Fama
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  #3  
Alt 26.09.2007, 00:13
the witch the witch ist offline
gefaltet
 
Registriert seit: May 2007
Ort: am Niederrhein
Beiträge: 1.014
Lieber Bara,

vor allem was die Sprache Deiner "Würde" angeht, kann ich mich Fama nur anschließen. Wieder wunderschön, die Wortwahl, die Reime, alles!

Inhaltlich aber überkommt mich ein leises Unbehagen ob der Vorstellung des LI, das sich für mein Gefühl bis zur Unmenschlichkeit würdevoll verhält, ganz so, als befürchtete es, den inneren Halt zu verlieren, wenn es den Ausdruck seiner wahren Gefühle zuließe. Schock, Entsetzen, Trennung, Tränen, die Nächte beschwerende Bürde, all das lässt auf ein tiefgreifendes Trauma schließen. Und darüber lächelt das LI? Für ein "bisschen" Würde?

Ich glaube, genau diese Diskrepanz willst Du hier zum Ausdruck bringen mit Deinem einzigen, flüssig und wunderschön gereimten Satz. Es scheint fast so, als müsse das LI sich das alles selbst beteuern, bevor es auch nur einmal Atem holt. Die Unterbrechung könnte sonst das Zusammenbrechen der Würde bedeuten.

Sehr gern gelesen und noch schnell kommentiert, bevor mir die Augen zufallen. Liebe, ein gesundes Maß an Würde wünschende Grüße

the witch

Ich schluck sie hinunter, die restlichen Schwüre,
versag mir den Schock, und versage mir Dich,
verkneif mir die letzte entsetzte Allüre
und greife den Griff deiner offenen Türe,
verlasse dich schließlich, verblasse im Licht

und lächle ein wenig, ich lächle mit Würde,
aus Achtung vor Dir und ein bisschen vor mir,
verlächle die Träne und ächte die Bürde,
die fortan, so weiß ich, als mächtige Hürde
die Nächte mir schwermacht, von jetzt an, von hier.
__________________
__________________
.........................................
Kindlein, liebt euch, und wenn das nicht gehen will, lasst wenigstens einander gelten. (J.W.Goethe)
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  #4  
Alt 26.09.2007, 00:27
Cyparis Cyparis ist offline
verbanntes Mitglied
 
Registriert seit: Aug 2007
Ort: Saarpfalz
Beiträge: 3.083
Ich darf dann hoffentlich in einem Kommentar
@the witch
nochmals nachtragen:
diese Würde ordne ich dem Stoizismus zu, der einen gewissen inneren Stolz aus der Würde gewinnt, weil der Stoiker weiß, daß Verlust anders nicht zu (er-)tragen ist. Würde und Stolz werden zum Gerüst, das Verletzbarkeit verbirgt und auch verbergen soll. Würde wird dann zum letzten geretteten Rest - na, sehr reziprok.
Geschrei, Allüren, Zerfleischung (verbal) machten Würde unmöglich.
Das meine Sichtweise.Aus eigener Erfahrung.
LG Fama

und nochmal
@baratheon: das "Ächten der Bürde" ist dem "mit Würde lächeln" kongenial. Wie Du das so in Worte fassen kannst! Ich bin - beinahe - wortlos.
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  #5  
Alt 26.09.2007, 05:39
Behutsalem Behutsalem ist offline
Gehe sicherlich nicht in die Geschichte ein, aber hinterlasse Spuren
 
Registriert seit: Jan 2007
Ort: In Mitten der Karawanken, im schönsten Becken Österreichs;
Beiträge: 4.589
Hallo Baratheon!

Ich hab mir jetzt dein Werk einpaar mal durchgelesen, vom Reimschema von der Sprache die du wählst , die Art wie du deine Zeilen präsentierst , wunderschön gibts wahrhaftig nichts zu bemengeln. Aber jetzt kommts.. der Inhalt.. ich frag mich die längste Zeit was musst du nur für eine liebenswerter Mensch sein, der mit solch einer Würde den Schmerz erträgt..Sicher ist es der eigene Stolz der sagt.. komm seh es mit einem anderen Augen(blick) und nimm das Schöne mit.. aber ich denke mir das Witch schon recht hat mit dem was er gesagt hat..
Ganz tief drinnen sitzt der Schmerz und all diese ichmöchterausfunktionen die eintreten wenn man verletzt oder wenn ein Abschied vollzogen wird. Ich denke der Stolz steht eher dafür, dass man durch die Türe gegangen ist, das man es geschafft hat, was danach kommt ist unausweichlich.. die Nächte sind die Hürde die bevorstehen. Ich weine im stillen Kämmerlein um dich denn dir zu zeigen das ich verletzt bin von Angesicht zu Angesicht ist nicht das was ich möchte..
Eine Art Schutzmaßnahme möcht ich meinen..

Dein Werk gefällt und ich komme sicher noch einmal vorbei.
Behutsame Grüße
Behutsalem
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  #6  
Alt 26.09.2007, 12:31
Schwirl
 
Beiträge: n/a
Hallo Bara :)

Ich bin beeindruckt!
In nur einem Satz, der 2 S. lang ist, dieses Liebesgedicht. Mehrfach habe ich es gelesen, und mir ist gar nicht nach kommentieren, denn die Magie, die durch Deine Worte hervorgeholt wird, will ich eigentlich bei mir nicht zerstören. Doch Du schreibst so schöne Gedichte.


Würde

Ich schluck sie hinunter, die restlichen Schwüre,
versag mir den Schock, und versage mir Dich,
verkneif mir die letzte entsetzte Allüre
und greife den Griff deiner offenen Türe,
verlasse dich schließlich, verlasse auch mich
Dein Titel ist gut gewählt, denn wenn Zwei sich trennen, gilt es die Eigene und die Andere Würde zu behalten, es gelingt meist nicht. Wer verlässt, verlässt auch ein Teil seines eigenen Daseins, und weiß noch keine Zukunft. Du willst hier ohne Allüren ( mir gefällt das Wort) verlassen, doch es schwebt im Hintergrund, die Verletzbarkeit zweier SeelenMenschen und vielleicht auch das Wissen, das es unvermeidbar ist, das Würde verletzt wird.

und lächle ein wenig, ich lächle mit Würde,
aus Achtung vor Dir und ein bisschen vor mir,
verlächle die Träne und ächte die Bürde,
die fortan, so weiß ich, als mächtige Hürde
die Nächte mir schwermacht, von jetzt an, von hier.

Hier versuchst du die Ehre/ Würde der zwei Menschen auffrecht zu halten, Tränen werden nicht geweint. Es ist klar, das keiner daraus heil wieder raus kommt, es bleiben die Nächte, und das Wissen, das danach alles anders ist.

Bara, Du hast die Gabe, mitreissend zu schreiben.. viele Grüße von sy
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  #7  
Alt 26.09.2007, 13:29
crux crux ist offline
Altes Reimschlachtross
 
Registriert seit: Jan 2006
Ort: Eltville am Rhein
Beiträge: 5.553
Hallo Bara, alter, schlauer Inselpinsel...

da ich nur äußerst selten, oft eher rein zufällig, diese Rubrik besuche (sie hatte bisher leider keinen allzu guten Ruf, was die Textinhalte entgeht) entging mir wahrscheinlich schon so manche Perle, wie diese hier. Ein für mich eher ungewöhmliche (Ex-)Liebesgedicht hast du da geschrieben, dessen Wortlaut mich spontan auf eine gewisse Weise sehr anspricht.

Du gibst hier zwei Protagonisten einen letzten gemeinsamen Auftritt, bevor der Beziehungsvorhang endgültig fällt, wobei dein LI die führende Sprecherrolle übernimmt. Sein Verhalten kommt einem zunächst -wie ja das Hexlein auch schon andeutete- insofern etwas merkwürdig vor als es sich in der Tat anders äußert als man das in dieser angespannten Situation eigentlich erwarten würde. Aber genau darin liegt ja gerade der Reiz deines Werkes, denn die Erwartungshaltung des Lesers wird eben nicht rundum wohlfeil bedient.

Entweder es handelt sich beim LI um eine Person, die dieses Trennungsszenario bereits des öfteren durchlaufen hat und von daher so abgeklärt-distanziert reagiert, was es ja letztendlich gar nicht in dem hohen Maße tut, denn es weiß ja, welch harte Nächte jetzt gefühsmäßig auf es zukommen, oder aber es handelt sich tatsächlich um einen Menschen, der seine Gefühle generell stark zu kontrollieren weiß.

Bis auf die Zeile: "...und greife den Griff deiner offenen Türe," habe ich
formal nichts zu beanstanden gefunden. Wegen des sich wiederholenden "unds" würde ich hier einfach "...ergreife den Griff..." schreiben.

Habe mich sehr gerne mit deinem Werk beschäftigt, denn es hat eine gewisse gehobene Güteklasse und überzeugt nicht zuletzt auch durch ausdrucksstarke Wendungen.

Es dankt und grüßt
crux
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  #8  
Alt 26.09.2007, 20:59
Baratheon Baratheon ist offline
gefaltet
 
Registriert seit: Mar 2007
Beiträge: 313
Ach du meine Güte!

Ich bin völlig erschlagen ob der Vielzahl und der Freundlichkeit eurer Kommentare.


Ich komme heute leider nicht mehr dazu, euren Mühen gerecht zu werden und ein wenig Licht in dieses Gedichtedunkel zu bringen.

Morgen oder auch erst Übermorgen wird es mir möglich sein, zu jedem von euch etwas zu schreiben. Tut mir leid.

Aber soviel schon mal vorweg:

Ich freue mich über jedes eurer Worte und genauso darauf, diese zu erwidern.

Ich werde meine Antworten dann hier hinein editieren.

Ich wünsche euch allen eine erholsame Nacht und erschlafft gut.

Es grüßt euch herzlich ein erschöpfter

Bara
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  #9  
Alt 27.09.2007, 08:27
EvaAdams EvaAdams ist offline
mittendrin
 
Registriert seit: Jul 2005
Beiträge: 2.259
Hi Baratheon,

Ich will mich mit kleinen inhaltlichen Fragen nicht so lange aufhalten, wichtig für mich ist, wie der Text wirkt. Auf mich wirkt er sehr gut und tiefgehend. Dass hier eine Trennung abgehandelt wird, ist klar. Ob nun das lyr. ich oder du den entscheidenden Schnitzer begangen hat, ist m.E. eher unrelevant. Vielleicht ist auch nicht unbedingt eine "Tat" ausschlaggebend für die Entscheidung des lyr.ichs, zu gehen. Viell. hat es beschlossen, eine fruchtlose Beziehung zu beenden, bevor sie im Chaos versinkt und muss nun mit der Bürde des "Verlassenden" leben.

Du schreibst oft wunderschöne versübergreifende Sätze und es gelingt dir, die jeweilige Stimmung wunderbar zu transportieren. Ich hab einige Werke von dir gelesen, besonders gelungen empfinde ich auch Verandastaub.

Hier wäre ev. die einzige Schwachstelle der "Türgriff", aber das ließe sich leicht ändern, wenn du willst, immerhin ist es deine Entscheidung.

Gern gelesen und ein Stück mitgegangen.

Liebe Grüße
Eva
__________________
EvaAdams

(c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


Die WÖRTERWUNDERTÜTE ist da!
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  #10  
Alt 27.09.2007, 20:04
Baratheon Baratheon ist offline
gefaltet
 
Registriert seit: Mar 2007
Beiträge: 313
Hallo Eva,

auch ich möchte mich nicht lange mit dem Inhalt deines Kommentares aufhalten.
Aber nur, weil mir die Zeit fehlt.
Eins sei gesagt, er wirkt auf mich sehr gut und tiefgehend.

Vielen Dank für deine lieben Worte und über den Türgriff werde ich mir noch einmal gesondert Gedanken machen.

Alles Gute Dir und ein schönes kommendes Wochenende


Grüße

Bara
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  #11  
Alt 28.09.2007, 21:45
Baratheon Baratheon ist offline
gefaltet
 
Registriert seit: Mar 2007
Beiträge: 313
Na, da danke ich fein artig, liebe Sugarmaus.
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