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Alt 05.07.2009, 23:28
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Der Wolf und das Schaf - Eine Fabel

Der Wolf und das Schaf

Mitten in einem tiefen, dunklen Wald lebte ein alter Wolf. Als es in der Gegend immer weniger zu fressen gab, trieb es ihn mehr und mehr zum Waldrand hin. Diesen hatte er sonst immer vermieden, denn da lebten die Menschen. Aber der Hunger wurde eines Nachts so stark, dass der alte Wolf alle Vorsicht außer acht ließ, und seinen geschützten dunklen Wald verließ.
Schon kurz nachdem er die freie Wiesen betreten hatte, traf der alte Wolf auf eine Kuh. Ein paar Sekunden sahen sie sich an, dann drehte der Wolf den Kopf herum und lief weiter. Die Kuh war ihm zu groß und hatte zudem spitze Hörner. Mit ihnen wollte der alte Wolf keine Bekanntschaft schließen.
Doch schon auf der nächsten Weide erspähte der Wolf einen hohen Zaun, der eine weitere Weide mit einem Unterstand darauf umschloss. Kein Tier war zu sehen, also musste sie alle unter dem Dach in ihrem Sommerstall weilen.
„Sicher sind dort keine Kühe“, dachte der Wolf bei sich, „denn sonst wären sie doch zusammen auf einer Weide untergebracht. Da will ich mir genauer ansehen.“
Er streifte am Zaun entlang und suchte eine Lücke zwischen den Latten. Schließlich entdeckte er ganz in der hintersten Ecke eine beschädigte Stelle. Die oberste Latte hing herunter und öffnete so eine schmale Lücke. Zwar ganz oben, aber sicher nicht zu hoch.
Ein teuflisches Lächeln schlich sich auf das Wolfsgesicht und seine Augen glitzerten tückisch. Mit einem kühnen Satz hechtete der alte Wolf durch die Lücke über den Lattenzaun. Kaum das seine Pfoten den Bo-den berührten, duckte er sich ganz flach an die Erde. Nichts und niemand konnte ihn im fahlen Mondlicht erkennen.

Ein kleines, flauschig weißes Schaf lag zusammengerollt auf einem Bündel Stroh in seinem Sommerstall. Die Sterne funkelten in den Unterstand hinein, aber davon sah das kleine Schaf nichts, denn es schlief tief und fest. Nur ab und zu bewegte es die Beine, als würde es im Traum über seine Wiese springen.

Jede noch so kleine Bodenwelle ausnutzend und durch die Schatten von Bäumen und Büschen gedeckt, kroch der alte Wolf stetig des Sommerstalls zu. Als er die Rückseite erreicht hatte, richtete er sich zu seiner vol-len Höhe auf und schüttelte die Gräser und Samen aus seinem Fell. Fast lässig schritt er – aber immer noch auf kleine Zweige und Äste achtend – am Unterstand endlang, um die Ecke herum. Wo die Seitenwand endete, verharrte er einen Augenblick. Ganz vorsichtig schob er erst seine Schnauze um das Brett herum und schnüffelte.
„Es riechst nach Schaf“, stellte er beruhigt fest und entspannte sich. Der Speichel lief ihm rechts und links aus dem Maul heraus, als er bei sich dachte:
„Das wird ein richtiges Festessen.“
Ohne große Eile schritt er fasst majestätisch um die Ecke herum und baute sich an der offenen Seite des Stalls auf.

Der schwarze Schatten des großen alten Wolfs viel auf das kleine Schaf. Als hätte er es direkt berührt, zuckte das kleine, weiße Schaf zusammen. Als es den großen, dunklen Wolf direkt am Eingang seines Stalls erblickte, zuckte es zusammen und begann zu zittern. Ganz langsam stand es auf. Wie gebannt starrte es den Wolf an, unfähig den Blick abzuwenden.
„Wa…wa…wa…was tust du hier“, fragte das kleine Schaf vor Angst stotternd.
„Ich suche etwas zu fressen, kleines Schaf“, gab der große Wolf und fügte grinsend hinzu:
“Und ich glaube, dass ich schon etwas sehr gutes ge-funden habe.“
Dem kleinen Schaf lief ein Schauer über den ganzen Rücken bis zu seinem kleinen Schwanz.
„Komm nur heraus, ich werde dir nichts tun“, sprach der Wolf einschmeichelnd weiter und fügte in Gedanken hinzu:
„Jedenfalls nicht sofort.“ Dabei trat er langsam einige Schritte zurück, so dass er den Eingang zum Unterstand frei gab.
Noch immer ängstlich folgte das kleine Schaf Schritt um Schritt. Als das kleine Schaf die Sterne und den Mond deutlich sehen konnte, fasste es neuen Mut und sprach zum Wolf:
„Du willst mich sicher fressen, nicht?“
Der große, alte Wolf sah auf das Schaf herunter und nickte nur. Und das kleine Schaf wurde scheinbar noch kleiner. Mutlos ließ es den Kopf hängen und flüsterte ganz leise, so dass sich selbst der alte Wolf anstrengen musste, die Worte zu verstehen:
„Dann kann ich es wohl nicht mehr ändern. Ich werde es dir auch nicht zu schwer machen, denn es hat ja doch keinen Sinn, wenn ich hier erst über die Weide renne und versuche, dir zu entkommen.“
„Hhhmmmm“, brummte der Wolf und dachte listig bei sich:
„Ich bin nicht mehr der Jüngste und wenn es das Schaf schon von sich aus anbietet, sollte ich zugreifen.“
„Wenn ich dir aber das Herumrenne erspare, dann könntest du doch auch noch etwas für mich tun, oder?“, fragte das kleine Schaf vorsichtig.
„Etwas für dich tun? – Das kommt ganz darauf an“, erwiderte der alte Wolf vorsichtig.
„Könntest du mit eine letzte Bitte erfüllen?“, bettelte das kleine Schaf.
„Dann will ich mich auch still hinlegen und du kannst mich in aller Ruhe fressen.“
„Na schön“, denkt der alte Wolf bei sich.
„Wenn es nicht zu lange dauert, dann kann ich dabei eigentlich nur gewinnen.“
Und zu dem kleinen Schaf:
„Wenn es denn sein muss. Aber es darf nur kleine Bitte sein.“
„Ja, ja. Es ist wirklich nur eine ganz klitze, kleine Bitte“, erwiderte rasch das kleine Schaf. Und mit dem Kopf deutete es zu einem Busch jenseits des Zaun.
„Dort drüben unter den Strauch wachsen ganz zarte Blätter, die ich schon immer einmal essen wollte. Ich bitte dich sie mir zu holen. Dass soll mein letzter Wunsch sein.“
Und tief traurig senkte das kleine Schaf seinen Gesicht und fügte hinzu:
„Wenn ich sie genossen habe, kannst du mich still und friedlich verspeisen.“
„Gut, gut. Diesen Wunsch will ich dir erfüllen. Warte hier, dann hole ich sie.“

Der große, dunkle Wolf drehte sich auf den Hinterbei-nen um und wollte gerade in Richtung der beschädigten Ecke im Zaun lostrotten, als ihn die Stimme des kleinen Schafs in der Bewegung verharren ließ:
„Wo willst du denn hin? – Der Busch ist doch direkt hier auf der anderen Seite vom Zaun.“
„Ich springe dort drüben durch das Loch, laufe am Zaun entlang und bin dann gleich wieder zurück.“, antwortete der Wolf.
„Du großer, starker Wolf willst ganz außen um den Zaum herumlaufen?“, fragte das Schaf völlig erstaunt.
„Das dauert aber richtig lange. Glaubst du, dass du mich dann noch vor dem Morgengrauen in Ruhe auffressen kannst?“
Nachdenklich wiegte der Wolf den Kopf hin und her.
„Aber wie soll ich sonst auf die andere Seite kommen? Der Zaun ist für mich viel zu hoch, als dass ich darüber hinwegspringen könnte.“
„Mit deinen scharfen Krallen und deinen starken Pfoten kannst du dich doch ganz leicht direkt hier unter dem Zaun durchgraben.“
„Ja, ja. Das ist eine gute Idee“, stimmte der alte, graue Wolf zu und begann sofort zu graben.

Als er eine flache Kuhle unter dem Zaun freigelegt hatte, presste er sich flach auf den Boden und rutschte unter den Zaun. In diesem Moment sprang das Schaf von hinten an ihn heran und trat auf seine Rute. Oben durch die Zaunlatte gehalten kam er weder vor noch zurück.
So blieb das kleine Schaf stehen, hielt den Wolf fest und wartete bis die Sonne aufging und der Bauer zur Weide kam.
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Einfach, auf den Punkt gebracht


Funkenschlag, Ich war nicht dabei, Morgenrot - bisher noch kaum gesehen
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