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Thema: Krippenspiel

  1. #1
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    Krippenspiel

    Hans-Georg Kaiser

    Krippenspiel



    Maria und ihr Joseph
    erwarteten ein Kind.
    Sie fanden noch ein Obdach
    im Stall des Wirts geschwind.
    Die Hammel und die Schafe,
    die schützten vor dem Wind.

    Maria und ihr Joseph,
    sie durften Zeugen sein.
    Die unbefleckte Jungfrau
    gebar das Jesulein.
    Beim Zählen seiner Schafe
    ließ Gott sie nicht allein.

    Ein Ochse übte Beten.
    Ein Hirte kam herein.
    Und Joseph an der Tür dort
    ließ alle Gäste ein.
    Ob Menschen oder Schafe:
    Man will behütet sein.

    Ein Stern, so fern, half Leuchten
    drei Königen im Licht.
    Ob sich die Schreiber täuschten?
    Ein König war da nicht!
    Es kamen Zaubrer, Hirten,
    und Wind blies ins Gesicht.


    Geändert von H-G Kaiser (09.12.2007 um 10:13 Uhr)
    "Totgesagte leben länger."

  2. #2
    barfly Guest
    hallo hans-georg kaiser

    ich möchte gerne die dichotomie zwischen mensch und schaf in deinem gedicht herausstellen. ich lese das als bitterböse religionskritik.

    Ob Menschen oder Schafe
    sehr bissig: wenn man den spruch "der herr ist mein hirte ..." im hinterkopf hat, so lässt das den schluss zu, dass wer gott/den herren als hirten anerkennt, demnach ein schaf ist. er ist also kein mensch. mensch ist nur jemand, der sich seines eigenen verstandes bedient, sich aus den entfremdenden verhältnissen selbst befreit.
    später im postfaschistischen deutschland hieß das dann "mensch oder schwein"/"lösung oder problem"

    grüße
    barfly

  3. #3
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    Hallo Hans Georg
    Ja, so stehts mit anderen Worten im neuen Testament. Nichts Neues also!
    Bis auf den "Running Gag" mit den Schafen. Könnte allerdings auch in anderem Sinn verstanden werden, weil das Gedicht ja Krippenspiel heißt. Also denke ich da mal entweder an die Modelle einer Krippe, oder an ein Theaterstück.
    Premieren werden ja jetzt demnächst wieder weltweit aufgeführt. Ich war vor zwei Jahren mit meiner Nichte, damals zehn Jahre alt und aufgeweckt, bei einer Vorführung. Das Jesuskindlein war eine große Puppe mit einem Schnuller. Als die Kleine das sah, meinte sie schnippisch, das kann ja wohl nicht das echte Jesuskind sein, wegen dem Schnuller. Weil es damals noch keinen gab, fragte ich, wollte das Gespräch pädagisch wertvoll aufnehmen.
    Nein, sagte sie altklug (liegt in der Familie), damals gab es noch keinen aus Kunststoff! Und wo Kinder recht haben...


    Grüßle
    Rolf

  4. #4
    barfly Guest
    @goldlaub: der schwank aus deinem leben hat was mit dem gedicht zu tun?

  5. #5
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    @barfly
    naja, die Ansichten eines Kindes sind ja bisweilen niedlich-naiv-logisch.
    Die Puppe ansich wurde nicht als Plagiat bekrittelt (auch eine Puppe ist beileibe nicht das echte Kind) sondern nur ein eigentlich unwichtiger Nebenteil, der Plastikschnuller.
    Ich bin mir fast sicher, dass viele aufgeweckte Zehnjährige den Lapsus in der Logik des Gedichtes in ihrer eigenen Auffassung erkennen würden:
    "Hat das Jesuskindlein ein großes Geschwister?"

    In der ersten Strophe verharrten Maria und Josef schon bei dem Kind,
    und in der letzten Strophe wird dann das Jesulein geboren.

    Schon klar, der Aufbau der Geschichte läßt auch das Verstehen dahingehend zu, daß die Reihenfolge nicht widersprüchlich ist.
    Zudem durfte Maria (auch Josef, klar) einer Jungfrau beim Gebären zuschauen.
    Und wenn ich schon beim Meckern bin :
    Gibt es eine befleckte Jungfrau? Muss man da differenzieren?

    Ok. Ich meine bei all dem jetzt wirklich nur das Gedicht. Weder den Autor, noch religiöse Ansichten !

    Grüßle
    Rolf

  6. #6
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    Hallo HG!

    Ich habe mit Interesse dein kritisches Gedicht gelesen. Ich bin Agnostiker, habe aber meine größte Freude an der Weihnachtsgeschichte, wie du in meinem Krippengedicht sehen kannst.
    LG Ingo
    Ibrahim (Ingo Baumgartner)

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