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Thema: Begehren

  1. #1
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    Begehren

    Du hast, Geliebte, ohne falsche Scham,
    dein Herz, die Bluse, auch den Rock geöffnet.
    Als hätten meine Augen nie im Leben
    ein wunderschönes, nacktes Weib gesehen,
    vergrößern sich rasch die Pupillen und lassen das prächtige Bild
    ins Tiefste der Seele mir sinken.

    Ich trink mit Blicken, seh mit meinem Mund, -
    ein Rauschen tönt im Ohr wie Wasserfälle.
    Du schmiegst dich schmeichelnd an und stöhnst begehrlich:
    Leg ab die Scheu, Geliebter, komm noch näher,
    zerreiß mit den Zähnen die störenden Reste der Hüllen um mich,
    wir werden die Wollust genießen.
    Geändert von Kulturheinzi (26.10.2009 um 15:32 Uhr)

  2. #2
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    Begehren

    Hallo Heinzi

    es fehlt die Reimkunst (eher vers libre oder Prosa). Die erotische Aussage ist jedoch gut und deutlich formuliert. Das Begehren könnte noch etwas stärker eingebracht werden (lechzend und gierend).

    LG Hans

  3. #3
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    Lieber Hans,
    es fehlt die "Reimkunst"? Ein herber Vorwurf. Ich hatte mir das so gedacht:
    1. Strophe:....................................2. Strophe:

    xXxXxXxXxX...................................xXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXx..................................xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXx..................................xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXx..................................xXxXxXxXxXx
    xXxxXxxXxxXxxXxxX.........................xXxxXxxXxxXxxXxxX
    xXxxXxxXx......................................xXxxXxxXx

    Vielleicht ist erkennbar, dass ich auf Reimkunst hier gänzlich verzichtet und mich mir der Verskunst (ein überhebliches Wort) begnügt habe. Lechzend und gierig? Das ist also dann Erotik? Da häng ich doch lieber ein seidenes Hemdchen über die nackte Sexualität. Das Gedicht heißt auch nicht Begierde oder Gier, sondern Begehren. Aus dem Alter, in dem wir sabbernd und gierig nicht schnell genug zur Sache kommen wollten, sind wir doch raus?
    Beste Grüße,
    Heinz

  4. #4
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    Begehren

    Lieber Heinzi,

    habe es auch nicht anders erwartet als von Dir ein gutes, wenn auch nicht gereimtes Gedicht zu lesen. Selbst stehe ich allerdings mehr auf Reime.
    Begehren ist doch eine Ableitung von Begierde und da geht es um das Habenwollen. Dies findet im Kopf statt und das fast immer in größerem Umfang wie es gebraucht wird. So gibt es auch bei alten Menschen Begierden, wenn sie geistig wach sind.

    LG Hans

  5. #5
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    ich finde, du bist eines der talentierten menschenwesen hier bist und demgemäß lese ich deine texte gern, mein alter nur da tue ich mir ein bissi schwer. dass es net gereimt ist, macht mir persönlich nix aus. nur:
    Als hätten meine Augen nie ein nacktes,
    nur spärlich noch bedecktes Weib gesehen,
    also entweder deine mieze iss NACKT, oder sie hat noch was an, was sie spärlich bedeckt. aba beides geht net. wenn sie ne unrasierte muschi hat, dann wäre sie m.e.n. noch spärlich bedeckt - hm? aussadem nen rock öffnet man eher selten, denn lässt man runtafallen. aussa er is mit knöpfen vorne versehen und das iss ne mühsame prozedur, wenn du schon sooooo scharf auf den süssen hintern bist, dass du den dreitagebart auf deinen unrasierten eiern leckst.
    Geändert von ralf (26.10.2009 um 11:46 Uhr)

  6. #6
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    Lieber Hans,
    Begehren, Begierde hat gleichbedeutende Wurzeln, da hast Du schon Recht.
    Wenn ich mir die üblichen Zusammensetzungen mit Gier, z.B. "Habgier", oder das Wort gierig (gierig hinabschlingen) ansehe, habe ich meinem Sprachverständnis doch bei "begehrlich" oder "Begehren" andere Assoziationen. "Er schaut begehrlich auf des Nachbars Teller" klingt für mich einfach anders als "er schaut gierig auf des Nachbars Teller". Vielleicht so: Der erstere möchte gern, der zweite will (und ihm fallen die gierigen Augen schon fast aus dem Kopf). Du darfst gern "auf Reimen stehen" und ich beweise Dir gern, dass die Reimerei zu meinen Fingerübungen gehört. Aber Du wirst mir vermutlich zustimmen müssen, wenn ich sage, dass die große Mehrzahl bedeutender Gedichte n i c h t gereimt sind.
    Aber der Hans, der Plonka, steht aufs Reimen,
    Also, Heinz, nun reiß dich mal zusammen!
    Bis zum März, bevor die Schafe lammen,
    wirst du fünfzig hübsche Verse leimen.
    Singst von Sehnsucht, Schmerz und Liebe,
    lässt im Bauch die Schmetterlinge fliegen,
    gibst dir große Müh beim Sätzebiegen,
    Pulsejagen und die süßen Triebe
    darfst du aber nie verschweigen,
    da ist er, der Hans ganz eigen.
    Liebe Grüße,
    Heinz
    Lieber Ralf,
    gut den Finger in die offene Wunde gesteckt. Ich bin ja lernfähig und habe die Verse abgewandelt.
    Was den Rock angeht, da habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Erstens, bevor so ein Rock fällt, muss da noch was getan werden, zB. Reißverschluss oder erwähnte Knöpfe öffnen, sonst würde sich der Rock ja ständig bodenwärts begeben. Die Dame in meinem Hinterkopf hatte so einen raffinierten Wickelrock an, der brauchte wirklich nir geöffnet werden.
    Für Deinen Prolog sage ich Dir besten Dank!
    Liebe Grüße,
    Heinz

  7. #7
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    Begehren

    Lieber Heinzi,

    das die große Mehrzahl bedeutender Gedichte nicht gereimt ist, dem kann ich nicht zustimmen. Diese Gedichte mögen vielleicht für Experten bedeutend sein, der Durchschnittsleser akzeptiert sie nicht einmal als Gedicht. Ich selbst akzeptiere sie auch erst seit ich hier im Forum bin. Vorher wußte ich nicht einmal dass es Gedichte sind. Ich hielt mich immer für einen typischen Durschnittsleser.

    LG

  8. #8
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    Rweim oder Nichtreim

    Mein lieber Hans,
    selten bist Du so auf dem Holzweg spazieren gegangen! Ich zähl Dir mal zwei, drei Gedichte, wenn Du möchtest, auch tausend, auf, die zur Weltliteratur gehören. (Im übrigen, die ollen Germanen kannten den Endreim noch gar nicht, den haben die Kreuzritter erst über Frankreich in unsere Breiten gebracht).
    Also,
    "Odyssee" und "Ilias" von Homer
    "Marienbader Elegie"
    "Venezianische Epigramme"
    "Römische Elegien" - alles Goethe
    "Das Hohe Lied" Altes Testament
    "Hermann und Dorothea" Goethe
    "Nänie" Schiller
    "Iphigenie" Goethe
    Dante, Skakespeare, alle alten Griechen und Lateiner und Tausende andere.
    Unsere Sprache wäre armselig, wenn sie nur endreimen würde. Und wenn wir dereinst das Zeitliche segnen, spricht ein gütiger Pastor die Worte
    "Er ruhe in Frieden!" (xXxxXx)
    Beste Grüße und viel Spaß bei der großartigen Lektüre, die ich Dir oben vorgeschlagen habe.
    Heinz

  9. #9
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    Hallo Kulturheinzi,

    in die Auseinandersetzung um Gedichtdefinitionen möchte ich mich als freier Schreiberling gar nicht erst einmischen, deshalb wende ich mich wie Ralf mehr der Sinnhaftigkeit und Bildqualität zu.
    "seh mit meinem Mund" kann ich mir höchstens als Staunen mit offenem Mund vorstellen.
    Wenn das Weib schon nackt ist, welche restlichen Hüllen soll der Wollüstige dann noch zerreißen?
    Was die Originalität anbelangt, sind Anreden wie Geliebte/Geliebter nicht gerade neu und eher altbacken, auch die erotischen Beschreibungen wie
    "wunderschönes nacktes Weib" und "schmiegst dich schmeichelnd und stöhnst begehrlich" hat leider nur Liebesromanniveau.
    Leider kann ich dir inhaltlich kein besseres Feedback geben, aber du hast ja immer noch die Metrik an der du dich erfreuen kannst.
    LG
    Perry

  10. #10
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    Begehren

    Lieber Heinzi,

    all diese Gediche die Du mir da genannt hast sind der Mehrheit der Leser nicht bekannt oder zumindest nicht als Gedichte und sie interessieren sie auch kaum. Bei Experten mag dies anders sein, doch sie sind nicht die Mehrheit.
    Dies ist meine Erfahrung, aber vielleicht bewegst Du Dich nur unter Experten und hast deshalb ein anderes Bild davon.

    LG Hans

  11. #11
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    Hallo, Hans,
    Du glaubst offensichtlich, was Du da sagst. Der Mehrheit der Leser seien die größten Liebesgedichte (für mich Salomos Hohes Lied und die Marienbader Elegien) der Weltliteratur nicht bekannt? Ihnen sagt Goethe, Rilke, Heine, Dante, Homer, Shakespeare, vielleicht auch Villon, Rimbaud, Hafis und wie sie alle heißen, nichts? Und ich habe bisher geglaubt, in einem Gedichte-Forum zu sein und nicht das "Goldene Blatt" lesend in einem Friseursalon. Im übrigen bin ich der festen Überzeugung, dass die Mehrheit der User/innen in diesem Forum ganz sicher von diesen Leuten gehört und einiges von ihnen gelesen haben (nur - die melden sich nicht bei Werken, die unterhalb eines gewissen Niveaus sind.
    Lieber Perry,
    "seh mit meinen Mund" hat Goethe zwar nicht geschrieben, aber schonmal so was wie "fühle mit sehender Hand" - was mag der alte Knabe da wohl gerade geraucht haben? Fürs Sehen und Schmecken braucht man Sinnesorgane, die etwas weiterleiten. Und wenn ein "suchender" Mund (einen suchenden Hund würdest Du mir wohl eher abnehmen) einen Sinneseindruck wie mmmhhhh, lecker weiterleitet, wäre es nicht vorstellbar, dass unser Gehirn sich dann ohne Beteiligung der Augen ein Bild zaubert? Warum schließen so viele Menschen beim Küssen die Augen?
    Gut, das Weib ist nackt. Und hat nach Deiner Ansicht keine "Hüllen" mehr, die sich zu zerreißen lohnen. Vielleicht Ängstlichkeit, die sich wie eine Hülle um das Seelchen legt, oder Scham, die den vollen Genuss der Wollust verhindert?
    Tiefer lotend ist Deine Kritik an den "altbackenen" Ausdrücken auf Liebesroman-Niveau. Neu sind diese Worte tatsächlich nicht. Aber bevor ich mich zu wikipedia begebe und kaum verständliche Wörter aneinanderreihe, nur um den Eindruck von Originalität zu vermitteln, bleib ich ganz gern bei "schönes Weib", "Geliebte" u.ä. (Ich denke, es kommt auch darauf an, in welcher Tonlage - ich empfehle Bassbariton - und Laustärke und bei welcher Gelegenheit man sagt: "Du bist - ein schönes Weib!" Das funktioniert aber erst, wenn man einen guten Cognac oder einen guten Rotwein den Alcopops vorzieht). Dein etwas ironischer Trost, ich hätte ja dann immerhin noch die Metrik, kommt nicht so bei mir an. Metrik ist für mich kein Gitter, an das ich mich klammern muss, vielleicht eher - wenn es denn funktioniert - das durchsichtige Etwas, was hier natürlich längst irgendwo auf dem Boden liegt oder ganz verwurschtelt auf der Bettkante hängt (deswegen der Wechel des Metrums).
    Ich danke Dir aber für Deinen Kommentar, weil mich ernsthafte Kommis immer nachdenklich stimmen.
    Liebe Grüße,
    Heinz
    Geändert von Kulturheinzi (27.09.2010 um 16:54 Uhr)

  12. #12
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    Lieber Heinzi,

    von den genannten Dichtern kenne ich nicht: Salomos, Ribaud, Hafis. Dante nur vom Hörensagen. Von den anderen habe ich auch schon Gedichte gelesen.
    Damit dürfte ich schon in der oberen Hälfte derer liegen, die sich schon mal mit Gedichten beschäftigt haben. Selbst wenn es hier im Forum anders aussehen sollte, dann wäre dies auch noch nicht die Mehrheit.
    Ein Gedichtband mit nicht gereimten Gedichten würde mit Sicherheit kein Verkaufserfolg.

    LG Hans

  13. #13
    Jazemel ist offline gewaschen, getrocknet, gebügelt, gefaltet und wieder aus dem Schrank gefallen
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    Nee, nun kann ich nicht mehr die Finger still halten, entschuldige Heinz.

    Zitat Zitat von Hans Plonka
    Lieber Heinzi,

    von den genannten Dichtern kenne ich nicht: Salomos, Ribaud, Hafis. Dante nur vom Hörensagen. Von den anderen habe ich auch schon Gedichte gelesen.
    Damit dürfte ich schon in der oberen Hälfte derer liegen, die sich schon mal mit Gedichten beschäftigt haben. Selbst wenn es hier im Forum anders aussehen sollte, dann wäre dies auch noch nicht die Mehrheit.
    Ein Gedichtband mit nicht gereimten Gedichten würde mit Sicherheit kein Verkaufserfolg.
    Ach Hans,
    es ist nie besonders weise, von sich auf Andere zu schließen und eigenen Vorlieben das Siegel der Allgemeingültigkeit aufzudrücken.
    Es gibt durchaus Menschen, die mehr von Poesie/Gedichten erwarten, als einen passenden Endreim. Was gibt mir ein sauberer Endreim, wenn der Inhalt im Grunde nur eine Banalität an die andere reiht? Das Gedicht langweilt? Es so schnell vergessen, wie gelesen ist? Poesie/Lyrik ist nicht gleichbedeutend mit Reim und ein Reim macht auch nicht zwingend Blabla zur Poesie, nicht wahr?

    Mit der eigenen Zuweisung in die obere Hälfte, wäre ich auch vorsichtig, das ist schon einmal gründlich in die Hose gegangen (du erinnerst dich?). Anraten kann ich dir, diese Klassiker durchaus mal zu lesen, auch wenn ich vermute, dass dir z. B. Dante nicht unbedingt zusagen wird, vielleicht kannst du eher etwas mit T.S. Elliot anfangen. Ist aber nur eine Mutmaßung. Die Palette der Dichter, die im vers libre schrieben ist groß, die Palette der Dichter, die sowohl reimten als auch im vers libre schrieben, um ein vielfaches größer. Tu es dir an, kann dir nur nützen, in jeder Beziehung.

    Was die Verkaufsschlager ungereimter Gedichtbände angeht, irrst du gewaltig.
    Hans Kruppa, Kristiane Allert-Wybranietz, Erich Fried, um nur drei der moderneren Dichter zu nennen, habe alle ungereimte Gedichtebände (mehrere) herausgegeben und das sehr erfolgreich. Kruppa und Allert-Wybranietz sind zwar nicht mein Fall, aber könnten dir durchaus zusagen.

    Vers libre ist weit mehr als einfach reimloses schreiben und eventuell, sollte man sich etwas mit der Materie beschäftigen, eventuell sogar eintauchen, damit man zumindest Ahnung hat, wovon man spricht.

    Schönen Tag noch.

    Jazemel
    Geändert von Jazemel (28.10.2009 um 13:08 Uhr)


    Better to write for yourself and have no public, than to write for the public and have no self. (C.Connolly)


  14. #14
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    Ich finde es immer wieder bedenklich, dass viele .comler den Reim nicht einfach als das begreifen was er ist: Ein beliebiges Stilmittel, welches auf einem phonetischen 'Ähnlichkeitsklang' beruht, der bei uns das positive Gefühl auslöst etwas bereits gehört zu haben (und damit unsere Umwelt als vorhersagbar wahrzunehmen). Reime sind damit funktional äquivalent zu Repetitios/Anaphern, Alliterationen, Assonanzen bis hin zur syntaktischen Parallelität. Der Endreim diente in klassischen Formen besonders der Strukturierung zur leichten freien (!) Wiedergabe, sprich: Es war einfacher sich diese Gedichte zu merken durch einen hohen Grad an Einschränkung von semantischen Optionen. Dieser Vorteil entfällt zusehends, weil Texte pausenlos verfügbar sind. Es gilt folglich meine obere conclusio.

    Gruß, Jamzee

  15. #15
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    Nun kommen wir aber doch mal wieder zurück von der Endreim-Diskussion zum obigen Text:

    Der ist mir nämlich auch ein bißchen 0815mässig in Bild und Wort, als dass er mich nun vom Hocker reißen könnte - Du wirst es mir verzeihen, Heinz. Was man unter manches "Erstlingswerk" hier gerne schreibt, ging mir auch spontan durch den Kopf: Das lD würde sich sicherlich über die Widmung dieser Zeilen freuen, ich als neutraler Leser bin da etwas anspruchsvoller und gerate nicht mit dem lI in Verzückung ob des abgestreiften Kleidwerks. Blutrausch im Ohr und beabsichtigte Wollust, das ist wirklich abgegriffen und wenn da die Form nicht immens den Inhalt stützt, dann rutscht es einfach ab.

    Den Rhyhthmus hast Du ja selbst schon skizziert: Ein relativ lascher Einstieg, weil der Jambus nun mal nicht wirklich zu treiben versteht. Dann wechselst Du zwar dankenswerterweise (also ich finde zum Thema passender) in den Daktylus, doch zum einen ist das für den Leser nicht leicht, und zum anderen kehrst Du gleich wieder um, um das Gleichmaß der Strophen zu halten. Mir nimmt das den grad gewonnenen Schwung.

    Mir persönlich fällt es auch schwer, bei von Zähnen zerrissenen Hüllen an etwas anderes, als die Bekleidung zu denken und insofern habe ich Probleme, der Erklärung zu dieser Passage ernsthaft zu folgen.

    Die Abschlußzeile klingt für mich fast kindlich bemüht: Wenn man sich den Genuß derart als Vorsatz setzen muss, hab ich so meine Zweifel, schmunzel; ich hoffe, das sagt nicht allzuviel über mich aus

    Es gibt Texte, die kann man durchaus schreiben, wie sie dann am Ende dastehen, ich muss sie aber nicht gelesen haben. Und in diesem Sinne find ich hier halt kein großes Kino. So what...

    Lieben Gruß
    Nina
    .
    .

    "gesammelte Empfehlungen" von linespur
    Du vermisst einen Kommentar zu Deinem Gedicht?

    … Also las ich ihm aus dem Wind vor, in der Hoffnung, es würde ihn ablenken. Letztendlich las ich sogar den Sturm und sah doch noch immer den Hunger in seinen Augen und wie er fror. Vielleicht, meinte er, vielleicht fiele bald Regen; solcher, der sich in kleinen Pfützen sammelt und dann allmählich über ihre Ränder sickert, die zuvor niemand sah. …
    [Auszug aus "Steinseiten"]

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