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Thema: Auf der anderen Seite des Weges

  1. #1
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    Der Tod ist nichts, ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen.
    Ich bin ich, ihr seid ihr.
    Das was ich für Euch war, bin ich immer noch.
    Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt.
    Sprecht mir mir, wie ihr es immer getan habt.
    Seid nicht feierlich oder traurig.
    Lacht weiterhin über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben.
    Betet lacht, denkt an mich. Betet für mich,
    damit mein Name im Hause ausgesprochen wird, so wie es immer war, ohne irgendeine besondere Betonung, ohne die Spur eines Schattens.
    Das Leben bedeutet das, was es immer war.
    Der Faden ist nicht durchschnitten.
    Warum soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein,
    nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin?
    Ich bin nicht weit weg, nur auf der anderen Seite des Weges.

    Charles Peguy



    Das ist mein Lieblingsgedicht. Es spendet mir irgendwie Trost und es lässt den Tod nicht so endgültig erscheinen.

  2. #2
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    Nun, June, ich stimme Dir grundsätzlich zu - doch ist es ein Gedicht? Ist Péguy der Autor?

    “Death is nothing at all. It does not count. I have only slipped away into the next room. Nothing has happened. Everything remains exactly as it was. I am I, and you are you, and the old life that we lived so fondly together is untouched, unchanged. Whatever we were to each other, that we are still. Call me by the old familiar name. Speak of me in the easy way which you always used. Put no difference into your tone. Wear no forced air of solemnity or sorrow. Laugh as we always laughed at the little jokes that we enjoyed together. Play, smile, think of me, pray for me. Let my name be ever the household word that it always was. Let it be spoken without an effort, without the ghost of a shadow upon it. Life means all that it ever meant. It is the same as it ever was. There is absolute and unbroken continuity. What is this death but a negligible accident? Why should I be out of mind because I am out of sight? I am but waiting for you, for an interval, somewhere very near, just round the corner. All is well. Nothing is hurt; nothing is lost. One brief moment and all will be as it was before. How we shall laugh at the trouble of parting when we meet again!”
    (Aus: Henry Scott Holland: The King of Terrors, A sermon preached in St Paul’s Cathedral, London, Sunday 15th May 1910.)

    Ist dies vielleicht das Original ... Wer weiß mehr?

    Thisbe
    dich singen scheuer augenblick
    in deinen obertönen werde ich

  3. #3
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    Hallo Thisbe,

    irgendwie lustig, daß Du da einen Beitrag von 2004 herauskramst und dazu eine Frage nach der Herkunft stellst. Ober die Userin June das noch mitbekommt?

    Ich habe inzwischen das Originalgedicht von Charles Péguy gefunden. Ich bin mir ziemlich sicher, daß dies auch das Original ist.


    La mort n'est rien

    La mort n'est rien,
    je suis seulement passé, dans la pièce à côté.

    Je suis moi. Vous êtes vous.
    Ce que j'étais pour vous, je le suis toujours.

    Donnez-moi le nom que vous m'avez toujours donné,
    parlez-moi comme vous l'avez toujours fait.
    N'employez pas un ton différent,
    ne prenez pas un air solennel ou triste.
    Continuez à rire de ce qui nous faisait rire ensemble.

    Priez, souriez,
    pensez à moi,
    priez pour moi.

    Que mon nom soit prononcé à la maison
    comme il l'a toujours été,
    sans emphase d'aucune sorte,
    sans une trace d'ombre.

    La vie signifie tout ce qu'elle a toujours été.
    Le fil n'est pas coupé.
    Pourquoi serais-je hors de vos pensées,
    simplement parce que je suis hors de votre vue ?
    Je ne suis pas loin, juste de l'autre côté du chemin.

    Charles Pierre Péguy
    (* 7. Januar 1873 in Orléans; † 5. September 1914 bei Villeroy)

    Liebe Grüße

    Friedrich

  4. #4
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    Ave Friedrich!

    Zitat Zitat von Friedrich Beitrag anzeigen
    irgendwie lustig, daß Du da einen Beitrag von 2004 herauskramst und dazu eine Frage nach der Herkunft stellst. Ober die Userin June das noch mitbekommt?
    Och, weißt Du, ich hab schon Pferde mitsamt Reiter vor der Apotheke ... usw.
    Ohne jetzt eine Grundsatzdiskussion über das Verfallsdatum von Beiträgen auf dotcom anfangen zu wollen ...
    Es kommen doch manches Mal noch Nutzer, die bekunden, sie wären ewig nicht dagewesen,
    sich aber freuen, Resonanz auf ihre Gedanken vorzufinden
    Du siehst ... Zeit ist Nichts --- wir sind hier in der Bibliothek

    Zitat Zitat von Friedrich Beitrag anzeigen
    Ich habe inzwischen das Originalgedicht von Charles Péguy gefunden. Ich bin mir ziemlich sicher, daß dies auch das Original ist.
    Oh Sag, wann hat er es geschrieben bzw. wo wurde es veröffentlicht?

    Gespannte Grüße

    Thisbe
    dich singen scheuer augenblick
    in deinen obertönen werde ich

  5. #5
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    Liebe Thisbe,

    ich habe voreilig geurteilt, als ich schrieb, ich sei "ziemlich sicher, daß Peguys Gedicht das Original" sei. Der von Dir zitierte Text, der am 15. Mai 1910 anläßlich des Todes von King Edward VII in der Saint Paul's Cathedral in London verlesen wurde, ist der Originaltext.

    Hat Péguy nun plagiiert? Das ist höchst unwahrscheinlich, denn der Dichter war bei der Begräbnisfeier des Königs nicht anwesend. Darüber hinaus ist er 1914 verstorben fünf Jahre bevor der Text in Facts of the Faith veröffentlicht wurde. Allein diese Jahreszahlen machten mich so sicher in meinem Urteil, doch man kann sich täuschen!

    Jean Batistaire und Eric Thiers, selbst "Péguystes", haben nachgeforscht, doch bisher nicht herausfinden können, wer aus welchen Gründen dieses "übersetzte" Gedicht dem Dichter der Mystères et des Tapisseries untergeschoben hat. Die beiden sind überzeugt, daß Péguy das Gedicht selbst nicht geschrieben hat.

    Im übrigen ist La mort n'est rien ein großer "Renner" auf französischen Begräbnisfeiern, wo es unter Berufung auf die Urheberschaft von Charles Péguy rezitiert wird; dies allerdings erst seit den 90er Jahren.

    In der Hoffnung, Dir damit weitergeholfen zu haben und

    mit lieben Grüßen

    Friedrich

  6. #6
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    Lieber Friedrich,

    Dank!

    Zitat Zitat von Friedrich Beitrag anzeigen
    Der von Dir zitierte Text, der am 15. Mai 1910 anläßlich des Todes von King Edward VII in der Saint Paul's Cathedral in London verlesen wurde, ist der Originaltext.

    Hat Péguy nun plagiiert? Das ist höchst unwahrscheinlich
    Andersrum gefragt: Hätte einer wie H.S. Holland es bei solch einem Ereignis allein schon vor sich selbst verantworten können, mit einem Plagiat anzutreten? Wohl ebenso unwahrscheinlich.

    Zitat Zitat von Friedrich Beitrag anzeigen
    Jean Batistaire und Eric Thiers, selbst "Péguystes", haben nachgeforscht, doch bisher nicht herausfinden können, wer aus welchen Gründen dieses "übersetzte" Gedicht dem Dichter der Mystères et des Tapisseries untergeschoben hat. Die beiden sind überzeugt, daß Péguy das Gedicht selbst nicht geschrieben hat.

    Im übrigen ist La mort n'est rien ein großer "Renner" auf französischen Begräbnisfeiern, wo es unter Berufung auf die Urheberschaft von Charles Péguy rezitiert wird; dies allerdings erst seit den 90er Jahren.
    Seltsam ... spannend ... fällt exakt in die Zeit, in welcher die Realisierung der Idee des www ihren rasend schnellen Siegeszug antrat. Da staunt der Leser, Forscher und wer sonst noch

    Zitat Zitat von Friedrich Beitrag anzeigen
    In der Hoffnung, Dir damit weitergeholfen zu haben
    Ja!

    Dito liebe Grüße

    Thisbe
    dich singen scheuer augenblick
    in deinen obertönen werde ich

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