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Thema: Dummheit stirbt nicht aus....

  1. #1
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    Unhappy

    Huhu

    Im Gedicht der Dummheit ist Fairyna das lyrische Ich.
    Jetzt wird’s peinlich....Herr, lass Hirn regnen! Der Herr seit ihr und ich hoffe ihr seht es nicht als allzu lächerlich, was ich im Folgenden fragen möchte. Ich habe mich außer zwangsläufig in der Schule nie mit Lyrik beschäftigt. Ein Paar rhetorische Figuren sagen mir namentlich etwas aber da sind auch schon die Grenzen. Ich schreibe jahrelang „Gedichte“ aber wie ich hier seit einigen Tagen gemerkt habe, könnte man sie künstlerisch als totalen Schrott bezeichnen.
    Da ich aber Spaß am Schreiben habe und das Spiel mit den Worten mir viel bedeutet, bin ich lernwillig was wirkliches Schreiben ausmacht. Ich habe hier viel gelesen was sprachliche und stilistische Dinge angeht aber es ist wahnsinnig mühselig aus zig Threads Antworten auf meine Fragen herauszufiltern. Könnt ihr mir bei den grundlegenden Regeln was Gedichte betrifft etwas helfen?

    Wie sieht es mit dem Reimschema aus? Paarreime werden hier meist als kindlich angesehen. Ist das grundsätzlich so und sollte man sie besser nicht verwenden? Auf was muss man bei den Reimwörtern achten? Welches Reimschema verwendet man am besten für welche Themenbereiche?

    Was ist mit Metaphern? Welche Art ist wünschenswert, wo liegt hier bei das A und O? Ich habe in letzter Zeit aus meiner Sicht umgekehrte bzw. doppelte „Metaphern“ verwendet zum Beispiel schreiende Feuer, versüßter Gral......schreiend und versüßt war in den Fällen personifiziert und ist schon eine Metapher, Gral und Feuer sind auch Metaphern. Kann man solche Dinge zusammenfügen? Der Himmel weint, Sehnsucht wird leise....solche überall bekannten und ausgesaugten Bilder sind mir zu langweilig. Nach welchem Schema formt ihr euch Metaphern?

    Wie sieht es mit der Metrik aus? Sollte in zwei zusammengehörigen Reimzeilen die Silbenzahl und die Silbenreihenfolge immer gleich sein, auch gleich betont, damit es „ordentlich“ ist, sich fließend anhört oder wirkt es dann eher monoton?

    Dann bin ich diese 0815-Themen leid. „Herz-Schmerz-Kind-kommt-mit-Welt-nicht-klar-Gedichte“ , schnulziges wehleidiges Zeugs in „Gedichtform“ gepresst ist peinlich, Satan-wird-dich-holen-Gedichte sind out, religiöses Wortgefecht ist langweilig vom Thema, für Erotik und Liebe bin ich zu verklemmt.....alles scheint mir so ausgelutscht zu sein. Wie soll ich an Themen rangehen? Wo holt ihr euch Inspirationen her?

    Als nächstes wollte ich mich erst einmal bedanken. Ich habe erstmals seit Jahren überhaupt wieder Kritik geübt...und zwar in und durch dieses Forum. Selbstbehauptungstraining *g*
    Nur finde ich es nicht ok, Kritik an anderen Werken zu üben, egal wie gut oder schlecht sie sein mögen, wenn man bei meinen Gedichten direkt eine Bindehautentzündung bekommt.
    Habe ich als blutiger Anfänger überhaupt das Recht Kritik zu üben? Ich kann begründen warum es mir gefällt oder nicht zusagt, aber durch meinen Erfahrungshorizont nur beschränkt aus lyrisch fundierten Argumenten. In den Regeln steht, dass jeder dazu verpflichtet ist, andere Werke zu bewerten. Da dies aber ein Künstler-Forum ist, sollte ich lieber meinen Mund halten?


    Außerdem brauche ich viel zu lange um überhaupt etwas zu verfassen; vielleicht weil ich mir zu viele und zu lang Gedanken über etwas mache, bis auf die letzte Silbe....und am Ende sind Wörter und Verse durch zig Gedanken so verfremdet und abgeholzt, dass es in einem undurchschaubaren Chaos endet. Ich schreibe nicht sehr oft, eben weil ich mich selten durchgehend so lange Zeit am Stück auf etwas konzentrieren kann. Wenn tausend Gedanken im Kopf sind, ist es schwer sie in Versform und Reimschema zu ordnen. Es kommt vor, dass ich für einen vierzeiligen Vers geschlagene vier Stunden brauche und trotzdem merke, dass es eigentlich nicht das ist, was ich ausdrücken wollte. Für drei Gedichte im Jahr braucht man sich wohl kaum in so einem Forum anzumelden zumal es unfair ist, Kritik an anderen Werken zu üben selbst aber so nicht die Möglichkeit bieten kann, auch Kritik zu ernten. Bis zum 25. Geburtsjahr würd ich gerne noch etwas auf die Reihe kriegen
    Wie lange braucht ihr im Schnitt für ein Gedicht und wie bringt ihr Ordnung und System in ein Gedanken-Wort-Chaos im Kopf?

    Oh man, sorry, mir schäumen schon wieder die Fragen im Kopf über. Ich hab mir aber gedacht, dass ich damit vielleicht hier an der richtigen Adresse bin. Ich hab es satt, egal ob es Bilder oder manche Gedichte sind, zu hören, das ist gut und toll....ich weiß, dass es nicht so ist und deshalb frage ich hier Profis, die auch Tipps geben können. Honig ums Maul schmieren, Schleimerei....verklebt mir mein Hirn und bringt mich nicht weiter.
    Bitte, bitte helft mir, dass ich mich irgendwann zumindest einmal als einen Gedicht-Autor bezeichnen kann und nicht nur als Action-Painter mit Wörtern.

    Ganz viel, liebe Grüße,

    Fairyna





  2. #2
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    @fairyna,
    ich gehöre zwar auch nicht unbedingt zu den lyrisch gebildetsten und versiertesten dichtern hier, doch ich versuche dir trotzdem eine rückmeldung auf deine fragen zu geben...

    also *tieflufthol*
    Reimschema:
    ich würde mal sagen, dass es prinzipiell nicht zwangsläufig kindisch ist, einen paarreim zu verwenden! kindisch wird es dann, wenn sich eine kindliche aussage hinter den reimen verbirgt... z.b. "jippi du willt mich "
    "denn ich liebe dich" oder irgendwie sowas! grundsätzlich gibt es durchaus anspruchsvolle und technisch gute gedichte, die paarreimen zugrunde liegen. allerdings kann man das reimschema auch verwenden, um bestimmte gefühle und situationen noch besser auszudrücken. beispielsweise sollte man, beschreibt man z.B. ein absolutes gefühlschaos nicht unbedingt einen paarreim, der ja eher gleichmäßig und fließend wirkt verwenden. ein kreuzreim wäre beispielsweise wirkungsvoller...

    Metaphern sind grundsätzlich immer ein wundervolles mitterl ein gedicht bildlich, lebendig und fesselnd wirken zu lassen. der fantasie sind hier keine grenzen gesetzt. doppelte methaphern finde ich persönlich wunderschön. aber das liegt im auge des betrachters. abgelutschte bilder wie " so schön wie eine blume" oder " brodelndes feuer" etc... gehören nicht zu den sprachlich originellsten und hübschesten varianten der metaphern...

    Eine einheitliche metrik ist zwar schön, nicht aber unbedingt immer zwangsläufig notwendig. ist das gedicht wahnsinnig wortgewaltig verfasst, so spielt die metrik nur eine geringere rolle...

    Themen:
    ich lasse mich oft von meinen gefühlen und meinem alltag inspirieren! oft entstehen schöne bilder in meinem kopf, wenn ich vor mich hin träume oder mal wieder in meiner seifenblase lebe. diese versuche ich dann in worte zu fassen. allerdings kommen mir auch manchmal düstere gedanken, die ich verwende. fühl dich einfach frei, seh es doch als herrausvorderung mal über liebe und gar erotik zu schreiben. vielleicht macht es dir ja spaß und du entdeckst ganz neue seiten an dir.

    ich finde es sehr schade, dass du keine kritiken verfasst! schau dich doch mal im forum um, wie oft steht da nur eine drei wort kritik wie "wow voll toll" - ich denke das bekommst du auch noch hin, nicht? wenn du dir einfach unsicher bist, wie der autor auf deine kritik reagiert, kann ich dir nur anbieten dich mal an eines von meinen werken (untern aufgelistet) zu machen! ich würde sagen, das ein oder andere handelt von der liebe und spricht vielleicht auch so manches tabuthema an. ich reiße dir bestimmt nicht den kopf herrunter, sollte mir deine kritk missfallen. ich finde es aber wichtig, dass auch du dich an dem forenleben beteiligst. denn nur wer selbst mitschreibt, kann erwarten auch ausführliche antworten zu erhalten! es ist zwar kein muss und auch keine pflicht, doch dadurch lernst du für dich selbst ein stück weit neue blickwinkel zu eroieren und die ein oder andere inspiration für ein eigenes gedicht sind auch mal dabei...

    in diesem sinne hoffe ich dir ein wenig weitergeholfen zu haben,
    lg orange

    Interpretation ist der erste Schritt zur Wissenschaft...

    Ein Paar meiner Werke:

    GefangeneLiebe
    EsLebt UndPunkt. EinGanzNormalerTag GebtMirNamen
    TotesTier ErgebenesGeben SüssesGift Liebestrank







  3. #3
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    Hallo, Fairyna.

    Jetzt mach Dir keinen Kopf wegen Deiner Fragerei- wozu gibt es wohl solche Foren, wenn man so etwas nicht fragen dürfte?

    Nun, das mit dem Paarreim ist ein leidiges Thema. Manche sagen schon, sie würden keine Gedichte mehr lesen, in denen ein Paarreim auftaucht. Ich persönlich halte das für Unsinn.
    Denn der Paarreim hat durchaus seine Daseinsberechtigung: Er wirkt einerseits monoton, langweilig, zugleich aber auch eindringlich: Man kann mit ihm Starre, Trauer usw. zum Ausdruck bringen.
    Da der Paarreim aber auch sehr simpel ist, eignet er sich, um das "breite Volk" gut zu erreichen, und für den mündlichen Vortrag. Witzige und auch überraschende Reime werden durch den Paarreim besonders betont. Davon leben satirische und witzige Gedichte, wie z.B. Büttenreden.
    Öde wird der Paarreim in Liebesgedichten und anderen, stimmungsvollen (nicht satirischen) Texten, denn da bremst der Paarreim in seiner einfachen Art die Stimmung schlichtweg aus. Meistens kommt dann noch hinzu, dass die Reime gezwungen klingen, und dann kann man es sowieso vergessen.
    Was man nie vergessen sollte: Man kann den Paarreim mit anderen Reimen in einer Strophe kombinieren. Es geht doch nichts über ein ababcc

    Ein Beispiel für ein Gedicht, das nur im Paarreim geschrieben steht:

    Der Lattenzaun, von Christian Morgenstern

    Es war einmal ein Lattenzaun,
    mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.

    Ein Architekt, der dieses sah,
    stand eines Abends plötzlich da

    und nahm den Zwischenraum heraus
    und baute sich daraus ein Haus.

    Der Zaun indessen stand ganz dumm
    allein und ohne was drumrum.

    Ein Anblick hässlich und gemein;
    drum zog ihn der Senat auch ein.

    Der Architekt jedoch entfloh
    nach Afri- od Ameriko.


    Metaphern sind ein Thema für sich. Ich habe kein Schema, nach denen ich Metaphern formen würde. Wenn ich ein Gedicht schreibe, habe ich eine Szenerie direkt vor Augen, und dann braucht es eine zündende Idee, um diesen visuellen Eindruck möglichst gut in die Sprache zu übersetzen.

    Um Deine Frage bezüglich der Metrik zu beantworten: In der Tat ist es oft so, dass zwei sich aufeinander reimende Versen in ihrer Silbenzahl und in ihrem Versmaß einander identisch sind. Es gibt aber auch eindrucksvolle Gegenbeispiele:

    Totentanz, von Johann Wolfgang Goethe (nur ein Ausschnitt, eine Strophe)

    [...]

    Nur einer, der trippelt und stolpert zuletzt,
    Und tappet und grapst in den Grüften;
    Doch hat kein Geselle so schwer ihn verletzt,
    Er wittert das Tuch in den Lüften.
    Er rüttelt die Turmtür, sie schlägt ihn zurück,
    Geziert und gesegnet, dem Türmer zum Glück:
    Sie blinkt von metallenen Kreuzen.

    [...]

    Zu einer ähnlichen Frage zitierte levampyre auch einmal eine Strophe aus Goethes Zauberlehrling:


    Walle! walle
    Manche Strecke,
    Dass, zum Zwecke,
    Wasser fließe,
    Und mit reichem, vollem Schwalle
    Zu dem Bade sich ergieße



    Inspiration schöpfe ich aus meinen Grundansichten zur Gesellschaft, aus meinen Hobbies (Chemie, Militärgeschichte) oder ich parodiere ein literarisches Stück. Manchmal inspirieren mich auch irgendwelche Musikstücke. Manchmal inspiriert mich auch gar nichts, dann kann ich eben eine zeitlang nichts schreiben

    Kritisieren kannst Du immer: Du musst kein Meisterdichter sein, um jemand anderen Deine Meinung zu sagen; allerdings wäre es gut, wenn Du Deine Ansichten stets begründen kannst (z.B. über Metrikanalyse etc.). Aber wie praktisch jedes Gedichteforum, so leidet meines Erachtens auch gedichte.com darunter, dass es hier zu wenige gute Kritiker gibt. Und unter "gut" verstehe ich nicht einmal das Fachliche, sondern einfach nur, dass man sich die Zeit nimmt, sich einmal sorgfältig mit einem Text auseinanderzusetzen.
    Ein recht großer Teil der Kritiken hier sind jedenfalls unter aller Sau. Daher: Wer ernsthaft kritisieren will, der möge das doch bitte auch tun! Wenn hier Kritiken wie "Mülleimer!" und "Wo ist denn hier das Gedicht?" angenommen werden, dann sind Deine Kritiken erst recht in Ordnung.

    Wie lange ich für ein Gedicht brauche? Das kann ich schwer sagen, denn ich arbeite an verschiedenen Gedichten gleichzeitig. Manchmal eine halbe Stunde. Manchmal zwei Wochen. An manchem hocke ich schon seit einem halben Jahr.

    Ich wünsche Dir jedenfalls noch alles Gute

    Liebe Grüße
    Pr-141



  4. #4
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    Habe ich als blutiger Anfänger überhaupt das Recht Kritik zu üben?
    Natürlich, das mußt du sogar. Denn wenn du es nichts tust, wirst du dich nie verbessern, weil du gar nicht feststellst, was du selbst gut und was du nicht gut findest.

    Du willst um die Wirkung der poetischen Mittel wissen? Dann rate ich dir, erfahre sie selbst am Kunstwerk und verlaß dich nicht auf das, was dir die Theorie in Happen vorkaut. Die Theorie ermittelt durch genaue Beobachtung und Analyse Tendenzen der Poetik und sie hilft sicher, für das eine oder andere poetische Moment zu sensibilisieren. Aber es geht nichts darüber, die überwältigende Wirkung eines Kunstwerks selbst zu erleben. Und das Verstehen wird sehr viel intensiver sein, wenn du selbst herausfindest, welches poetische Mittel wann, wo und wie wirkt oder nicht wirkt.

    Allgemeingültige Regeln gibt es nämlich nicht und selbst wenn es sie gäbe und du sie brav alle befolgen würdest, würdest du nie über das Mittelmaß der Dichtung hinaus kommen, weil du ja nie selbst an der Arbeit, eine passende poetische Lösung für ein poetisches Problem zu finden, gelitten hättest.

    Der einzige Tipp, den ich dir also geben kann, ist jener, es selbst zu erfahren. Lies und beobachte dich als Leser, teste selbst, hinterfrage, erfahre selbst! Erst dann wirst du es richtig verstehen und dir eine eigene, künstlerische Meinung zu der Frage bilden können. Fang am besten gleich damit an! Frage dich!


    Haben Paarreime satirische Wirkung?


    Rudderless, we drift athwart a tempest, and when once the storm of youth is past,
    Without lyre, without lute or chorus, Death the silent pilot comes at last.

    And within the grave there is no pleasure, for the blindworm battens on the root,
    And Desire shudders into ashes, and the tree of Passion bears no fruit.

    ΓΛΥΚΥΠΙΚΡΟΣ ΕΡΩΣ, Wilde



    Sind Verse unterschiedlicher Länge unordentlich?


    Ich lag im frühlingsbunten Grase,
    Vöglein sangen,
    Knospen sprangen,
    Füllten duftend die Oase
    Meiner Sinne schön.
    Ein Gänseblümchen konnt' ich pflücken.
    Das mir sachte
    Grüße brachte.
    Denn es nickte zum Entzücken
    Mit dem Köpfchen schön.

    Den Frühling überwinden, LeVampyre



    Ist der Herz-Schmerz-Reim gänzlich unpoetisch?


    Doch ach, schon mit der Morgensonne
    Verengt der Abschied mir das Herz:
    In deinen Küssen welche Wonne!
    In deinem Auge welcher Schmerz!
    Ich ging, du standst und sahst zur Erden,
    Und sahst mir nach mit nassem Blick:
    Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
    Und lieben, Götter, welch ein Glück!

    Willkommen und Abschied, Goethe



    und so weiter und so fort...
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  5. #5
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    Hi! Ich finde deinen Fragenkatalolg und deine Selbstkritik sehr mutig und ehrlich, darum muss ich einfach versuchen zu helfen. Obwohl ich im Prinzip die schon aufgetauchten Reaktionen teile, möchte ich doch noch etwas konkreter auf die einzelnen Punkte eingehen.

    Zitat Zitat von Fairyna
    Im Gedicht der Dummheit ist Fairyna das lyrische Ich.
    Da ich aber Spaß am Schreiben habe und das Spiel mit den Worten mir viel bedeutet, bin ich lernwillig was wirkliches Schreiben ausmacht.
    (...)
    Könnt ihr mir bei den grundlegenden Regeln was Gedichte betrifft etwas helfen?
    Also, die Voraussetzungen für "wirkliches Schreiben" sind schon da: Lust am Schreiben, Ehrgeiz und der Wille zur Selbstreflexion. Ich glaube, mehr braucht es nicht. Ich denke, wenn du so einige Werke zu Papier gebracht hast, und
    irgendwann sicherer mit dir selbst und deinem Stil bist, dann wird es dir auch immer besser gelingen, die Themen, die dir wichtig sind, umzusetzen.
    Die einzige "Regel" zum Gedichteverfassen, die mir einfällt: Dichten! Also vor allem Verdichten der Aussagen etc., sowohl inhaltlich und formal, als auch sprachlich.


    Zitat Zitat von Fairyna
    Wie sieht es mit dem Reimschema aus? Paarreime werden hier meist als kindlich angesehen. Ist das grundsätzlich so und sollte man sie besser nicht verwenden? Auf was muss man bei den Reimwörtern achten? Welches Reimschema verwendet man am besten für welche Themenbereiche?
    Sind nicht letztendlich alle Reimschemata, für sich genommen, langweilig? Ich meine, nach Schema arbeiten darf kein Selbstzweck sein. Letztendlich entscheidet dein persönlicher Gesamteindruck, oder die Eindrücke eines geeigneten Kritikers, über die Leistung. Wenn Inhalt, Form und Sprache zueinander Brücken schlagen, merkt man das beim Lesen auch. Oft muss man später, mit etwas objektivem Abstand, noch Umschreiben, Elemente umstellen, Synonyme verwenden, etc, damit alles besser zueinander passt. Darum gibt es dafür auch keine Regeln, und das ist auch gut so, denn du als Autor kannst selbst (und auch mit Hilfe von außen) entdecken, was zusammen passt und was nicht.

    Zitat Zitat von Fairyna
    Was ist mit Metaphern? (...) umgekehrte bzw. doppelte „Metaphern“ (...) Kann man solche Dinge zusammenfügen? Der Himmel weint, Sehnsucht wird leise....solche überall bekannten und ausgesaugten Bilder sind mir zu langweilig. Nach welchem Schema formt ihr euch Metaphern?
    Hmmm, Metaphern sind ja ein sehr weites Feld. Die Beispiele, die du gebracht hast, fand ich eigentlich schön, auch wenn mir der Zusammenhang fehlt. Warum glaubst du, dass diese schon abgenutzt sind? Wie gesagt, jedes Element für sich betrachtet ist definitiv schon dagewesen, verbraucht, langweilig. Aber 1. weiß das nicht jeder, denn niemand hat alles gelesen, und 2. ist das Gesamtwerk entscheidend für die qualitative Bewertung der Mittel. Du solltest deine Schreibtätigkeit nicht so sehr in Selbstzweifeln ersticken lassen. Eine Form von Selbstbewusstsein zu haben, ist für jede künstlerische Betätigung existenziell.
    Vielleicht könnte ich dir konkretere Hilfen geben, wenn du mir ein spezielles Gedicht empfiehlst, dass ich analysieren soll.

    Zitat Zitat von Fairyna
    Wie sieht es mit der Metrik aus? Sollte in zwei zusammengehörigen Reimzeilen die Silbenzahl und die Silbenreihenfolge immer gleich sein, auch gleich betont, damit es „ordentlich“ ist, sich fließend anhört oder wirkt es dann eher monoton?
    Wenn dir der "fließende, ordentliche" Aspekt beim Lesen wichtig ist, fährst du auf diese Weise ganz gut. Rhythmus ist ja Ausschlag gebend für die Art der Aufnahme. Aber was du damit erreichen willst, muss dir selbst klar werden.

    Zitat Zitat von Fairyna
    Dann bin ich diese 0815-Themen leid. „Herz-Schmerz-Kind-kommt-mit-Welt-nicht-klar-Gedichte“ , schnulziges wehleidiges Zeugs in „Gedichtform“ gepresst ist peinlich, Satan-wird-dich-holen-Gedichte sind out, religiöses Wortgefecht ist langweilig vom Thema, für Erotik und Liebe bin ich zu verklemmt.....alles scheint mir so ausgelutscht zu sein. Wie soll ich an Themen rangehen? Wo holt ihr euch Inspirationen her?
    Wie gesagt, niemand hat alles gelesen. Vielleicht erzielst du ja mit so einem "out"en Gedicht auch positive Reaktionen?! Im Allgemeinen finde ich es am wichtigsten, dass einem am gewählten Thema wirklich etwas liegt. Das ist so ein kleiner, konstanter Garant für gehobene Qualität und für den Ehrgeiz das Werk noch zu verbessern.
    Da das Leben großteils aus Alltag besteht, scheint es durchaus angebracht, seine Themen in diesem Bereich zu suchen.

    Zitat Zitat von Fairyna
    Habe ich als blutiger Anfänger überhaupt das Recht Kritik zu üben? Ich kann begründen warum es mir gefällt oder nicht zusagt, aber durch meinen Erfahrungshorizont nur beschränkt aus lyrisch fundierten Argumenten. In den Regeln steht, dass jeder dazu verpflichtet ist, andere Werke zu bewerten. Da dies aber ein Künstler-Forum ist, sollte ich lieber meinen Mund halten?
    Ein Künstler-Forum?wärjatoll... oder vielleicht auch mit der Zeit langweilig. Ich bin selbst noch nicht allzu lange dabei, aber mir gefällt es, dass die unterschiedlichsten "Künstler" hier aufeinander treffen, mit so manchem Knall... Jeder hat das Recht seine Meinung zu sagen, vorausgesetzt, dass er auch prinzipiell bereit ist, sich von anderen Meinungen überzeugen zu lassen. Glaub mir, es gibt im forum ne Menge Leute, die sich das Recht weniger verdient haben als du. Das merkt man schon am Ton, und deiner ist höflich und und offen, und außerdem interessant. Ob dir dies Lob zum Hals raushängt?

    Zitat Zitat von Fairyna
    Außerdem brauche ich viel zu lange um überhaupt etwas zu verfassen; vielleicht weil ich mir zu viele und zu lang Gedanken über etwas mache, bis auf die letzte Silbe....und am Ende sind Wörter und Verse durch zig Gedanken so verfremdet und abgeholzt, dass es in einem undurchschaubaren Chaos endet. Ich schreibe nicht sehr oft, eben weil ich mich selten durchgehend so lange Zeit am Stück auf etwas konzentrieren kann. Wenn tausend Gedanken im Kopf sind, ist es schwer sie in Versform und Reimschema zu ordnen. Es kommt vor, dass ich für einen vierzeiligen Vers geschlagene vier Stunden brauche und trotzdem merke, dass es eigentlich nicht das ist, was ich ausdrücken wollte. Für drei Gedichte im Jahr braucht man sich wohl kaum in so einem Forum anzumelden zumal es unfair ist, Kritik an anderen Werken zu üben selbst aber so nicht die Möglichkeit bieten kann, auch Kritik zu ernten. Bis zum 25. Geburtsjahr würd ich gerne noch etwas auf die Reihe kriegen
    Wie lange braucht ihr im Schnitt für ein Gedicht und wie bringt ihr Ordnung und System in ein Gedanken-Wort-Chaos im Kopf?
    Das Optimum wäre natürlich, parallel zum Denken zu schreiben, damit so wenig wie möglich an Material verloren geht. So ein bisschen brainstorming. Ordnen, selektieren, strukturieren und schließlich verfassen kann man im Anschluss, auch am nächsten Tag noch. Ich merke oft, dass ich nicht einschlafen kann, weil mir noch was im Kopf rumhuscht. Dass muss ich dann aufschreiben, dann hab ich es und kann schlafen. Der nächste Morgen verschafft Abstand, als erstes nach dem Aufstehen bin ich neugierig, was ich zuletzt geschrieben habe, und überlege, was sich daraus machen lässt.
    So sieht jedenfalls meine Routine aus. Manchmal jedoch geschieht das Besondere, dass sich Gedanken beim Schreiben wie natürlich, von selbst, zwangsläufig in sprache, form und struktur fügen, dann hänge ich oft lange überm Blatt und bin nur am schreiben und von jedem neuen einfall begeistert, bis die Luft raus ist. Aber das ist nicht der ideale Weg, um Gedichte zu schreiben! Viel zu unzuverlässig, selten, und wie leicht ist man nach solchen Sessions geblendet von der eigenen Leistung... Bei Gedichten kommt es nicht so sehr auf lange Schreibzeiten an wie z.B. beim Roman.
    Ich empfehle dir den ruhigeren, gelasseneren, aber dennoch kritisch-sorgfältigen Weg.

    Zitat Zitat von Fairyna
    Ich hab es satt, egal ob es Bilder oder manche Gedichte sind, zu hören, das ist gut und toll....ich weiß, dass es nicht so ist und deshalb frage ich hier Profis, die auch Tipps geben können. Honig ums Maul schmieren, Schleimerei....verklebt mir mein Hirn und bringt mich nicht weiter.
    Bitte, bitte helft mir, dass ich mich irgendwann zumindest einmal als einen Gedicht-Autor bezeichnen kann und nicht nur als Action-Painter mit Wörtern.
    Das Lob satt haben. Schade eigentlich. Ist so ein angenehmes Gefühl, gelobt zu werden...
    (aber man muss wissen, welches Lob ernst zu nehmen ist!)

    So, ich hoffe, ich konnte dein künstlerisches Selbstbewusstsein ein wenig aufbauen, denn ich denke, darum geht es in deiner Anfrage, in diesem Faden. Wenn du außerdem ein paar konkretere Ausführungen von mir wünschst, mach doch einen Vorschlag, ich bin ein fleißiger Kritiker.

    Gruß von einem, der sich selbst über was richtig gutes bis zum 25. freuen würde...

    PS: Bleib im Forum! Sonst wirds wohl kaum von selbst alles gut!
    fatcat's ReSignatur
    Schluss mit tumben Ungetümen,
    über sollen Funken sprühen!
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