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Thema: Vergewaltigt

  1. #1
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    Vergewaltigt

    Da ich nicht wirklich weiß, in welches Forum dieses Gedicht gehört, habe ich es noch mal verschoben, da ich hier schon mal auf kompetente Kritik gestoßen bin. Ich hoffe, sie wieder zu bekommen, denn dieses Thema beschäftigt mich aus persönlichen Gründen sehr.



    Vergewaltigt

    Tränen brennen
    Auf ihren Wangen
    Angst beherrscht
    Ihren Geist
    Ist in ihrer
    Furcht gefangen
    Während er
    Sie zerreißt

    Vor, zurück
    Und vor erneut
    Sein Herzschlag ist
    Nun der Takt
    An ihrer Pein
    Er sich erfreut
    Allein sein Trieb
    Bestimmt den Akt

    In ihren Wunden
    Sich ergießt
    Er mit aller
    Leibeskraft
    Ihr leises Flehen
    Er sehr genießt
    Denn in ihr brennt
    Sein Gliedes Saft

    Nur aus Schmerz
    Besteht die Welt
    Für die kleine
    Kinderseele
    Alle Unschuld
    Nun zerfällt
    Kein Laut mehr
    Dringt aus ihrer Kehle

    Geschändet für
    Ihr Leben lang
    Beraubt der Gabe
    Allen Lebens
    Darf nicht sagen
    Wie's ihr ergang
    Doch diese Order
    War vergebens

    Denn die Götter werden ihn strafen!
    Es gibt keine schlechten Gedichte - es gibt nur verständnislose Leser.

  2. #2
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    Hallo Larka,

    schwieriges und sehr ernstes Thema, das Du meiner Meinung nach sehr gut umsetzt. Deine Zeilen berühren.

    Nur die letzte Strophe finde ich weniger gelungen.
    Sie ist weniger 'fließend' als die anderen Strophen und dieses zweimalige Aufgreifen des Wortes "Leben" ist nicht so schön.
    Es erscheint ein wenig widersprüchlich, denn ein Leben lang kündet noch von Leben und das nimmst Du direkt in der nächsten Zeile wieder zurück, indem Du darauf aufmerksam machst, dass es kein wirkliches Leben mehr ist...
    Daher vielleicht lieber die erste Stelle ändern.
    Vielleicht könntest Du so etwas wie "Geschändet für immer" oder so etwas in der Art einsetzen...Vielleicht fällt Dir etwas Besseres ein.

    Dann vielleicht noch eine Anmerkung zum Tempuswechsel in der letzten Strophe.
    Während Du eigentlich im Präsens schreibst, wechselst Du plötzlich ins Präteritum. Ist das gewollt? Ich verstehe es als Reflektion über Vergangenes...
    Falls dies nicht so ist, würde ich Dir vorschlagen, beim Präsens zu bleiben.
    Die Form "ergang" ist zudem etwas zu sehr gewollt, denn grammatisch ist sie nicht korrekt...aber wenn Du Zeile 2 ändern würdest, würdest Du vermutlich sowieso ein anderes Reimwort finden müssen, dann klärt sich der Fehler.
    Aber dennoch, wenn Du beim Präteritum bleibst, könntest Du nach meinem Empfinden das "Darf" auch noch in "durfte" ändern, denn wenn an dieser Stelle wirklich über Vergangenes reflektiert wird, so würde an der Stelle vermutlich eher "durfte" passen.


    Geschändet für
    Ihr Leben lang
    Beraubt der Gabe
    Allen Lebens
    Darf nicht sagen
    Wie's ihr ergang
    Doch diese Order
    War vergebens

    Denn die Götter werden ihn strafen!


    Ansonsten finde ich Dein Gedicht sehr gelungen. Es macht betroffen, obwohl das Thema schon sehr oft (lyrisch) verarbeitet wurde.
    Sofern ich das also bei einem solchen Thema sagen darf, Dein Gedicht hat mir gefallen.

    LG,
    Celeste

    PS: Von der Rubrik her würde ich Dir empfehlen es in "Trauer und Düsteres" verschieben zu lassen, ansonsten vielleicht auch unter "Diverse", aber ist nur ein Vorschlag.
    Geändert von Celeste (13.02.2006 um 15:12 Uhr)

  3. #3
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    mit diesem gedicht hast du zumindest mir den sexuellen Trieb komplett genommen.
    sehr gut geschrieben.
    einen wahren freund erkennst du daran, dass er lächelt wenn du glück erfährst, dass er leidet wenn du schmerzen erträgst, dass er lebt wenn du atmest, dass er stirbt wenn dein herz aufhört zu schlagen.
    --------------------------------------------
    Lebe Leben lebendiger als Leichen

  4. #4
    königindernacht Guest
    Meine Anerkennung für den gelungenen Versuch, sich so eines schweren, bewegenden Themas in Gedichtform anzunehmen.
    Den kritischen Anmerkungen von Celeste stimme ich vorbehaltlos zu und wünsche dir beim Überarbeiten ein gutes Gefühl. Es lohnt sich!

  5. #5
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    Hallo!

    Danke für die Lobe und Kritiken. Ihr habt mir sehr geholfen. Ich hatte schon Angst, dass es vielleicht auf negative Kritik stößt, weil ich doch sehr direkt bin. Ich möchte mit diesem Gedicht aber zum Ausdruck bringen, wie schrecklich diese Tat für das Opfer ist, da es für sein Leben geprägt wird. Es ist schon schlimm genug, dass dieses Verbrechen nach zehn Jahren verjährt. Ich hoffe, das ist mir gelungen.
    Ich habe die letzte Strophe - die mir selbst nicht gut gefiel - noch einmal überarbeitet. Sagt mir doch bitte, ob sie besser geworden ist und - was mir persönlich wichtig ist - ob in den letzten beiden Zeilen klar wird, dass dieses Mädchen ihr Leben lang Angst vor körperlicher Liebe haben wird.

    Larka


    Vergewaltigt

    Tränen brennen
    Auf ihren Wangen
    Angst beherrscht
    Ihren Geist
    Ist in ihrer
    Furcht gefangen
    Während er
    Sie zerreißt

    Vor, zurück
    Und vor erneut
    Sein Herzschlag ist
    Nun der Takt
    An ihrer Pein
    Er sich erfreut
    Allein sein Trieb
    Bestimmt den Akt

    In ihren Wunden
    Sich ergießt
    Er mit aller
    Leibeskraft
    Ihr leises Flehen
    Er sehr genießt
    Denn in ihr brennt
    Sein Gliedes Saft

    Nur aus Schmerz
    Besteht die Welt
    Für die kleine
    Kinderseele
    Alle Unschuld
    Nun zerfällt
    Kein Laut mehr dringt
    Aus ihrer Kehle

    Geschändet für
    Ihr ganzes Leben
    Beraubt aller
    Fröhlichkeit
    Lebt in Angst
    Ist ihm ergeben
    Wird ihm gehör’n
    Für alle Zeit.
    Es gibt keine schlechten Gedichte - es gibt nur verständnislose Leser.

  6. #6
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    Hallo Larka,

    die letzte Strophe ist nun sehr viel besser.
    Auch finde ich, dass Deine Botschaft ankommt und das nun sehr viel besser als in der ersten Version der letzten Strophe.
    Wirklich gelungen.

    LG,
    Celeste
    Geändert von Celeste (14.02.2006 um 09:10 Uhr)

  7. #7
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    Larka,
    deine strophen haben mich ziemlich erfasst. abgesehen davon, dass der stil sehr beeindruckend ist -jeder vers ist wie ein peitschenhieb auf die seele- , bringst du dieses thema mit soviel 'gefühlvoller nüchternheit' an den leser, dass man selbst als nichtbetroffene eine tiefe wut auf diese ungerechtigkeit bekommt. wirklich gut

  8. #8
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    Ich hätte auf ein durchgehendes Reimschema verzichtet, dadurch sind in Deinem Gedicht Satzverdrehungen und einige platte Reime zu finden, die der Wirkung des Werkes schaden. Zudem hast Du einige Formulierungen verwendet, die eher in ein erotisch-pornographisches Gedicht passen (seines Gliedes Saft) und hier unpassend und reißerisch wirken.
    Die ersten zwei Stophen gefallen mir so weit aber ganz gut.

  9. #9
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    Hallo Lanka

    habe lange darüber nachgedacht, ob es überhaupt noch ratsam erscheint, mich zu diesem sehr bewegenden Gedicht nun auch noch zu äußern, nach allem, was weiter oben bereits an guten und klugen Ratschlägen von Celeste, königindernacht u.a. gesagt wurde.

    Ähnlich wie yan glaube ich, dass du aus den von ihm /ihr genanten Gründen auf pornographische Termini besser verzichten solltest. Ob dein Anliegen besser in gebundener oder freier Form rüberkommt, möchte ich mal dahin gestellt sein lassen, das ist eher Geschmacksache. Ich persönlich würde die folgende Schreibweise in der Vergangenheitsform bei dieser doch etws heiklen Thematik bevorzugen, zumal es sich ja um ein tatsächliches Geschehen handelt. Von daher auch die Einwände von Celeste hinsichtlich der wechselnden Zeiten. Gehe in diesem Sinne mal auf zwei deiner Strophen wie folgt näher ein:

    Tränen brannten meine Wangen,
    Furcht beherrschte wild den Geist,
    war in Todsangst gefangen,
    meine Seele schockvereist.


    dann später:


    Er ergoss sich in die Wunden,
    mit geballter Leibeskraft.
    Hilflos, wütend und geschunden
    rann aus mir des Lebens Saft.

    Man müsste es halt in diesem Stil weiter ausbauen und sich dann fragen, ob es einen Gewinn hergibt oder nicht.

    Höre dazu gerne deine Meinung, sowie die der übrigen Fadenaufnehmer.

    liebe grüße von crux

  10. #10
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    Hallo an alle,

    erst einmal danke, dass ihr euch überhaupt die Mühe gemacht habt, mein Gedicht zu lesen und ihm einige Gedanken zu opfern.
    Zu yan und crux: eure Idee ist sehr gut, aber in diesem speziellen Falle werde ich es wohl nicht mehr verändern. Ich habe mit Absicht diesen pornografischen Stil benutzt, denn für den Täter ist es ja reiner Spaß an der Freude. Das wollte ich damit ausdrücken.
    Die wechselnden Zeiten habe ich übrigens verbessert.
    Noch ein mal ein großes Danke an euch alle. Ich hätte nicht gedacht, dass ich soviele Meinungen dazu bekomme *freu* Unsere Gesellschaft ist ja schließlich dafür bekannt vor solchen Dingen die Augen zu verschließen.

    Bis dann!
    Larka
    Es gibt keine schlechten Gedichte - es gibt nur verständnislose Leser.

  11. #11
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    Wieso tun das Menschen?

    Ich werde es nie verstehen, wieso ein Mensch einen anderen vergewaltigt.
    Es verblüfft mich immer wieder, wie gut manche Menschen, sich in gewisse Situationen hineinfühlen können.
    Ich hoffe dann, dass da nicht die Erfahrung spricht.

    Darüber zu reden ist die eine Sache, etwas dagegen zu unternehmen, die andere.
    Aber was?


    Ein tolles Gedicht, das mich sehr zum nachdenken anregte.

    und der f. Denker, der denkt gerne und viel.
    In die Massen zu schreien, ist wie in der Stille zu schweigen.
    Neuste Texte:
    Unbeschreibbar

    Mein Werkeverzeichnis:
    Die Lyrikwelt des richtig Falschen

    Lesetipp:

  12. #12
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    Etwas dagegen tun, ja, das müsste man. Und ja, ich spreche aus Erfahrung. Das ist einer der Gründe, warum ich wehement dagegen ankämpfe. Angefangen hat alles mit dem Aufkleber "Stoppt Tierversuche - nehmt Kinderschänder" auf meinem Schulrucksack und jetzt bin ich dabei eine Homepage zu basteln. Denn mein ... "Begatter" kann nicht mehr gefasst werden, da es vor über zehn Jahren geschah und ich fünf war. Ich erzähle diese Geschichte auch nur, um eine Art Warnmal zu setzen. Man muss etwas gegen diese Schweine unternhemen!!! Es kann nicht sein, dass sie ungeschoren oder mit einer kurzen Haftstrafe davonkommen! Mich hat es die Fähigkeit gekostet Kinder zu bekommen. Ist es da gerecht, dass er immer noch frei rumläuft und sogar noch PRAKTIZIERT? Es war nämlich ein Kinder- und Jugendtherapeut und dazu auch noch einer der renumiertesten! Aber ich glaube nicht, dass dieser idiotische Staat die Gesetze ändert. Die Politiker betrifft es ja nicht.
    Das musste nur mal gesagt werden.
    Es gibt keine schlechten Gedichte - es gibt nur verständnislose Leser.

  13. #13
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    Hallo Larka!

    Ich finde dein Gedicht sehr ... direkt. Wenn ich es lese sehe ich es sozusagen vor mir. Es ist aber gut geschrieben. Die Reimform ist selten und passt irgendwie. Es hat auch einen gewissen Rythmus. Vom Thema abgesehen gefällt mir das Gedicht sehr gut. Und deinem Spruch >Stoppt Tierversuche, nehmt Kinderschänder< kann ich mich nur anschließen.

    Keribanta

  14. #14
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    Mir fehlen die Worte....das Gedicht is irgendwie einfach nur wow...q.q
    Und glaube nicht, du kannst den Lauf der Liebe lenken, denn die Liebe, wenn sie dich für würdig hält, lenkt deinen Lauf.
    (Khalil Gibran)

  15. #15
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    Nach dem Lesen deines Gedichtes fühle ich mich sehr beklommen. Du hast das Erlebte sprachlich sehr gut umgesetzt und dein Ziel erreicht: der Leser, der "normal fühlt" ist erschüttert.
    lg.

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