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Thema: Haiku

  1. #1
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    Haiku

    Die Himmelsgewalt
    wirft mit lautem Getöse
    grelle Lichtspeere.
    Geändert von Tessa (16.07.2006 um 13:50 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Tessa,

    ein Haiku ist wohl eine der schwierigsten Versformen überhaupt.
    Unter einem klassischen Haiku versteht man einen dreizeiligen Vers aus 5-7-5 Silben bestehend. Es wurde von der japanischen Lyrik hervorgebracht und ist die kleinste Gestaltungsform eines lyrischen Verses.
    Natürlich ist das Haiku in der japanischen Tradition an die Jahreszeiten gebunden, hat aber in der europäischen Lyrik eine Wandlung in der Thematik erfahren.
    Das Haiku stellt Momentaufnahmen eines Naturerlebnisses auch außerhalb bestimmter Jahreszeiten dar.
    Es werden z.B. Bilder einer Landschaft im Kern erfaßt. Aber auch melancholische Gefühle und Erlebnissse sind Themen im Haiku, so daß Stimmungen transparent werden. (Quelle: Haiku Welt)

    Die Himmelsgewalt,
    wirft mit lautem Getöse,
    grelle Lichtspeere.

    In diesem (europäischen) Sinne hast du hier ein schönes Haiku geschrieben. Es ist alles gesagt, du hast die Beobachtung eines Naturerlebnisses kurz und prägnant wiedergegeben.
    Einziger Kritikpunkt, aber den wirst du wohl verschmerzen , mach die Kommas weg, ist m.E. völlig fehl am Platze.
    Gerne gelesen.

    Donnernde Blitzgrüße

    Bis bald

    Falderwald
    Geändert von Falderwald (16.07.2006 um 12:14 Uhr)

  3. #3
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    ich muss auch sagen: bis auf die kommas perfekt geworden...bin ja sowieso als interpunktionsallergiker bekannt, und zuviele kommas zerstören den fluss...

    ansonsten was das bild und die stimmung des haikus angeht, super schön


    lg sick
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  4. #4
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    Hallo Falderwald,
    danke dir ganz lieb für das kommentieren und dein Lob,
    es freut mich sehr, denn gerade bei einem Haiku ist
    der Schreiber so völlig hin und hergerissen .
    Mir geht es jedenfalls so. Es soll nicht zu viel, nicht zu wenig,
    Momentbeschreibung (wie von dir so gut beschrieben oder von deiner Quelle,lächel) und nur so wenig Silben.
    Kommata sind weg, danke für den Tipp.

    Hallo R.Haselberger,
    vielen Dank für den Kommentar und das mein Haiku gefällt,
    werde mich bei dieser Quelle einmal umsehen,
    bin ja noch am üben und muss noch sehr viel lernen.
    Lieben Dank für den Tipp.

    Hallo Sickness,
    auch dir einen lieben Dank, fürs Lesen, kommentieren und das Lob .
    Gerade bei solch einer schwierigen Gedichtform, ist die Freude
    besonders groß wenn es gefällt.
    Habe die Kommas entfernt, ist so ein Problem bei mir , setze meistens
    mehr als nötig...hmm...da muss ich noch daran arbeiten .


    Wir hatten vor zwei Tagen so ein starkes Gewitter,
    Telefon, Splitter, Sat-Anlage sind hinüber,
    immerhin brachte dieser Blitzeinschlag die Haiku-Idee ,
    ganz liebe Grüße Tessa

  5. #5
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    Hallo Tessa

    also, ich verstehe unter einem Haiku, ein Gedicht das mit wenig Worten, die Bestimmt stehen (s.Faderwald), eine große Stimmung aufbaut, und Bilder malt, die man möglichst nachträglich noch im Kopf hat. Und nicht nur die Bilder, sondern auch die passenden Worte, mit denen die Bilder gemalt worden sind.

    Und das hast du hier auf alle Fälle gut geschafft!

    Gern gelesen!!
    Lieber Gruß, das Schaf
    Ein Lächeln kann die Sonne aufgehen lassen

    Was sagt ihr dazu?
    Worte
    Waldspaziergang


    "We are the ones we are waiting for"

  6. #6
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    Hallo Tessa,

    Ich kann mich dem Lob meiner Vorschreiber nicht anschließen.
    Du hast Dein Haiku in der traditionellen 5-7-5 Form verfassst,
    das sagt mir, daß Du versuchst, die traditionellen Regeln zu befolgen.
    Das ist dir in Deinem Haiku nicht wirklich gelungen.

    Ein Haiku lebt davon, daß der Leser den Augenblick in der Natur
    in seiner vollen Intesität nachempfiden kann und darüber hinaus
    eigene Eindrücke und empfindungen enwickelt. So könnte ein Fragment
    des Nachhalls eines Lesers die Himmelsgewalt sein, oder die Gewaltigkeit
    des Himmels. Tatasache jedoch sit, daß es in Deinem Haiku selbst nichts
    verloren hat, weil es wertend, kathegorisierend ist und über die reine
    Naturbeschreibung hinaus geht.

    Ein Haiku ist reduziert auf das Wesentliche. Wiederholungen oder überflüssige
    Adjektive zum Auffüllen der Silben sollten daher gemieden werden.
    So zum beispiel in 'lautem Getöse'. Das laut ist hier vollkommen überflüssig
    und ist von Dir mehr als sprachliches Stilmittel und zum erreichen der Silbenzahl
    eingebaut worden.

    Ein Haiku erzeugt den Nachhall in der Regel durch das Nebeneinanderstellen
    zweier kontrastierender Motive. Die Tasache, daß Dein Haiku aus einem
    kompletten Satz besteht, ist an und für sich schon unüblich für Haiku,
    verhindert jedoch auf jedem Fall das einbringen dieses doch recht entscheidenden
    Kontrasts in Dein Haiku.

    Schließlich und endlich handelt es sich bei dem "wirft" um eine Metapher, die
    ebenfalls unüblich oder sogar nach strengen Regeln verboten ist.

    Wenn ich mich auf Dein Haiku einlasse, stellt sich bei mir so gut wie kein
    Nachhall ein, zu festgelegt bin ich in den entstehenden Bildern bereits durch
    Dein Haiku. Zu präsent ist der Autor in dem Haiku durch Metaphern, Bildern
    und sprachlichem Stil.

    Liebe Grüße
    Dennis
    Geändert von psychronicon (17.07.2006 um 11:45 Uhr)
    urbanwaka - Lieder der Stadt (Der Blog)

  7. #7
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    Hallo Tessa,

    da das Haiku, wie schon von mir erwähnt, in der europäischen Lyrik eine Wandlung erfahren hat, kann ich mich psychronicon's Worten nicht anschließen.
    Melancholische Gefühle oder beobachtete Ereignisse setzen immer eine gewisse Subjektivität voraus.
    Der Begriff "Himmelsgewalt" ist allgemein gebräuchlich, ebenso legal sehe ich das "laute Getöse", denn es gibt schließlich auch ein leises Getöse, und ein Gewitterdonnern wird im Allgemeinen als laut und unangenehm empfunden.
    Dasselbe gilt für die "grellen Lichtspeere".
    Wiederholungen kann ich in deinem Haiku ebenfalls nicht feststellen.
    Der von psychronicon geforderte Kontrast tritt m. E. sehr deutlich hervor, denn einerseits wird das Hören (Getöse) angesprochen, andererseits das Sehen (Lichtspeere), wobei allein schon in der letzten Zeile der Gegensatz von hell und dunkel oder dunkler (vor, während und nach dem Blitz) erkannt werden kann (Kontrast in der Optik = Helligkeits- und Farbunterschiede).
    Und deshalb stellt sich auch bei mir der erwünschte Nachhall ein, der aus eigenen Empfindungen heraus entwickelt wird.
    Die Metapher "wirft" wäre vielleicht eine Diskussion wert, aber da wir hier vorwiegend in deutscher Sprache schreiben, können wir uns nicht der Stilmittel der Japanischen bedienen und somit sowieso nicht den strengen Regeln des ürsprünglichen Haiku's Folge leisten.
    Ich bleibe dabei, dein (europäisches) Haiku hat mich überzeugt.

    Liebe Grüße

    Bis bald

    Falderwald

  8. #8
    Niquita Guest
    Liebe Tessa,
    auch mir ist dein Haiku zu subjektiv. Die erste Zeile vor allem gefällt mir überhaupt nicht. "Himmelsgewalt" hat für meinen Geschmack etwas Pseudo-Göttliches und von daher nun wirklich nichts in einem Haiku verloren. Der Artikel ist darüber hinaus ein lästiges Füllsel. Des weiteren könnte man dein Haiku bequem in einem Satz ausschreiben. Es liest sich in einem durch, ich vermisse die Gegensätze. Und vor diesem Hintergrund komme ich noch nicht einmal ins Überlegen, wo da der Nachhall sein könnte.
    Für meinen Geschmack ein Fall für den Haiku-Friedhof. Ist aber nicht weiter schlimm. Nur Übung macht den Meister.
    Herzliche Grüße
    Nicole

  9. #9
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    Hallo psychronicon,
    danke für deinen Kommentar und ich nehme mich der Kritik gern an.
    Es freut mich, das du dir die Mühe gemacht hast, dich mit meinem
    Werk auseinanderzusetzen.
    Jedoch finde ich, das die gewaltige Energie, die vom Himmel ausgeht,
    während eines Gewitters, eine Naturbeschreibung ist.
    Wenn ich nur anmerke, das Blitze am Himmel sind, ist das vermutlich die richtige Naturbeschreibung.Nur was spricht dagegen auch die Intensität dieser zu beschreiben.
    Das "laute" Getöse ist eine Beschreibung wie "leise,hell,dunkel" ,
    und soll die Wirkung der Natur auf den Betrachter noch verstärken,
    ich denke nicht, das es unbedingt als Dopplung gewertet werden muss,
    denn Getöse "muss" nicht unbedingt laut sein.
    Ich denke nach "strengen Regeln" ein Haiku zu verfassen ist schwierig,
    demnach wäre doch auch ein "Bagger" unpassend für ein strenges Haiku,
    oder sehe ich das falsch.
    Ich werde dennoch fleißig weiter üben und versuche die Regeln
    zu befolgen-lieben Dank.

    Hallo Falderwald,
    danke für deine Erklärung und deinen Kommentar,
    ich denke um einen Haiku werden sich immer die "Götter" streiten,lächel.
    Ganz streng genommen gehen wohl die meisten nicht durch und
    doch sollte in der heutigen Zeit ein wenig Platz sein,
    unsere Sprache in ein Haiku zu bringen.
    Lieben Dank.

    Hallo Niquita,
    lieben Dank für dein Kommentar und deine Kritik,
    mich freut es, das du dich mit meinem Werk beschäftigt hast.
    Leider gefällt es nicht, ob es gleich auf den Haiku-Friedhof
    gehört kann ich selbst schlecht beurteilen, da ich nicht weiß, was da sonst noch so alles herumliegt .
    Aber wie du schon schreibst, ist nicht schlimm.
    Ich bin ja wirklich noch am Üben und versuche es gut zu machen, besser
    geht es sicher auch, nur braucht das wohl noch etwas Zeit.
    Mir gefällt es und ich gebe natürlich nicht auf und versuche weiter
    mein Haiku-Glück.

    Euch allen noch einmal meinen Dank
    und liebe Grüße Tessa
    Geändert von Tessa (20.07.2006 um 16:16 Uhr)

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