Flammenruh nach Weisheit streben
Senkt den Jünger tief in Schlaf,
Und es glüht sein innres Leben,
Als wenn Blitz die Tanne traf.
Festlich statt der schwarzen Krone
Trägt sie einen Flammenkranz,
Weihrauch träufelt von dem Throne,
Halme wirbeln rings im Tanz.

Sonst da dräuten ihm die Bilder,
Schrecklich roth und blau gemalt,
Und die Zeichen noch viel wilder
Und das Thier in Flaschen schalt;
An den tausend Messingscheiben,
Wo das Blei am Faden hängt,
Mußt er sich erst müde treiben,
Eh der Schlaf ihn süß umfängt.

Liebchen kommt nun ihn zu küssen,
Aber er vernimmt sie nicht,
Himmlisch mild die Sterne grüßen
Und er steht in vollem Licht,
Und sie setzt sich ihm zu Füßen
Und umfasset seine Knie,
Sollt sie ihn nicht wecken müssen,
Er erwachet sonst wohl nie.

Leise kam sie erst geschlichen,
Doch nun schreit sie ihm in's Ohr,
Und der Schlaf ist nicht gewichen,
Es ist ein verschloßnes Thor,
Und sie nimmt die Bücher alle,
Die ihn magisch tief versenkt,
Hat die mächtgen Geister alle
In des Ofens Gluth gesenkt.

Und der Ofen wollt sich wundern,
Schüttelt mit dem alten Kopf,
Und aus allen alten Plundern
Stieg so mancher grüne Knopf;
Wüst im Kopfe, wild zum Schelten,
Wacht er auf und schaut sie an,
Die gern Alles will entgelten,
Wenn sie ihn nur retten kann.

Aber er mit wilden Tritten
Stößet Liebchen an die Erd,
Höret nicht auf ihre Bitten,
Sieht die Gluth nur auf dem Heerd:
»O ihr Zeichen, ihr verbrennet,
Nun ihr sie mir zugeführt,
Ach woran wird nun erkennet
Ob die rechte ich erspürt!«

Wärst Du Mädchen mir ganz eigen,
Wie ein Mädchen lieben muß,
Ganz geduldig Dich zu zeigen
Wär gewesen Dein Genuß;
Wär ich Mädchen Dir ganz eigen,
Nimmer zweifelte ich mehr,
Sondern müßt die Kniee beugen,
Und mein Herz wär mir nicht schwer.

Herrschen nicht und auch nicht dienen,
Zweifel war mein Weltgeschick,
Nur beschwören, nicht verdienen
Läßt sich jedes Götterglück:
Weiber-Vorwitz, wer beschwört dich,
Da es selbst nicht Lieben kann,
Denn die Liebste selbst, sie stört mich,
Da ich war in ihrem Bann.