Öffne nicht die goldnen Tore,
Staub und Nebel sind mein Schild,
Schalle nicht zu meinem Ohre,
Stimmenfrühling, selig mild.

Ließe ich mich einmal stören
In der Mühle der Geschäfte,
Möchtet ihr mich neu betören,
Heimatlose, wilde Kräfte.

Fühl euch noch in Seelentiefen,
Die mich einst zur Höh' getrieben,
Wo vom Stromfall Felsen triefen,
Und kein Korn damit zerrieben.

Wo kein Wind durch Mühlenflügel,
Nur durch Adlerflügel stürmet,
Und die Wolken überm Spiegel
Weiter Seen spielend türmet.

Wo die Erde wagt zu tragen,
Was ihr kleidet, Blumenkränze,
Wo das Korn sich nie darf wagen
Über die Befreiungs-Grenze.

Wo der Herden Mutwill irret
Durch die grüne Nahrungsfülle,
Und der Vogel sinnlos schwirret
Ewig freudig durch die Stille.

Sonne, schließ die goldnen Tore,
Staub ist mir ins Aug gestreuet,
Stimmenfrühling, schweig dem Ohre,
Daß dein Lärm mich nicht zerstreuet.

Wozu Erde, als zum Pflügen,
Wozu Herden, als zum Schlachten,
Nur zur Mühle Winde fliegen,
Nur zur Mühle Ströme trachten.

Braust des Mühlstroms zahm Geäder
Schwerem Dienste lang geweihet,
Durchs Geklapper der Mühlräder
Auch die Eselschar sich reihet;

Nehmt die Säcke auf den Rücken
Mit den Schlägen zum Willkommen,
Muß ich mich doch selber bücken,
Wenn der Mühle Gäste kommen.

Sonne, schließ die goldnen Tore,
Staub ist mir ins Aug' gestreuet,
Stimmenfrühling, schweig dem Ohre,
Daß dein Lärm mich nicht zerstreuet.

Wenn ich auf der Mühlenwage
Recht im Unrecht mir abschätze,
Seht, das gilt am jüngsten Tage,
Und ich leb nach dem Gesetze.

Das Gesetz der Weltgeschichte
Ist bald früh, bald spät beschworen,
Daß im Schweiß vom Angesichte
Brot und Weisheit wird geboren:

Denkt voraus ins tät'ge Leben,
Was ihr hofft und was ihr suchet,
Jenem seid ihr hingegeben,
Was euch lockt, wird euch verfluchet.