1.

Was fragst du den Mann
Nach Heimat und Haus?
Er hat sie nicht –
Du horchest nach Vater
Und Mutter ihn aus,
Er kennt sie nicht.
Was fragst du den Mann
Nach Kind und nach Weib?
Er klagt doch nicht,
Dass sie ihn verließ
Mit Seele und Leib
Um einen Wicht. . .
Was fragst du den Mann
Nach seinem Gott?
Er suchte Licht! –
Warum blieb es dunkel
In Elend und Spott?
Er weiß es nicht. – –

2.

Musikantenvolk ist da
Mit der Harf’ und Fiedel,
Und das kleine Mädel singt
Hüstelnd noch ein Liedel.
Kamen weit vom Süden her,
Eine ganze Bande,
Starben alle, bis auf drei,
In dem kalten Lande. . .
Spielen in der Schenke auf
Heut’ vor großen Herren,
Die vom Musikantenvolk
Lied um Lied begehren.
Manchem Zecher naht das Kind,
Der da lärmt und kreischet,
Rauh giebt er den kargen Lohn,
Den es schüchtern heischet.
Und im Winkel sitzt es nun,
Ueberzählt die Gabe,
Grollt und weint in sich hinein:
 »Läg’ auch ich im Grabe!« . . .

3.

Sieh' jenen Burschen dort im Flitterkleide,
Den blonden Krauskopf mit dem weib'schen Scheitel,
Den bunten Schleifen von gestickter Seide,
Der sich am Seile wiegt so keck und eitel.

Der Bursche dort, der wie mit läss'gen Schwingen,
Gleich einem Papagei, sich schaukelnd fächelt,
Die Sonne blitzen läßt auf seinen Ringen
Und zu den Weibern schmeichelnd niederlächelt.

Der Bursche dort in frecher Gauklerschöne,
Mit seinen müden, rothbemalten Zügen,
Ist einer jener Vagabundensöhne,
Die kindheitslos sich eine Kindheit lügen.
Der Bursche dort lebt ohne Glück und Segen,
Du fühlst nur dumpf, daß ihm die Jugend fehle,
Denn öd' und traurig grinset Dir entgegen
Aus blüh'ndem Leibe die verfaulte Seele.

4.

Es zittert schon die Bretterwand,
Trompetenlärm erschallt,
Ein Bube glättet rasch den Sand,
He hopp! – die Peitsche knallt.

Da jagt herein auf schwarzem Roß
Ein Weib mit keckem Gruß,
Den braunen Arm und Nacken bloß,
Entblößt den braunen Fuß.

Die Castagnetten klappern wild,
Es dröhnt das Tamburin,
Wie ein belebtes Broncebild
Tanzt die Zigeunerin.

He hopp! – der heiße Tanz ist aus,
Sie gleitet rasch zur Erd',
Mit wildem Sprung in's dünne Haus
Eilt hastig Weib und Pferd.

Im Zelt hockt sie auf Sammt und Stroh,
Legt Karten in die Rund,
Sie ist nicht traurig – ist nicht froh,
Peitscht gähnend Roß und Hund...

5.

Das Pantherfell um die athlet'schen Glieder
Und Weinlaub um das dunkle Haupt geschlungen,
Betritt er lachend jenen Käfig wieder,
In dem die Löwin haust mit ihren Jungen.

Das schwere Eisengitter rasselt nieder,
Er hat den Thyrsosstab zum Gruß geschwungen,
Nicht bebt sein Arm, nicht zucken seine Lider,
Als jäh ein wildes Kampfgeheul erklungen.

Und lange kämpft er mit der Löwin wieder,
– Er hat ihr oft sein Leben abgerungen –
Von der Tribüne rauschen Siegeslieder,
Er lacht und nickt – die Löwin stöhnt bezwungen ...
6.

Gleich einem Feeenkind ist sie gehüllt
In weißer Spitzen kostbar-leichte Flocken,
Von Diamanten strahlen Arm und Locken,
Ihr Wesen ist von banger Scheu erfüllt. –
Sie schaut so ängstlich, zerrt an ihrem Kleid
Und singt das Herz Dir krank im jungen Leibe,
Ein Dämon, wähnst Du, singt aus diesem Weibe,
Ein Dämon oder wahres Seelenleid – – –
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
Wenn sie die großen, dunklen Augen schließt,
Von ihren Lippen matt die Töne beben,
Allmählig schwellend ihrer Brust entschweben,
Wenn sie das grelle Lampenlicht vergißt,
Wenn sie aufjubelt wie die Nachtigall,
Wenn Harfenklänge wehen durch ihr Singen,
Wenn schmerzdurchglüht sich aus der Seele ringen
Die scharfen Laute einer wilden Qual –
Und wenn sie dann, wie aus dem Traum erwacht,
Erstaunt und langsam aufschlägt ihre Augen,
Die Blicke sich an eine Stelle saugen,
Wenn sie aufathmet, wenn sie kindlich lacht,
Wenn ihre Hände, zagend und verwirrt,
Von einem Kranze zu dem andern langen,
Und wenn sie endlich zitternd und befangen
Mit einer Rose schlicht ihr Mieder ziert,
Wenn sie sich neigt gleich einem Heiligenbild,
Gesenkten Hauptes, mit demüth'gem Lauschen,
Die Beifallsfluthen läßt vorüberrauschen,
Dann kannst Du glauben, daß sie – gut gespielt. – –