Der Rauch der Herzenslosen
Stieß ihn aus Stadt und Land
Der erst des Liebes Rosen
Um ihre Stirnen wand:
Scheu flüchtet durch die Gassen
Des Liedes Sohn verlassen,
Den Mangel nur zur Hand.

Das Haupt, das Flammen sprühte,
Beschimpft des Spottes Dorn,
Das Herz, das Liebe glühte,
Zertrat des Neides Zorn;
Das Wort, das prophezeiend
Zu Völkern sprach befreiend,
Verflog als taubes Korn.

Entweichend so der Rotte,
Der Menschen gift’gem Strom,
Doch treu dem innern Gotte
Wankt er zum nahen Dom.
So wie die Lerch’ in Lüften
Wiegt sich sein Herz in Düften,
Im heiligen Arom:

„O du Gebenedeite,
Maria. Jungfrau mild!
Gib du mir dein Geleite,
Dein Auge sei mein Schild.
Zu dir fleht der Verwiesne,
Zu dir, du Hochgepriesne,
Du himmlisch Gnadenbild.“

„Sie haben mich verstoßen,
Geachtet und verdammt,
Verspottet voll Erbosen,
Wenn mein Gesang entflammt;
Mein letztes Lied — o neige
Dein gnädig’ Antlitz! — steige
Zu dir auf, ders entstammt.“

Die Blicke sanken ihm nieder,
Die Seele ward ihm weich:
Da plötzlich regt die Glieder
Maria marmorbleich:
Die Lippen zucken schmerzlich,
Es spricht ihr Auge herzlich
Vom großen Himmelreich.

Der Jüngling starrt erschrocken
In ihren Glanz hinein,
Des Lebens Pulse stocken
Vor ihrem Heilgenschein;
Sie aber voll Erbarmen
Reicht ihm von ihren Armen
Geschmeid’ und Edelstein.