O bange Stunde süßen Harrens,
Ob der Geliebte, Teure naht!
Der Luftzug - einer Blum’ Entblättern
Wird dir zum rötlichsten Verrat!
Es rauscht — er kommt — sie sieht zu Füßen
Ihn schon in ihrem Liebestraum —
O Wahn! der Windhauch rührte neckend
Des goldbrokat’nen Vorhangs Saum.

Neugierig ranken sich die Rosen
Um des Kioskes luft’gen Bau,
Und lachen kichernd, Düfte spendend,
Der ruhelosen, schönen Frau.
Sie wendet sich — die zarten Blumen
Entfallen ihrer kleinen Hand,
Sie greift zur Laute, windet lässig
Um ihren Arm das blaue Band.

Nur ein Akkord! und bang verstummend
Lasst sie den goldnen Satten Rast,
Auf ihres Divans weiche Kissen
Sinkt ihrer Glieder süße Last,
Dem peinlichsten Gedankenspiele
Gönnt wogend jetzt der Busen Raum,
Sie liegt so hold dahingegossen
Wie ein verkörpert schöner Traum.

Der Brauen schöngewölbter Bogen
Schießt Liebespfeile nur zu gern,
Und aus der Nacht der seid’nen Wimpern
Strahlt glühend ihres Auges Stern.
Die Lippen voll und wolllustatmend
Sie laden brennend zum Genuss,
Und leuchten wild wie Glutrubine
Als Fackeln zu ersehntem Kuss.

Auf ihren Wangen glänzen Rosen,
Umschlängelt von dem schwarzen Kranz
Süßduftger Locken, welche wallen
Auf ihres Halses schneegen Glanz.
Und o! ihr Wuchs und ihre Glieder —
Zypressenschlank und rund und weich,
Bewegen sich so leicht und lieblich
Dem Auge der Gazelle gleich!