II.

Der Himmel prangt im veilchenblauen Kleide,
Die Nebel wallen über Flur und Saaten,
Die Tanne grüßt die silbergraue Weide,
Wo Blumen morgenduftig sich verraten.
Wie glänzt des Lorbeers dunkelgrüne Seide,
Wie plaudern leiseflüsternd die Granaten,
Mir ist, als tönten hier an jedem Orte
Geheimnisvolle Lieder ohne Worte.

Doch Wogenklang und Ruderschlage locken
Mich zu der Flut mit ihren süßen Stimmen,
Und überschneit von frischen Blütenflocken,
Will ich die leichte Gondel schon erklimmen:
Da hallt das kirchliche Geläut der Glocken,
Dass in der Luft die Töne sanft verschwimmen.
Und Lieder ohne Worte hör’ ich wieder,
Schallt Turmgesang zum Wogenschlage nieder.

In meine Seele dringt so allgewaltig
Des wunderklaren Tages holde Feier;
Wer fühlte nicht, wenn bunt und vielgestaltig
Natur und Kunst verweben ihre Schleier? —
Horch! diese Klänge! zart und mannichfaltig
Bewegen freier sich und immer freier,
Wenn kunstgeübte Händchen ohne Stocken
Den Saiten Lieder ohne Wort’ entlocken.

Und Lieber ohne Worte hör’ ich wieder
In froher Menschen liebevollem Wesen;
Wo sich das Auge freundlich zeigt und bieder,
Wird jedes Herz, das kränkste selbst genesen;
Und danken wollten dafür meine Lieder,
Doch wollt’ ich eben Worte mir erlesen,
So fand ich nie das recht’ am rechten Orte,
Und spendete nur Lieder ohne Worte.