(Auf der Heidelberger Ruine geschrieben)

Wo trotzend der Jahrhundert Wettern
Der Efeu seine Ranken treibt,
Und wie mit ewig grünen Lettern
Ein Lied von alter Größe schreibt,
Hier vom bemoosten Burggesteine,
Wo mir die Stadt entgegenlacht,
Sei dieses Tages frühstem Scheine
Mein erster, wärmster Gruß gebracht.

Noch hüllen weiße Nebelschleier
Des Neckars bergumkränzten Strand,
Noch ruht in friedevoller Feier
Das ganze, weite, schöne Land;
Wie ein Gebet bringt aus der Ferne
Das Turmgeläute klar empor,
Indes im Tale sich noch gerne
Manch schönes Aug’ im Traum verlor. -

Nicht Worte kann die Seele finden,
Die sich in dieser Pracht berauscht,
Wo im Verfall noch und Verschwinden
Hoheit aus jeder Spalte lauscht;
Wo nur das eine Glück zu erben
Die Seele zaubertrunken fleht:
In diesen Hallen lässt mich sterben,
Wo größ’rer Zeiten Odem weht!

Hier grünbelaubte Bergeswände, —
Das himmelsnahe Kloster dort,
Die Mauern zwischen Weingelände, —
Und in den Tälern Ort an Ort;
Der Neckar, der in seinen Wogen
Den Himmel spiegelt und die Höhn, —
Die heitre Stadt, der Brücke Bogen,
Wie reizend Alles und wie schön!

Und tiefer in dem Städtchen drinnen
Das freie, liebe Fensterpaar ,
Wo bange Sehnsucht zu gewinnen
Ich überglücklich selig war,
Lässt nur mit armen Worten sagen,
Was ungestüm dies Herz begehrt,
Es jauchzt, und ist doch halbes Klagen;
Wie bist du Stadt mir lieb und wert!

Und Lebewohl soll ich Dir rufen.
Erinn’rung geht nur seufzend mit, —
Was zaudr’ ich noch auf diesen Stufen,
Was zögr’ ich noch bei jedem Schritt? -
Nur ein Moment — bei dem Pokale
Klingt nicht der Abschied trüb und hohl,
Ich sage nicht zum letzten Male,
Wenn auch das letzte Lebewohl!a