Schwand Jahr auf Jahr auch, lebt doch frisch und jung
Im deutschen Herzen die Erinnerung
An jenen Geist, der unermüdlich schuf
Aus glühn‘dem Drang, im heiligsten Beruf.
Die Bühne, seiner Muse liebster Sitz.
Das bunte Maskenreich von Ernst und Witz
Bringt jubelnd heut ihm. wie manch früher Jahr
Des ew‘gen Ruhmes grüne Palme dar.
Ihn, den die Kunst auf seinem Erdengang
Mit ihrer schönsten Priesterbind' umschlang,
Den Poesie zum Liebling eingeweiht,
Sein Wirken Leuchten der Unsterblichkeit,
Ihn feiern wir in tragscher Muse Zelt
Durch seine große, selbst erschaffne Welt,
Wie sie bezaubernd in das Leben trat,
Lebend‘ger Worte lebensvolle Tat.
Denn das ist ja des Künstlers höchster Lohn,
Dass er sich selbst erbaut den ew‘gen Thron,
Und ob der Schöpfer auch in Staub zerfiel,
Die Schöpfung selbst bleibt seines Geists Asyl:
So lebt Gedanke, Seele, Phantasie,
Der Bilder Glut, der Worte Melodie
Vererbend fort — unsterblich — ewig jung,
Ein Frührot in der Zeiten Dämmerung.

So schmücken die Gestalten seiner Kunst
Auch Schiller mit des Ruhmes reichster Gunst,
Als Genien reichen sie ihm ätherklar
Den Goldpokal des ewgen Lebens dar,
Und flechten ihm den Lorbeer um das Haupt,
Der Sophokles, der Shakespeares Stirn umlaubt,
Ein Dreigestirn, das jeden Nebel hellt,
Schön wie der Tag und göttlich wie die Welt.

Was wetterleuchtend sein Gefühl durchstürmt,
Und was sein Geist gigantisch aufgetürmt,
Das löst durch Kunst er in der Zeiten Lauf
In einen Lenz von Harmonien auf.
Ernst in der Kunst, feind jeder Heuchelei,
Voll Innern Stolzes, doch von Dünkel frei,
Der Liebe Rose tief in treuer Brust,
Freundschaftlich, offen für harmlose Luft:
So hat sein Bild der Nachwelt sich bewahrt,
In seiner Muse schön sich offenbart.

Ein großes Herz spricht drin aus jedem Klang,
Ein Herz, das kühn fürs Wohl der Menschen rang.
Das nicht nur einem einzelnen Geschlecht
Durch edle Tat erkämpft ein edles Recht,
Dass seine Liebe nicht nur seiner Zeit,
Nein Völkern und Jahrhunderten gerecht.
So ward sein Genius Europa's Ruhm,
Der Freiheit Stolz, des Geistes Eigentum;
Sein Monument lebt.in der Enkel Schaar,
Das Herz des Volks — sein Tempel, sein Altar.