Wie Mondesglanz die Nacht durchbricht
Und strömt auf Thal und Matten,
So fließt der Schönheit Lilienlicht
Aus Deiner Wimpern Schatten.

Seit im Gebet die Händchen Du
Zum erstenmal gefaltet,
Hat auch des Himmels sel'ge Ruh
In Deinem Blick gewaltet.

Der Engel des Gebetes blieb
Am Glanz der Unschuld hangen,
Und hielt die Stirne fromm und lieb
Im Bruderkuß umfangen.

Er legte Dir voll Liebeshuld
Zwei Rosen auf die Lippe,
Und hauchte Worte der Geduld
In diese heil'ge Krippe.

Er nahm sein lichtes Flügelpaar
Und lieh es Deiner Liebe,
Daß sie auf Erden immerdar
Ganz ohne Flecken bliebe.

Wer einmal sah im tiefsten Schmerz
In Deines Auges Sonne,
O dessen Blick, o dessen Herz
Bricht - oder schmilzt in Wonne!