"Wer zuerst gefaßt den Enterhaken,
Wer zuerst in Mehon's Schiff gesprungen,
Wer allein ihn in den Grund geschmettert,
Jeder weiß es hier im Volk von Maina.
Komm nun, Psaumis, komm und nimm mir, nimm mir
All' die Waffen Mehon's! Nimm den Säbel,
Gürt' ihn um dir! nimm die bunte Flinte,
Nimm das ganze Schiff mir, nimm es, nimm es,
Nimm's und trag' es deinem Weib in's Haus hin!
Nimm ganz Maina, wirf es in den Schoß ihr!
Ruhig werd' ich zuschaun, ungereget,
Ungereget wie jener Turm der Klippe.
Doch es wird dereinst sich Puras rächen.
Nicht wie schwache Kinder, nein, wie Puras."

Puras spricht's und wirft die Waffenbeute,
Die von Gold und Prachtjuwelen schimmert,
Zu den Füßen Psaumis; der entgegnet:
"Schmähend vor die Füße wirfst du, Puras,
Mir die Waffen, die mit Blut erkämpften,
Die geteilt ich wollte? Wisse, Puras,
So beschmähte Schenkung nimmt kein Psaumis!
Liegen mögen sie am Strand und faulen,
Faulen samt dem Schiff, das wir erbeutet!
Geh' und droh' mir! All' dein Drohen ist mir
Jene Welle, die vom Stein herabtrieft
Aber wahr' vor mir dich! Psaumis Feindschaft
Wird im heilen Leib das Herz dir treffen."

Psaumis spricht es. Trauernd rings umdrängt ihn
Maina's Volk, die Krieger und die Greise
Müh'n umsonst sich ab, den Haß zu sühnen.
Aus einander trennen sich die Führer,
Scheiden ihre Krieger, ihre Schiffer,
Und, die Beute dort am Ufer lassend,
Wild die Locken schüttelnd, wandeln jetzt sie,
Der am Strand hin, der im Myrthenwalde.
Keiner denkt der Seinen, jeder sinnt nur,
Wie er Leid auf Leid am höchsten türme,
Wie den andern er am tiefsten kränke. -

Nur gefolgt von zweien seiner Krieger,
Um den Klippenrand hin wandelt Puras.
Fliegt sein Blick zur Felsentreppe,
Wo aus uneinnehmbarer hoher Grotte
Psaumis junge Gattin nieder steiget;
Nieder steigt sie, allen Streit zu sühnen.
Aber Puras rufet die Gefährten,
Läßt sie rauben und hinabtragen
In sein Boot sie Schleppen, springt hinein dann:
"Schnell hinüber", ruft er,"schnell hinüber
Zu der Reede, zu dem Sklavenkäufer!
Schwinden wird vor Gram der stolze Psaumis,
Hört er, wie sein Weib als Sklavin dienet.
Schreien vor Entsetzen will die Schöne;
Doch man hält den Dolch ihr dicht an's Auge,
Bis sie stumm wird, gleich dem Bild von Marmor."
Leicht beschwingt von schnellen Ruderschlägen,
Teilt der Kiel die purpurblaue Meerflut.
Als zum Sklavenkäufer sie gelanget,
Nimmt ihr Puras vom Gesicht den Schleier
Bietet sie zum Kauf für neunzig Goldstück.
"Nicht zu tadeln ist sie", spricht der Fremde,
"Nicht zu tadeln; doch von Psaumis kauft' ich
Eben eine Schön're für die Hälfte".
Da erzitterten die Knieen Puras:
"Laß sie schaun, die du gekauft von Psaumis!"
"Schau! sie liegt am Boden hier, in Ohnmacht,
Bleich von Schrecken; doch sie rötet bald sich,
Wie das Blatt der jungen frühlingsrose." -
Als nun Puras hinschaut, füllt sein Auge
schwarzes Dunkel, und das Herz erstarrt ihm,
Wie er seine Gattin schaut, als Sklavin. -
Wo die Seele Puras war, wer sagt es? -
Aber zu sich selber sprach die Seele:
"Wahrlich, Psaumis trifft im heilen Leibe
Dir das Herz, wie er vorhin gedrohet.
Als die Seele Puras nun zurück kam,
Blickt' er auf, als sänn' er einen Anschlag", -
Spricht zum Fremden: "Schön ist die Gekaufte,
Schön, doch ich bringe dir, nicht minder.
Nimm sie für den Preis, den du geboten! -
Mir nicht, - gib das Geld dort meinen Leuten!" -
Als nun Psaumis Gattin so verkauft war
Und entwandert in das Schiff als Sklavin,
Rufet Puras:Nun, du Sklavenkäufer!
Auf die Segel! Flieg' in alle Winde,
Daß von Maina dich kein Schiff erreiche!
Staunend hört der Fremde diese Drohung.
Aber Puras jaget nach dem Ufer,
Mit beschwingtem Ruder nach dem Ufer,
Wo bereits die Kunde sich verbreitet
Von des Psaumis Tat und der von Puras.

Als er nun an's Land springt jähen Sprunges,
Ihm entgegen kommt ihm, tritt ihm Psaumis.
Staunend vor einander stehn sie, starren
Aug' in Aug' sich an, gedenkend beide,
Wie sie sich vordem nur Holdes taten,
Wie sie jetzt das Bitterste getan sich,
Starren lange sie; bis beider Augen
Sich mit Tränen füllen, bis sie weinen,
Bis sie sinken Herz an Herz. Da dränget
Freudig sich herzu das Volk von Maina.
Aber Puras hebt das Haupt und rufet:
"Auf nun! Psaumis! Auf, ihr meine Freunde!
Auf! Zu Schiff! Der Fremde spannt die Segel:
Zeigen wir ihm schnell ein Schiff von Maina!
Ha, wie rührt sich alles nun am Strande,
Auf dem Schiff, im Tauwerk, auf den Masten,
Auf den Rahen!" Alle Segel fliegen,
Und im Winde schwebt das Schiff, wie Schwalben.
Nur der Woge weiße Spitzen rührt es,
Tragend Psaumis und den kühnen Puras.
Bald erjagen sie des Fremden Fahrzeug,
Rufen schnell hinüber durch das Sprachrohr:
"Nimm das Geld zurück, das du gezahlet!
Gib heraus die Frauen, gib heraus sie!
Doch der Überkühne, nicht mit Worten,
Mit Kanonen donnert er die Antwort." -
Ha, wie jagt da das Mainottenschiff ihm
Dicht hinan mit lauten wilden Donnern!
Es verwickelt sich mit jenes Schnabel.
Mutig wehrt der Feind sich; doch sein Schiff ist
Bald erklettert und zu Grund geschmettert;
Überall hin treiben seine Planken.

Heimwärts mit den Weibern ziehn die Sieger.
Jubellaut empfängt am hohen Strand sie.
Und ein Feuer schüren sie am Strande,
Mächtig, übergroß und überprächtig;
Puras selbst und Psaumis tragen Brände,
Zu verbrennen jene Feindeswaffen,
Mehon's Waffen, die den Streit erreget. -