1. Dort auf dem Hochfeld droben,
Im dunklen Tannenforst,
Hat dräuend sich erhoben
Ein alter Tannenhorst;
Darinnen sah man hausen
Raubritter wild und keck,
Die Herren von Rathsamhausen,
Des Landes Fluch und Schreck.

2. Des ward man endlich Meister,
Die Veste ward geschleift;
Doch haben ihre Geister
Noch lang das Tal durchschweift;
Sie regten in den Bauern
Heimtückisch Raubgelüst, -
Ringsum ein diebisch Lauern,
Die Felder wild und wüst.

3. So lag in Nacht und Grauen
Dies Tal in Felsen drin,
Verwildert alle Gauen,
Verwildert jeder Sinn.
Nun ist's ein halb Jahrhundert,
Daß Licht durchbrach die Nacht,
Und alle Welt verwundert
Die Rettung sieht vollbracht.

4. Wo einst verwachsne Wälder
Und Moor und schlimm Getier,
Da grünen Saatenfelder,
Und Herden weiden hier.
Wo zwischen Felsenrücken
Der Waldbach schießt dahin,
Da führen feste Brücken
Und sichre Straßen hin.

5. Wo jüngst noch Lust des Raubens
Und finstre Geisteshaft,
Da scheint das Licht des Glaubens,
Da wirkt der Liebe Kraft.
Wie hat sich, was verwildert
Und wüst und öde war,
Gelichtet und gemildert
So schnell und wunderbar?

6. Ist wieder aufgestanden
Der heil'ge Kolumban,
Der einst in allen Landen
Hob Christi Predigt an,
Bis vor dem Kreuzesstamme
Erlagen Drach' und Wild,
Bis vor dem Gotteslamme
Die Herzen wurden mild?

7. Ja, solch ein Gottesbote,
Ja, solch ein Glaubensheld
Hat jüngst aus Nacht und Tode
Gerettet Volk und Feld;
Er hat das Kreuz errichtet
In seiner Wundernacht,
Bis alles war gelichtet,
Und jedes Herz erwacht.

8. Und fragst du, wie geheißen,
Dem solches Gott befahl?
Geh hin, das kann dir weisen
Jedwedes Kind im Tal.
Zum schlichten Kirchhofsteine
Geleiten sie dich hin:
Hier liegen die Gebeine
Des Pfarrers Oberlin.