Die Wolken, deren stiller Gang
Dort der Gebirge Haupt befeuchtet,
Den untern Wellenrand entlang
Sind sie vom Abendgold beleuchtet,
Wenn oben schon ihr düster Grau
Sich scheidet aus kristallnem Blau.
Sie schwimmen über dunkle Zinnen,
Die westlich unser Tal begrenzen;
Die letzten Purpurstreifen glänzen -
Ein Scheideblick - sie sind von hinnen!
Nun liegt das Dorf in sanfter Feier
Des Sonntags abends vor uns da;
Die Waldgebirge zeigt ein zarter Schleier
Dem Blicke ferner, dem Gemüte nah.
Auf den bestaubten Straßen rollen
Die Wagen ihrer Nachtherberge zu;
Des Tages Klänge sind verschollen,
Der Abend will und spendet Ruh!
Nur aufgestörter Hunde Bellen
Durchs dumpfe Brausen von der Mühle,
Und heimgetriebner Kühe Schellen -
Ein holdes, trauliches Gemenge
Der ländlich-heitern Abendklänge -
Bewegt sich auf den linden Wellen
Der balsamschwangern Abendkühle
An mein geschmeichelt Ohr herüber.
Jetzt wird das Blau im Osten trüber,
Fast violett, die ersten Sterne flimmern,
Und ein entferntes Schimmern
Läßt auf gewohnten, zart umwölkten Bahnen
Des Mondes liebe, leise Schritte ahnen;
Wie Nachtviolen prangt die stille Luft,
Der Wiese holde, tauerquickte Kinder
Verschwenden reicher ihren Schlummerduft;
Die heilige Nacht, die Trösterin, sie ruft -
Der Druck des Lebens scheint gelinder.