Ein Kind wollt' Blumen pflücken gehn
Des Morgens früh im Thaue,
Und tausend Blümlein bunt und schön
Entblühten auf der Aue.
Lenz war es rings und Sonnenschein,
Und alle Blümlein groß und klein
Standen da in süßer Freude.

Und als das Kindlein tritt ins Feld,
Die Blümlein werden munter,
Und jedes gleich sein Köpfchen hält
Hinaufwärts und hinunter,
Wohin des Kindleins Händchen langt;
Ein jedes Blümlein sehr verlangt
In seiner Hand zu sterben.

Da plötzlich tritt ein Engel weiß
Gar freundlich zwischen beide
Und spricht: Gegrüßt der Jugend Preis!
Und Blümlein auf der Haide!
Voll Himmelslust und Himmelsschein,
Von innen und von außen rein,
Blumen schön und fromme Kinder!

Willkommen, Veilchen still und zart!
Willkommen, Lilie reine!
Und du von Königinnenart
Und Königin alleine,
Du Rose, hohes Purpurrot!
Euch Holde alle segne Gott,
Wie er dies Kindlein segnet!

Er drauf das Kindlein freundlich küßt
Und küßt die Blumen schöne,
Dann rauscht er wie er kommen ist,
Dahin wie Saitentöne.
Das Kindlein blickt ihm brünstig nach,
Und lauscht den Worten, die er sprach
Und ruft: ach! komm doch wieder!

Und als er doch nicht wiederkömmt,
So geht es traurig weiter,
Und nichts die heißen Thränen hemmt,
Die fallen auf die Kräuter
Und auf die Blumen rings umher:
Dem Kindlein wird das Herz so schwer
Und will ihm fast zerbrechen.

Da siehe! wie ein Himmelschein
Fällt ihm ein Glanz entgegen,
Es schießt ein helles Kränzelein
Herab als Himmelssegen,
Und fällt dem Kindlein in den Schoß,
Ihm wird das Herz in Freuden groß
Wohl ob dem lieben Kränzel.

Und diesen Kranz von Engelhand
Das Kindlein hat getragen,
So lang es ging im Erdentand,
In Nächten und an Tagen;
Das Kränzlein schön von Himmelsart
Hat weiß und rein das Kind bewahrt
Und ihm das Herz behütet.

So oft nun Kinder Blumen sehn,
Sie soll'n des Engels denken,
Daß ihnen auch er wolle schön
Ein solches Kränzel schenken.
Mit Erdenblumen spielt der Wind,
Doch Blumen, die vom Himmel sind,
Die blühen unvergänglich.