»Geh drunter durch und laß es rollen!
Laß donnern laut, was Donner ist!
Denn was die Höchsten droben wollen,
Das muß geschehn zu jeder Frist.

Sprich: Trotz sei dir, o Himmelskönig!
Auch meine Stirne trägt dein Mal –
Hui! Hoch und Niedrig, Groß und Wenig!
Kühn steh' ich deinem Wetterstrahl.

Wie? Knien, wimmern mit den Wichten?
Das hemmt kein Tröpflein deiner Flut –
Zerschlagen kannst du, nicht vernichten:
Auch meine Brust schwellt Götterglut.

Reck' aus denn! Schleudre deine Flamme
Mit deinen schärfsten Blitzen aus!
Den Funken vom Prometheusstamme
Ihn löschet keine Allmacht aus.«

So klingt des alten Heiden Rede,
So kämpft er, groß im Weltensturz,
Die ungeheure Geisterfehde,
Doch wird ihm Lust und Atem kurz.

Was frommt Ich trage keine Ketten,
Was frommt der kühne Spruch dem Mann,
Den von dem finstern Stolz erretten
Kein Sonnenstrahl der Liebe kann?

Was frommt ihm Werfen in die Speichen
Des Schicksalswagens frech die Faust,
Der über Trümmer fort und Leichen
Unwiderstehlich weitersaust?

Was frommt's, im bittern Gram vermodern,
Wenn auch der Funke nimmer stirbt?
In heißer Flamm' unsterblich lodern,
Wenn Lust und Mut im Trotz verdirbt?

Mir horch'! Ich will dir Schönres weisen,
Den hellen, heitern, sanften Weg:
Zu meinem Heiland sollst du reisen,
Ihn schaun, und Trotz und Zorn ist weg.

Prometheus auch hat er gehangen
An seinem blut'gen Kaukasus,
Weil er das Sehnen und Verlangen
Der bangen Seelen stillen muß;

Weil er das neue Licht getragen,
Der Menschheit junges Morgenrot,
Ist er ans Schandenholz geschlagen,
Gestorben den Verbrechertod.

Ihn schau', sein Kreuz und seine Wunden,
Dann geht dir auf ein himmlisch Licht,
Und alle Schrecken sind verschwunden,
Und Stolz und Hochmut kämpfen nicht.

Dann laß nur alle Donner rollen,
Gar fröhlich gehst du drunter durch:
Denn wie dein Vater muß Gott wollen,
Und Liebe trägt die Himmelsburg.