Sankt Florentius, der fromme Bischof,
Ritt gen Straßburg zu dem hohen Schlosse,
König Dagobert sich zu verneigen.
In das Vorgemach hinaufgestiegen,
Dessen Doppeltüre führt zum Saale,
Wo der König thront vor seinen Mannen,
Späht er für den regenschweren Mantel
Rings nach einem Stuhl, nach einem Nagel,
Ja, nach einem Häkchen nur am Fenster,
Seine nasse Bürde dran zu hängen.
Ach! Vergebens: glatt sind alle Wände,
Bänke, Stühle gar nicht im Gemache.
Sieh! Da schießet durch die Fensteröffnung
Hell ein Sonnenstrahl gleich einer Lanze,
Etwas drauf zu hängen – und Florentius:
»Will es Gott, so trägt er«, und den Mantel
Wirft er auf den Strahl. Da geht die Tür auf,
Und der Bischof kniet vor dem König.
Und o Wunder! Als er bald zurückkommt,
Stehet noch die Sonnenstrahlenlanze
Und der Mantel drauf in Lüften hangend.
Und anbetend steigt der fromme Bischof
Schweigend nieder aus des Schlosses Hallen.

Dies das Märchen von Florentius' Mantel,
Von dem Strahle, der als Stange diente.
Doch was soll uns dieses Kindermärchen?
Ist's ein Nagel, Wahrheit dran zu hängen?
Ja, ein Nagel ist's, ein helles Gleichnis
Von dem Sonnenstrahl der Gnade Gottes.
Ach! Die hat auf Erden keinen Nagel,
Unbequemes daran wegzuhängen;
Ach! Die hat auf Erden keine Balken,
Lasten, welche drücken, draufzulegen.
Aber wo ein Fünkchen von ihr schimmert,
Wo ein dünnstes Streifchen ihres Lichtes
Von dem Himmel zu der Erde schießet,
Fasse, halte dran, als wären's Lanzen,
Lanzen Gottes, dich und deine Lasten,
Dich und deiner Sünden schweren, schwarzen
Mantel froh vertrauend dranzuhängen –
Und dein Gott wird mächtig sein wie weiland,
Und dein Glaube fröhlich oben schweben.