Der Vater spricht:

Wie ihr geschlafen habt heut’ Nacht.
War’s mir, als hätt’s getropft
Ans Fenster, aber da hat sacht
Ein Engelein geklopft.

O, das war eine feine Stimm’,
Wie’s mich beim Namen rief:
„Da, Vater, komm herbei und nimm,
Da hab’ ich einen Brief!

Den lese deinen Kindern vor.
Er ist vom heil’gen Christ.“ —
Drum horcht und lauscht mit leisem Ohr,
Wie er geschrieben ist.

„Ihr lieben, lieben Kinderlein!
O, seid mir ja recht fromm!
Dann leg ich euch was Schönes ein,
Wenn ich hernieder komm’.

Ihr lieben, lieben Kinderlein!
O, seid mir ja recht brav!
Dann leg ich euch was Schönes ein,
Wenn ihr noch liegt im Schlaf.

Und schlummern sie im weichen Saum,
Dann, Vater, mach’ mir auf,
Dann bring’ ich einen großen Baum,
Mit vielen Lichtern drauf.

Dem Engelein von purem Gold
Hab’ ich sein Kleid gemacht,
Wie wird das flimmern wunderhold
In der stockfinstern Nacht!

Und an den Zweigen hängen rings
Von Zucker Stern an Stern,
Und goldne Nüsse rechts und links,
Süß wie ein Mandelkern.

Und in dem Gärtchen untendran,
Da sitzen Schaf und Lamm,
Und Küchlein, Hennen und der Hahn
Mit seinem roten Kamm.

Doch folgen dir die Kinder nicht,
Und mußt du zanken oft,
So komm ich diesen Winter nicht,
Denn ich seh’s unverhofft.

Dann laß ich meinen Baum im Wald,
Und heb’ die Sachen auf,
Und bringe — einen Stecken halt
Und eine Rute drauf.“