Merk' auf, du kleines Schelmlein!
Ich weiß was vom Strohhälmlein:

Das ist mit noch zwei andern
Gegangen auf das Wandern.

Das eine war die Bohne
Mit einer weißen Krone,

Das andre war die Kohle
Mit einer schwarzen Sohle.

Die führten, wie es Litte,
Das Hälmlein in der Mitte;

Sie aber hielten beide
Einmütig sich zur Leite.

So ging es über Felder,
Durch Heiden und durch Wälder,

Durch Dörfer und durch Flecken
An allen End' und Ecken.

Einst kamen sie ganz munter
Ins Wiesental herunter.

Da sahen sie denn rieseln
Ein Bächlein über Kieseln.

Das murmelte und strudelte
Und plätscherte und sprudelte. —

Die Kohle sprach mit Grauen:
„Da ist nicht viel zu trauen,

Und ist nicht gut zu raten
Zum Springen oder waten.

Das Bächlein, das kann tief gehn,
Dann möcht' es allen schief gehn.

Ich fürcht' mich vor den Fröschen,
Die könnten mich auslöschen;

Ich fürcht' mich vor den Fischen,
Die könnten mich auszischen;

Ich fürcht' mich vor den Krebsen,
Die konnten nach mir täppsen." —

Die Bohne sprach: „Mit Schilfe
Wüßt' ich schon eine Hilfe,

Da würd' ich ohne Grauen
Ein sich'res Brücklein bauen;

Und keinem wäre schwerlich
Der Übergang gefährlich.

Doch ist es zum Erbarmen,
Hab' leider keine Arme!"

Strohhälmchen sprach mit Lachen:
„Das will ich jetzt schon machen,

Ich bau' aus einem Stücke
Die allerschönste Brücke

Und leg' mich selbst hinüber,
Und ihr geht lustig drüber.

Zwar fehlt daran die Lander,
Doch geht ihr nacheinander

Und haltet euch fein schicklich,
Dann geht das Ding schon glücklich!"

Strohhälmlein hat's gemacht so,
Und gut war's ausgedacht so. —

Die Bohne sprach zur Kohle:
„Mit deiner heißen Sohle

Könnt' es ein Unglück geben,
Das Feuer fürcht' ich eben.

Ich sag's, mir wär' es lieber,
Käm' ich zuerst hinüber!"

Die kohle sprach zur Bohne:
„Sollst seh'n, daß ich dich schone.

Geh' du zuerst zur Brücke
Und lauf' wie eine Mücke,

Dann erst will ich's probieren
Und dir auch nachspazieren!"

Die Bohne ist gewackelt
Und hat nicht lang gefackelt,

Sie war mit einem Satze
Schon drüben auf dem Platze.

Drauf tät die Kohle sagen:
„Jetzt will auch ich es wagen

Und will mit meinem Ranzen
Geschwind hinübertanzen!"

Sie macht sich auf den Weg hin
Und trippelt an den Steg hin,

Doch in der Mitte zaudert sie,
Und mit der Bohne plaudert sie.

O, wär' sie nur gesprungen,
Es wär' ihr auch gelungen —

Da fängt das Hälmlein Feuer,
Und guter Rat ist teuer.

Der Wind weht schon die Flammen
Ganz über sie zusammen.

Verbrannt ist das Strohhälmlein,
Das arme, arme Schelmlein.

Nur noch ein wenig glimmt es,
Dann fort in Stücken schwimmt es.

Die Kohle starb mit Zischen
Im Wasser, in dem frischen,

Und ist hinab geschwommen,
Weiß nicht, wo s' hingekommen.

Doch an dem Ufer ohne
Mitleiden stund die Bohne,

Die sah die Kohle sterben
Und 's Hälmlein auch verderben.

Bat nicht den Krebs im Schilfe,
Und nicht den Frosch um Hilfe.

Sie lief nicht hin und wieder;
Sie bog sich auf und nieder

Und trippelte und trappelte
Und zippelte und zappelte

Vor lauter Spottgelächter.
Da ging es ihr noch schlechter.

Denn weil sie gar so lachte,
sie mitten durch zerkrachte

Und liegt nun in zwei Teilen,
Und niemand kann sie heilen.

Kein Bitten und kein Belfen,
Es kann kein Doktor helfen.

Es kann kein Bader raten,
Es ist zu groß der Schaden, —

Die Bohne, die liegt draus,
Das Märlein, das ist aus.