Wenn’s Büblein will hochmütig werden,
Erzählt man ihm von den vier Pferden.


In einer Herberg’ sind geblieben
Vier Pferde einmal über Nacht.
Ins Fremdenbuch sind sie geschrieben,
Daß mancher noch darüber lacht.

„Ich heiße Roß, und mein Herr Reiter
Ist hochgeadelt, wie ich bin!“
So schreibt das erste und trabt weiter
Mit übermüt’gem, stolzem Sinn.

„Ich heiße Pferd, und hab’ gezogen
Die Kutsche lang von Ort zu Ort!“
So schreibt das zweite auf den Bogen
Und steigt hoffärtig weiter fort.

„Ich heiße Gaul und zieh’ den Wagen
Und denk’, ich bin ein rechter Gaul!“
So schreibt der dritt’, und bis zum Magen
Hinunter hängen läßt er’s Maul.

„Ich zieh’ den Pflug und heiße Klepper
Und bin ein vielgeplagtes Tier.
Man läßt mich alten, kranken Schlepper
Verhungern und verdursten schier.“

So schreibt das vierte und geht weiter.
Die andern haben ihren Spott.
„Laß nur nicht fallen deinen Reiter“,
So schreien sie: „Rößlein, hott, hott!“

Der Gastwirt steht an seinem Gucker,
Schaut bald ins Buch und bald hinaus.
„Du Klepper bist ein armer Schlucker,
Doch lachst du bald die andern aus.

Wie dir’s jetzt geht, wird’s auch noch werden
Mit diesen Toren dumm und stolz,
Daß sie nicht gleichen mehr den Pferden,
Die man für Kinder schnitzt aus Holz.

Dann wirst du stehn an meinem Bahren
Und essen still dein Gnadenbrot,
Sie aber wird in späten Jahren
Die Peitsche treffen und die Not.“

Und wie der Wirt ins Buch geschrieben,
So bricht herein die arge Not.
Sie sind am Wege liegen blieben,
Doch dieser ißt sein Gnadenbrot.