Hört nur einmal an und denkt,
Wie der Geier das Fischlein fängt.

Das Fischlein schwimmt im Weiher
Um einen grünen Strauch;
Und oben fliegt der Geier,
Der hat ein scharfes Aug'.

Das Fischlein denkt: „In Lüften
Da ist es gar so schön;
Wo soviel Blumen düften
Im Tal und auf den Höh'n.

Da unten in den Fluten
Da ist es trüb' und kalt.
Ich will mich drum gemuten
Und aufwärts fliegen halt."

Da schwingt es sich und schwänzelt
Und plätschert recht nach Lust;
Es springt empor und tänzelt
Wie ein Tanzmeister just.

Das Fischlein in dem Weiher
Es schaut nicht auf noch um.
Sieht oben nicht den Geier
Und wie er kreis't herum.

Das Fischlein froh und munter
Möcht' immer noch hinauf;
Der Geier schießt herunter
Und sperrt den Schnabel auf.

„O Jammer über Jammer,
Daß ich dich jetzt erst seh',
Wie tust mit deiner Klammer,
O Geier, mir so weh!"

So spricht's und ist verschwunden;
Der Geier trägt es fort,
Wär's lieber blieben drunten
Im kühlen, sichern Ort!

Und merk' dir's wohl, mein Bübchen,
Und du, mein Mädchen, auch:
Wenn ihr nicht bleibt im Stübchen,
So kommt der Geier auch.