Was frommt dir's, Mensch, bekümmert sein?
Des Schicksals Rad ist nicht zu halten;
Laß Gottes Huld vertrauend walten,
Ist deine Kraft zu schwach, zu klein;
Wie Zeit und Welt sich bunt verwirren,
Laß tröstend dich das Wort umschwirren:
»Nur frisches Blut, nur frohen Mut,
So steht's mit uns noch immer gut!«

Da war der Schüler Adrian
Zu Utrecht einst in Niederlanden;
Dem kam der Frohsinn nie abhanden,
Den fochten niemals Sorgen an!
Theologie war seine Liebe,
Denn früh schon lockten mächt'ge Triebe
Zum Priesterstand den jungen Sinn;
Doch war der Weg noch weit dahin!

Denn bitterarm war Adrian;
Die Eltern hatten kaum zu leben,
Was konnten sie dem Sohne geben;
Ihn aber focht das wenig an,
Und hatt' er mittags nichts zu nagen,
So hat sein Buch er aufgeschlagen,
Und steckt' die Nase drein und las,
Bis er aufs Mittagsbrot vergaß.

Ein Röcklein trug der Adrian,
An allen Nähten gar verschlissen,
Das Höslein auch war arg zerrissen,
Doch keiner merkt ihm Kummer an;
Und hatt' die Schuh er abgelaufen,
Und konnte neue sich nicht kaufen,
Verlor er drum nicht einen Laut
Und lief auf seiner eignen Haut!

Nach Wissenschaft nur stand sein Sinn,
Und daß im Winter Licht er finde,
Nicht ungenützt die Zeit ihm schwinde,
Zum nächsten Laden schlich er hin,
Und bei des Lichtes matten Strahlen,
Die dämmernd sich durchs Fenster stahlen,
Genoß sein Geist die süße Kost,
Erstarrte auch der Leib vor Frost.

Drang Schnee und Regen auf ihn ein,
So floh zum Münster er behende,
Daß Helle ihm zum Lernen spende
Des ew'gen Lichtes Dämmerschein;
So mußt' er immer sich zu raten,
Und wenn der Prüfung Tage nahten,
Vor allen stets den Preis gewann
Der frische, muntre Adrian!

Studieren aber währt gar lang',
Und stets von neuem mußt' am Morgen
Er für des Tages Notdurft sorgen;
Ihm wurde aber niemals bang:
Und ging's recht schlecht, so hüpft' und sprang er,
Und schallend durch die Straßen sang er:
»Nur frisches Blut, nur frohen Mut,
So steht's mit uns noch immer gut!«

Und warf sein Mützlein hoch empor
Und rief: »Heisa, mir kann's nicht fehlen!
Und wenn sie einst zum Papst mich wählen,
So bau' ich, nehm' ich fest mir vor,
Für Schüler, die wie ich verlassen,
Ein stattlich Haus in Utrechts Straßen,
Ein stattlich Haus, so hoch, fürwahr,
Als in der Luft mein Mützlein war!«

Der Knabe rief es und genau
Erfüllte sich, was er verkündet!
Noch heut zu Utrecht festgegründet
Steht Adrians verheißner Bau;
Nur daß, der dort die Mütz' geschwungen
Und keck sein Liedlein hingesungen,
Als er sein Wort erfüllen ließ,
Papst Adrian der Sechste hieß.

Ihr aber singt sein Lied ihm nach!
Des Schicksals Rad ist nicht zu halten,
Laßt Gottes Huld vertrauend walten,
Ist eure Kraft zu klein, zu schwach;
Wie bunt sich Zeit und Welt verwirren:
Laßt tröstend euch das Wort umschwirren;
»Nur frisches Blut, nur frohen Mut,
So steht's mit uns noch immer gut!«