Wenn ich vor mir dich sehe,
Mit freiem stolzem Blick,
Wie hoch die Flut auch gehe,
Trotz bietend dem Geschick,

Ein dreister Freund den Frauen,
Vor keinem Gegner bang,
Die Brust voll Selbstvertrauen,
Die Seele voll Gesang;

Wenn ich vor mir dich sehe,
So frisch und selbstbewußt,
Wohl zuckt ein leises Wehe
Mir durch die müde Brust!

So manche verträumte Stunden,
So manches verscherzte Glück,
Sie kehren längst entschwunden
Nun mahnend mir zurück!

Du hättest dich rasch entschlossen,
Wo ich geschwankt, gezagt,
Du hättest keck genossen,
Wo zweifelnd ich entsagt!

Die Stunde, da ich säumte,
Dich hätte sie beglückt,
Der Kranz, von dem ich träumte,
Du hättest ihn gepflückt!

Und doch, wie hell dir glänze
Der Zukunft Morgenschein,
Ich tausch' nicht deine Lenze
Für meinen Herbsttag ein.

Was immer an Genusse
Dir Welt und Leben beut,
Es glüht von einem Kusse
Die Lippe mir noch heut!

Wie hell dich Ruhm verkläre,
Stolz trag' ich lebenslang
Den Dornenkranz, den Ehre
Und Pflicht ums Haupt mir schlang!

Wie reich dich Glück begabe,
Fest ewig hält mein Herz
An seiner reichern Habe,
An seinem heil'gen Schmerz!

Hinaus in Wirbelschnelle
Der Fluten schiffe du,
Mich schaukle leis' die Welle
Dem stillen Hafen zu!