1.

Gespenster, die bei Nacht dich schrecken,
Du rufst sie an um ihr Begehr,
Und will dich finstrer Mißmut necken,
Ei frag doch auch, wo kommst du her?

Und was dich drängt mit tausend Plagen,
Und was dich drückt und quält zumeist,
Du wirst es, glaub mir, auch ertragen,
Wenn seinen Namen erst du weißt!

2.

Nimm, soweit die Kraft dir reicht,
Wär dein Herz auch am Verbluten,
Nimm die bösen Tage leicht,
Aber ernst und schwer die guten.

Soll dich fliehen bald der Schmerz,
Lange dir die Freude bleiben,
Mußt du diese dir in Erz,
Und in Sand den andern schreiben.

3.

Du kannst nicht schweigend, Herz, die Wonne tragen,
Du möchtest jauchzen, doch das Wort gebricht! –
Ich weiß dir Rat! – Was keine Worte sagen,
Das eben sagt ganz herrlich ein Gedicht.

4.

Lasse dir des Lebens Tage,
Mensch, wie liebe Freunde sein;
Welche Bürden er auch trage,
Jeder tret' willkommen ein!

Jeden grüße fromm ergeben,
Wie der Freund dem Freunde tut,
Und wie Freundeslaunen eben
Trag geduldig seine Glut;

Jeder, der dir will entrinnen,
Nehm' von dir ein freundlich Wort,
Nehm' ein löbliches Beginnen
Zur Erinnrung mit sich fort!

Jeden, Mensch, entlaß mit Segen;
Denn, wenn einst dein Stündlein kam,
Tritt dir jeder so entgegen,
Wie er von dir Abschied nahm;

Was du jedem mitgegeben,
Bringt dann jeder dir zurück,
Sieht dich an, wie im Entschweben
Ihn berührte einst dein Blick.

Lasse, Mensch, des Lebens Tage
Dir wie liebe Freunde sein.
Denn es holt nicht Wunsch noch Klage
Die verlornen wieder ein!

5.

Der Wahrheit diene treu zu jeder Frist,
Und Lüge dünke immer dir gefährlich;
Wenn du mit Falschen falsch erst bist,
Wie lange bleibst du mit dir selbst noch ehrlich?