Zum Esel kam der Fuchs auf seine Distelweide,
Und sprach: Freund, meinen Gruß zuvor,
Du scheinst noch immer jung in deinem alten Kleide.
Wie lustig spielt noch jetzt dein hochansehnlich Ohr!
Du bist und bleibst ein Freund der Freude.
Sieh auf! der Morgen wird recht schön.
Was fangen wir nun an? Nicht wahr, wir wollen beide
In jenem Wald spazieren gehn?
Ei ja, versetzt der Freund: was ist denn dort zu sehen?
Ein Muster, sagt der Schalk, vollkommner Eselinnen.
Es wiehert mancher Hengst, die Spröde zu gewinnen;
Doch sie wird dir nicht widerstehn.
Sieh auf! ... Ei ja ... und sieh der Sonne rothes Licht!
(So wortreich ist der Fuchs: er schwatzt, wie Redner pflegen,
Die mehr betäuben, als bewegen;
Doch merke man sich auch, daß er zum Esel spricht.)
Sie wandeln plaudernd fort. Bald aber zeiget sich
Der König selbst, der Löw' in seinem höchsten Grimme.
Der Anblick nimmt sogleich dem Esel Muth und Stimme.
Er zittert, läuft, und fällt. Ein Löw' ist fürchterlich.
Der Fuchs hält gleichwol Stand, und sagt: Beglückt bin ich,
Herr! heute dich nicht zu verfehlen.
Ich eilte dich zu sehn. Zum Frühstück bring' ich dir
Den Kern des Eselstamm's, dort jenes feiste Thier.
Der ernste Löwe spricht: Zur Mahlzeit dien' es mir;
Dich selbst will ich zum Frühstück wählen.
Schnell wird der Fuchs zerstückt. Was lehrt des Löwen That?
Verräther hasset man, und nutzet den Verrath.