Ein abgezehrter Wolf, ein Bild der Dürftigkeit,
sah einen feisten Hund bei Nacht umherspazieren.
Sein Wanst gefiel ihm sehr; drum hielt er’s für gescheit,
bei diesem Fremden sich manierlich aufzuführen.
Er schien, vor großer Lust, ganz außer sich zu sein,
Gesellschaft solcher Art im Felde vorzufinden
und sprach: »Wann wird auch mich ein kleines Glück erfreun ?
Und ach! wie könnte mich ein guter Rat verbinden!
An Gönnern fehlt es nur; die Zeiten sind nicht gut.
Kein Blutsfreund ladet uns mit andern lieben Gästen.
Wir kämpfen um den Fraß; wann, mit vergnügtem Mut,
die Herren Hunde sich in vollen Küchen mästen.«

Melamp erwidert drauf: »Freund! wir beklagen dich;
wir glauben’s, dort im Wald ist oft nicht viel zu fressen.
Doch willst du mit mir gehn, so wirst du, so wie ich,
nach Wunsch verpfleget sein und aller Not vergessen.
Mich liebet Herr und Frau; mein Amt fällt gar nicht schwer.
Ich hüte Haus und Hof und halte nächtlich Wache.
Auch du scheinst mir geschickt zur Hut und Gegenwehr;
und mehr bedarf es nicht, daß man dich glücklich mache.«

Der Wolf umhalset ihn; und als er hurtig trabt,
der Stelle vorzustehn, die man ihm angetragen,
sieht er des Hundes Hals enthaart und abgeschabt
und wird aus Fürwitz kühn, ihn desfalls zu befragen.

»Mich dünkt«, versetzt sein Freund, »mir fällt die Ursach’ ein :
Des Tages legt man mich mit Schmeicheln an die Kette;
aus Furcht, ich möchte sonst falsch oder beißig sein,
dafern ein Held, wie ich, stets seinen Willen hätte.
Was aber schadet dies? Ich liege warm und still;
mein Herr besuchet mich; der Knecht bringt Trank und Speise.«
Der Wolf, der weiter nicht den Hund begleiten will,
sucht seinen Rückweg bald und dankt ihm für die Reise.

»Nein!« ruft er: »Auf der Welt ist nichts der Freiheit gleich.
Sollt’ ich mir einen Stand, den sie nicht schmückt, erwählen?
Dem Weisen gilt sie mehr als Thron und Königreich:
Wenn ihm die Freiheit fehlt, so wird ihm alles fehlen.«