Wie sinnreich macht die Furcht! Nicht weit von Bagdad wohnte
Ein Löwe, dessen Grimm und Raubsucht nichts verschonte.
Der fraß ohn' Unterschied, was die Gewalt ihm gab.
Bald schickt ein banges Reich an ihn Gesandten ab,
Und die erbieten sich, um sicherer zu leben,
Ihm jeden Tag ein Thier zum Unterhalt zu geben.
Der Antrag wird erhört: er nennt die Liefrungszeit.
Die Botschaft heulet Dank für so viel Gütigkeit.
Wie nun allein das Loos des Opfers Wahl bestimmte,
So traf's den Hasen auch, der zwar sich traurig krümmte,
Doch diesen Trost sich gab: Was sein soll, muß geschehn.
Euch, Freunde, zu befrein, will ich zum Würger gehn;
Doch nach der Mittagszeit: es wird, wie ich vermeine,
Der König hungrig sein, wann ich vor ihm erscheine.
Er reiset. Da der Löw' ihn nur erkennen kann;
Wie, ruft er, kömmst denn du so spät und langsam an?
Ich habe meinen Weg durch jenen Wald genommen,
Versetzt das schlaue Thier: sonst wär' ich längst gekommen.
Nach aller Möglichkeit beschleunigt' ich den Lauf:
Mich hielt ein andrer Löw', der dir recht gleichet, auf,
Und droht', und wollte mir durchaus den Ruhm nicht lassen,
Für dich, nach meiner Pflicht, mit Ehrfurcht zu erblassen.
Mit Zittern sag' ich es: von deiner Majestät
Sprach er verkleinerlich; auf dich hat er geschmäht.
Ich widerstritt ihm zwar, doch so wie Schwächre pflegen;
O könnt' ich jetzt sein Haubt zu deinen Füßen legen!
Der Löwe zürnt, und brüllt: der Frevler und der Thor!
Wir Helden ziehn den Sieg dem besten Fraße vor.
Dem Afterkönige will ich den Nacken beugen.
Gleich sollst du mit mir gehn, und seinen Sitz mir zeigen.
Er geht ihm rüstig nach, und dieß ungleiche Paar
Kömmt bald an einen Born, der tief und heiter war,
Hier sieht der Löwe sich, und glaubt den Feind zu sehen,
Und fordert ihn heraus, den Zweikampf anzugehen.
Vergebens! da er nun sich in den Brunnen stürzt,
Wird schnell sein Regiment, und aller Noth verkürzt.