Als Doris, die freundliche Schöne,
Den Vorzug der Freiheit verlor,
Und man ihr, nach langem Gehöhne,
Den häßlichsten Eh'schatz erkor;
Da flohen die gaukelnde Freude,
Das Scherzen, der Liebreiz, die Huld;
Doch kamen im Hochzeitgeschmeide
Die Treue, die Pflicht, die Geduld.

Ihr Mann, den die Eifersucht nagte,
Erwies sich so grausam und hart,
Daß, was sie nur machte, nur sagte,
Ihm gleich zur Beleidigung ward.
Es glichen den Tagen die Nächte;
Auch dann nahm sein Argwohn nicht ab,
Noch, wann er die frostige Rechte
Zum Anwunsch des Schlafes ihr gab.

Ihr Eifer benetzte die Wangen;
Sie klagte dem Himmel ihr Leid:
Soll Treue nur Undank empfangen;
Was steht denn der Untreu' bereit?
Auf! rächender Himmel, erwache,
Ermüde, mein Elend zu sehn!
Du zögerst? So muß denn die Rache
Vielleicht durch mich selber geschehn.

Gesetze der Ehre, der Tugend,
Euch leb' ich mit Seufzen jetzt nach;
Doch ist die empfindliche Jugend
Nicht dieser Versuchung zu schwach?
Es drohet Verzweiflung dem Herzen,
Der Kummer verzehret den Leib;
Soll Unschuld denn alles verschmerzen,
Und bin ich nicht schön, und ein Weib?

Was Doris aus Rache vollstrecket,
Das hat mir noch niemand erzählt.
Ihr lächelnden Schönen, entdecket:
Was hättet ihr selber gewählt?
Ihr Mädchen, befraget die Frauen;
Zwar sind sie geheim und gescheit:
Doch manche verräth im Vertrauen
Die Rache, die Weiber erfreut.