Monarch im Reiche stolzer Thoren,
Dich, hohes Glück, verehr ich nicht!
Mir ward in Phyllis mehr gebohren,
Als alles, was dein Tand verspricht.
Der Traum der Wachenden, die Ehre,
Der Sklavenstand der Eitelkeit,
Schließt dein Gefolg an Höf' und Heere,
Bis es der letzte Schlaf befreyt.

Das Recht, mein Herze zu entzücken,
Und meiner Wünsche Ziel zu seyn,
Räum ich nur einer Phyllis Blicken,
Nur Ihrer seltnen Schönheit ein.
Wie stolz war ich, Sie zu gewinnen!
Auch dieser Ruhm verewigt sich.
Beneidet Sie, ihr Königinnen!
Und, Könige! beneidet mich.

O Phyllis, Seele meiner Lieder!
Mich reizt kein himmelhoher Flug.
Mich liebest Du, Dich lieb ich wieder.
Sind wir nicht beide froh genug?
An treuer Brust, an treuer Seiten
Macht uns die Liebe groß und reich.
Ach sey, an wahren Zärtlichkeiten,
Unendlich jener Taube gleich!

Den Adler sah die Turteltaube,
Die in der Stille girrt und liebt,
Wie ihm Gewalt und Muth zum Raube
In königlichen Thaten übt.
Sie sah ihn Sieg und Ehre finden,
Dem Kranich stolz entgegen ziehn,
Sich heben, kämpfen, überwinden,
Und alle Vögel vor ihm fliehn.

Sie sprach: Ich will dich nicht beneiden:
Sey immer groß und fürchterlich.
Geprüfter Liebe süße Freuden!
Nur ihr allein beglücket mich.
Mir will ich keinen Sieg erwerben,
Als den mein Gatte mir gewährt.
Mit ihm zu leben und zu sterben
Ist alles, was mein Wunsch begehrt.