Es war Mitternacht, die Sterne blinkten
an dem dunkelblauen Himmelsbogen,
abgespiegelt auf des Sees Fläche,
wo sich Talupi und seine Zilha,
mit dem schönsten Knaben in dem Stiefel,
schaukelten im leichten Fischerfahne,
den, des Fanges wegen, noch ein zweyter
angeknipster Pebenkahn umschwankte.

Traulich saß das Pärchen in der stille
Mitternacht, und ihre Blicke hingen
an dem Knaben, der, mit süßem Lächeln
Ihre Huld erwiedernd, wechselweise
aus der Mutter in des Vaters Arme
Überging - der Erstling ihrer Liebe -
als auf ein Mal sich der Himmel schwärzte,
und ein wilder Sturm die See durchwühlte,
und die kleinen schnell getrennten Kähne
sich entsetzlich auf und nieder wogten!

Weh - o weh -ein wilder Wirbel faßte
Schnell das Kähnlein mit den drey Geliebten;
jenes sank, und dieses stüzten muthig,
Zilha mit dem Knaben auf dem Arme,
durch die Fluth, dem kleinen Kahn enntgegen.

Drey Minuten! und er war erschwommen;
aber ach! den Vater und die Mutter
mocht‘ er beide nicht auf ein Mal fassen;
und ein Streit erhob sich zwischen beiden,
wer, dem Kind zu Liebe - sterben sollte.

„Ich will sinken!“ ruft der kühne Vater;
„Nein! laß mich!“ erwiedert Zilha flehen;
Er dagegen: „Zilha, du mußt leben!
gar zu jung ist noch der arme Knabe!
und dem Knaben muß der Vater bleiben,
der ihn übe Pfeil‘ und Kahn zu führen,
und in Wild und Fische fangen lehre“ -

Dies gesagt, umarmt sie Mann und Knaben,
drückt den Liebling in des Vater Arme,
ach! - und sinket in die dunkle Tiefe -
taucht noch ein Mal auf, und wirft auf beide
einen Blick voll zärtlich Triumphes,
sinket dann, und wird nicht mehr gesehen.