Guter Jüngling, weine nicht!
nur für dieses Leben können
Drang und Schicksal Herzen trennen,
aber länger - länger nicht!

Jüngst im Traume schmückt‘ ich mich
Abends, im Kaminenglanze,
mit der Liebe Myrtenkranze
als mein Vater mich beschlich.

Wie? so rief er, hoch in Muth,
schon so weit mit deinem Fränzchen?
und ergriff das liebe Kränzchen,
ach! und wwar es in die Gluth.

Doch, oh Wunder! - wie’s hinein
in die Flamme tauchet eben,
bleibts in ihrem Schimmer schweben,
wie ein Ring in Heil’genschein.

Laufend wilde Funken sprühn,
und die Flamme flattert höher,
und die Lohe lodert näher -
doch die Myrte bleibet grün.

Plötzlich scheint das Kämmerlein
Sich unendlich auszuweiten;
Säulen steigen an den Seiten;
und ein Tempel schleißt uns ein;

Der Kamin wird ein Altar,
und die Gluth, - doch immer kühner, -
und der Kranz, - doch immer grüner, -
beide sind unwandelbar.

Rings von Aetherglanz umwallt,
stand am wolkichten Altare,
im besternten Prachtaltare,
eine himmlische Gestalt;

Winkt‘ uns beiden (denn auch du,
mit des Morgensternes flimmern
standest neben mir zu schimmern=
lächelnd zum Altare zu;

Nahte dann mit ernstem Schritt,
führt‘ uns, Brust an Brust, zusammen,
hob den Traukranz aus den Flammen,
und bekränzte mich damit.

„Er ist ewig!“ rief des Lichts
Schöner Jüngling, „ist dort oben
längst für Tild‘ und Franz gewoben,
und zerstören kann ihn nichts!“

Arm in Arm, voll Lieb‘ und Dank,
standen wir, als losgerissen
vom Altar, zu unsern Füßen
eine Wolke niedersank.

Und wir schwebten leis‘ und hehr,
von der Erd‘ empor gewunden -
und der Tempel war verschwunden,
und der Engel war nicht mehr -

Und der Sternenhimmel hing
über uns in stiller Feyer,
und der Busen hob sich freyer,
und die Endlichkeit zerging -

Ha! Schon jauchzten wir daher
In der Myrias Gefunkel,
aber unten, trüb‘ und dunkel -
schwamm die Erd‘ im öden Leer.

Einmal schaut‘ ich noch hinab,
und es rann die letzte Thräne,
denn mein Vater - welche Scene! -
lag auf seiner Tilde Grab.

Aber im Triumph hinauf
Schwebten wir, die Vielgetreuen,
über Weit und Sonnenreihen,
zu der Liebe Heimath auf.