Ja, Cyperwein und schöne Frau’n
Und Gang und Klang bis Mitternacht,
In Gondeln liegend anzuschaun
Bei Mondlicht der Paläste Pracht,
Und von Canale zu Canal
So still und pfeilschnell hinzugleiten –
Mein Junge, komm, probir’s einmal,
Das sind der Erde Herrlichkeiten!

Und doch, es stillt dies Herze nicht,
Es gibt ihm nicht den süßen Frieden,
Der leis aus R o m s Ruinen spricht,
Wenn voll die Sonne hingeschieden,
Wenn Abendglut die Stadt umwallt,
Und Tau sich mischt und Blütendüfte,
Wenn von den sieben Hügeln schallt
Der Glocken Laut in reine Lüfte.

Dort krönt des Coelius steiles Haupt
Der Passionisten Klostergarten
Mit ewigen Eichen dichtbelaubt,
Und wie von hoher Veste Warten
Schaust du hinab und schaust ringsum
Nur Trümmer aus Weltherrschaftstagen,
Ein weltgeschichtlich Heiligtum,
Und in den Wipfeln um und um
Duftet’s und Nachtigallen schlagen …

Schwarz ragt ins gold’ne Abendrot
Des Capitols geweihte Veste,
Drunten im Forum reihen sich
Der Tempel und der Bogen Reste,
Und in des Colosseums Schlund
Siehst du hinein – dann ohne Grenzen
In Vignen, Klöster, bis von fern
Des Lateranes Giebel glänzen.

Und ernst dir gegenüber steht
Der Trümmerberg, der Palatin,
Dem einst verheißen vom Geschick
Die „Herrschaft ohne Ende“ schien.
Am grünbewachs’nen Bogen lehnt
Der Kapuziner Klosterhalle,
Und eine hohe Palme weht
Im Abendwind am Mauerwalle. –

Hier war’s, mein Junge, wo mir einst
Im Herzen alle Wünsche schwiegen;
Mein Schicksal schwand, vertrauensvoll
Dem Weltgeschick sich anzuschmiegen,
Und freier schlug das enge Herz
Vor der Geschichte Gegenwart –
Doch sieh, schon steigt der Vollmond auf!
Der Markusplatz, die Gondel harrt!