Heiß ist im Sommer Florenz, bezeug’ es jedglicher Fremdling,
Der im Zeichen des Löwen, im Zeichen der glühenden Jungfrau
In der etruskischen Stadt Paläst’ und Tempel bewundert.
Sonnenstich droht dir, wenn aufwärts schauend dein Auge
An der unsterblichen Meister Gebäu, an edlem Gebälk, sich
Freut, auch Fieber und Wehe des Haupts weissaget der Welsche.
Komm’, erfrage das pintische Tor, gefällig und freundlich
Weist ja den Weg den Fremden der florentinische Jüngling –
Größerer Tugenden Rest ist dies, so wollt’ es das Schicksal.

Leicht ist die Straße zu kennen; es schau’n dort über die Mauern
Hohe Akazien, Pinien auch und dunkle Cypressen,
Und von fern schon siehst du das Tor und drüber die Lilie.
Draußen führt dich der Pfad aufwärts, zerfallende Mauern
Rauben die Aussicht, aber der immergrünende Epheu,
Von Eidechsen belebt, und Stämme der schattigen Feige
Lassen dich leicht vergessen das blaue Gebirg und den Arno.
Maultiertreiber geleiten dich stets, sei’s daß sie des Morgens
Saftige Pfirschen gebracht von den seligen Höh’n und Gemüse,
Und nun leer heimkehren, sei’s schwerbeladen mit Hausrat;
Denn steil windet der Weg sich hinauf, es nahen sich selten
Wagen den Höh’n; als Wunder bestaunen die Knaben des Orts sie.
Kluges Gespräch wirst oft du finden, wenn freundlich zu jenen
Du dich gesellst, sie nennen dir rühmend jegliche Villa
Und die Flecke umher, und preisen die zierlichen Mädchen.
Unvermerkt so klimmst du hinan den Fels, wo das schöne
F i e s o l e liegt, das Edelgestein in der Krone von Hügels,
Welche F l o r e n z umgibt, die Stadt so herrlich vor allen.

Drunten liegt sie im Tal, hoch ragt die Kuppel des Domes,
Raget der Turm am alten Palast aus dem Meere von Häusern;
Golden ergießt sich darauf der duftig italische Abend,
Und tiefblau ziehn sich die Schluchten des Apennins hin.
Kühl ist der Platz, stets säuseln vom sanftem Winde die Bäume,

Und gern lehnest du dich an die Mauer der Kirche, wenn Vespern
Ruft die Mädchen des Orts; schön sind Etruriens Jungfrau’n
Und von manchem Gemäld’ siehst hier du schöner das Urbild.
Doch sie schweben vorbei, und still ist’s wieder wie vorher
Auf dem beschatteten Platz; zur Seiten in dunkeln Gebüschen
Zieh’n sich empor die Häuser der Stadt bis droben zum Kloster.
Eine etruskische Burg war’s einst, und daneben des Kriegsgott’s
Mächtiger Tempel; es beten an altehrwürdiger Stätte
Bärtige Mönche nunmehr, und aus den Gängen des Klosters
Schau’n in müßigen Stunden hinab sie gegen den Arno
Und die blühende Stadt und gegen das ferne P i s t o i a.
Dort fiel einst Catilina; aus Fiesoles Toren bei Nachtzeit
Zog er hinaus, längst hatt’ er hier gesammelt die Heermacht
Hoch in der Burg, wie der Aar seit Nest anklebt an die Bergwand.
Oft in stürmischer Nacht tönt’s hier wie römische Namen;
Blutige Schatten begegnen sich dann, umschwebend das Kloster,
Während drinnen im Chor die Mönche murmeln die Horen.

Wenig gedenkt entschwundener Zeit der fleißige Landmann;
In des Theaters Ruin knüpft fröhlich singend er oftmals
Hoch an die Ulme die Rebe; du blickst durch schwankende Bogen
Östlich gewandt in ein lachendes Tal; weit über die Scena
Raget empor das blaue Gebirg mit den Villen und Klöstern.
Herrlich, wohin du blickst entrollt sich das milde Toscana
Und dir erhebt die Brust der großen Männer Gedächtnis,
Seiner Söhne, und eines vor allen: Verbannt vom Gebiete
Jener Stadt kam D a n t e im Pilgermantel hierher einst,
Nach zehnjährigem Elend das vielgeliebte Florenz noch
Einmal zu seh’n; gern nahmen ihn auf die gastlichen Mönche,
Nicht im braunen Gewand erkennend den hohen Priore.
Doch um die Mitte der Nacht erhob sich vom Lager der Pilgrim;
Mondhell war’s; er durchschritt die Bogengänge des Klosters,
Und sein strenges Gemüt zerfloß in brennenden Tränen.
Einen Blick noch entsandt’ er den hellbeschienenen Türmen
Drunten im Tal, und schleuniges Schrittes durcheilt’ er die Berge. –

Selig, wem stets offen das hohe Tor von Florenz steht!
Freudigen Muts magst dann du Fiesoles Felsen besteigen,
Und der vergangenen Zeit gedenken oder der Zukunft,
Oder der Gegenwart in fröhlicher Freunde Gesellschaft.