- Juni 1800-

Wolken über den Himmel jagen,
Des empörten See’s Wogen
Unten an die Terrassen schlagen
Und ein Sturm kommt hergezogen.
Horch! Cypress’ und Lorbeer rauscht!
Unter den Bäumen,
Blickend auf der Fluten Schäumen
Steht der bleiche Konsul still und lauscht.

Beim Gelag in dem Palast
Jubel und Gesang sich einen;
Gerne gönnt er fröhliche Rast,
Die er nicht bedarf, den Seinen.
Denn sie ahnen nicht wie er,
Wie des Krieges
Wage schwankt und daß des Sieges
Schale sinkt, doch blut- und tränenschwer.

„Soll die grause Schlacht ich wagen? –
Eh’ beginnt der Waffen Spiel,
Will ich noch das Schicksal fragen:
Du, das mir gewährt so viel,
Gib mir aus dem Sturm ein Zeichen!
Hohes Glück!
Sprich, muß sieglos ich zurück?
Soll der Osten, soll der Westen weichen?“

„Ha, wie tönt des Donners Tosen!
Dort kämpft mit der Flut ein Rachen!
Mit dem Schicksal will ich losen,
Mag die Hölle drüber lachen!
Schifflein, sieglos will ich sein,
Wenn du strandest –
Doch, wenn unversehrt du landest,
Bin ich Caesar und die Welt ist mein.“ –

Doch stets wird der Himmel trüber –
Wellen sich ums Schifflein hüllen –
Wütend schlagen sie darüber,
Ja, er sieht, wie sie es füllen,
Wie dem Schiffer das Ruder knickt –
Ha! Wie ringt er!
Doch der Insel näher dringt er –
Noch ein Sprung – Jetzt ist es ihm geglückt!

An den gold’nen Gürtel greifend,
Einen Dolch der Konsul zieht;
Eines Lorbeers Rinde streifend
Ritzt er drein was bald geschieht –
Fühlend sich dem Schicksal nah,
Und es ahnend
Und sich selbst zum Aufbruch mahnend,
Gräbt er ein das Wort ‘battaglia’.

Doch durch Sturm und See’stoben
Aufwärts die Terrassentreppen
Hört er mühsam nun nach oben
Einen müden Schritt sich schleppen.
Vor ihn tritt der Schiffer hin:
Tief sich neigend
Reicht er einen Brief ihm schweigend –
„Desair’ Hand! – Was meldet er mir drin?“

Wie er liest, und Flamm’ auf Flamme
Spricht sein Aug’ und Flammen wieder,

Weht der Sturm vom Lorbeerstamme
Einen Zweig aufs Haupt ihm nieder –
„Jetzt verheißt das Glück uns viel! –
Auf! zum Lande!
Löst die Barken dort am Strande!
Auf! Denn Desair nahet uns vom Nil!“

Und neun Tage sind verflossen;
Still und ruhig glänzt die Flut,
Und der Lorbeer ragt, durchgossen
Von der Abendsonne Glut.
Aber es dröhnet dumpf von fern,
Denn es betauen
Jetzt mit Blut sich Marengos Auen,
Und Italien huldigt seinem Herrn!