Bruder, komm und laß uns wandern,
Habe Leid und Lust gemein;
Kommt ein Wetter nach dem andern,
Hilf mir doch beständig sein.
Der Verdruß vergangner Tage
Zeigt viel süß’ Erinnerung;
Wir erdulden schwere Plage,
Aber wir sind auch noch jung.
Gleiche Brüder, gleiche Kappen,
Einerlei Gefahr und Mut!
Sollt’ uns auch der Feind ertappen,
Kämpfen wir für Ruhm und Blut.
Wir sind allzeit freie Leute;
Ob uns gleich die Armut drückt,
Werden wir doch immer heute
Durch geschwinden Trost erquickt.
Jene, so in großen Städten
Unter Samt und Seide gehn,
Müssen, wenn sie Pflaster treten,
Voller Furcht und Sorgen stehn;
Ihrer Ämter Schein und Würde
Ist ein Mantel der Gefahr,
Und sie werden bei der Bürde
Ihres Lebens kaum gewahr.
Sag es, Bruder, unverhohlen,
Sind wir nicht weit besser dran?
Unser Schaden sind nur Sohlen,
Die man leicht ersetzen kann;
Nichts verwirrt uns die Gemüter,
Niemand zwingt uns an das Joch;
Raubt man uns so Ehr’ als Güter,
Bleibet unsre Hoffnung doch.
Bei dem lustigen Erzählen
Wird uns keine Meile lang;
Wenn die Federn manchen quälen,
Ruhn wir auf der härtsten Bank.
Wir durchgehn die meisten Stände,
Sehn gemeiner Torheit zu,
Lachen heimlich in die Hände
Und befördern unsre Ruh’.
Hat die Vorsicht ein Erbarmen,
Sieht sie Treu’ und Weisheit an,
O so ist es mit uns Armen
Noch zur Zeit nicht gar getan.
Großmut macht den Neid zuschanden,
Naht sich doch wohl schon die Zeit,
Da uns, was wir ausgestanden,
Ungemeine Lust verleiht.
Bruder, fort, es geht nach Jauer,
Bruder, fort, und laß uns gehn;
Wird uns Weg und Wetter sauer,
Soll es doch bald anders stehn.
Fort, ich höre schon die Lieder
Auf den nächsten Freudenschmaus!
Mertschütz sehn wir wohl nicht wieder;
Freund, wo geht der Weg hinaus?