Im Nahmen anderer.

Die Weißheit gieng jüngsthin spazieren
Und lies sich von der Frühlingszeit
Des Abends durch die Gaße führen,
Gleich wenn der Wächter Zehen schreyt.
Ihr Absehn war, um zu erfahren,
Wie es um ihre Söhne steh
Und wie es in Studentenjahren
Mit ihrer lieben Jugend geh.

Sechs Schritte fehlten noch zum Marckte,
So hörte sie ein blind Geschrey,
Das sie den Purschen gleich verargte,
Drey lermten neben ihr vorbey,
Sie wich und schlich sich an den Wänden,
Hier trieb sie auch das Kopf weg! ab,
Das ihren vorgeschlagnen Händen
Nicht eine Rosensalbe gab.

Dort schwermten sechzehn wüste Köpfe,
Von Guckuck voll, von Sinnen leer,
Hier kam ein weibliches Geschöpfe
Der muntren Jugend in die Quer;
Dort klang die Laut und hier ein Degen,
Das Pflaster schrie erbermiglich,
Weil man auf den und jenen Wegen
Das Feuer aus den Kieseln strich.

Indeß verkehrte sich das Wetter,
(Denn der April behält sein Recht)
Die Luft ward naß, die Steine glätter,
Die Weißheit durch den Sturm geschwächt,
Ihr Fuß verlies die freyen Straßen
Und machte sich ins nechste Haus,
Worinnen gute Brüder saßen,
Kurz: sie gerieth in einen Schmaus.

Hier merckte sie mit weiten Augen,
Was ihrer Kinder Arbeit thu,
Wie brünstig sie aus Pfeifen saugen,
Sie hielt davor die Nase zu;
Das Zimmer dampfte wie die Hölle,
Man sof sie mit zwölf Gläsern an
Und jagte sie bald von der Stelle,
Indem sie nicht Bescheid gethan.

Nicht weit davon stund etwas ofen,
Das man die Antichambre nennt,
Hier, sprach sie, hab ichs recht getrofen,
Ach Schade, daß kein Licht mehr brennt!
Allein ein Mannsvolck rief gar leise:
Bist dus, Cathrinchen? Komm, mein Kind!
Ey, dachte sie, hier sezt es Mäuse,
Wer weis, was das vor Vögel sind?

Es zog die Weißheit immer weiter
Und kam vor eine Stubenthür,
Hier sazt es nichts als Bärenhäuter
(Dergleichen Tittel zeugt das Bier),
Die Flüche flohen um die Wette,
Man schwur so dreuste Blut und Tod,
Als wenn man nicht zu fürchten hätte
Dies, was man seinem Nechsten droht.

Ach, ach, wie leben doch die Leute
So liederlich in Tag hinein!
Sie liegen auf der faulen Seite
Und gehn mit mir kein Bündnüß ein;
Wie wirds mit ihnen endlich werden,
Wenn sie das Vaterland begehrt!
Ich halte sie vorwahr auf Erden
Kaum eines Elementes werth.

Die Weißheit gieng mit diesen Worten
Und traf nun beßre Wohnung an,
Zur Lehre, daß man aller Orten
So Gut- als Böse finden kan;
Denn sie ersah mit heitern Blicke
Zwey Augen auf ein Buch geheft
Und sprach: Dies ist ein seltnes Glücke,
Wo mich nur nicht ein Schatten äft.

Nein, nein! verfolgte sie die Sprache,
Dies ist ein wahrer Musengeist,
Der weniger in die Gelache
Als auf den Berg der Musen reist;
Dem schenck ich meine Veilgencrone,
Zum Zeichen der gewognen Treu,
Daß ich bey meinem Pietsche wohne
Und ewig seine Gästin sey.

Wohledler Freund, wir unterschreiben,
Was dir die Weißheit zugedacht,
Und haben, wird der Wuntsch bekleiben,
Was uns vergnügt und freudig macht;
Der Seegen folge deinen Schritten,
Das Glück sey dir mehr Wirth als Gast,
Bis du den Himmel was zu bitten
Auf Erden nicht mehr nöthig hast.