Eugen ist fort. Ihr Musen, nach!
Er steht, beschleust und ficht schon wieder,
Und wo er jährlich Palmen brach,
Erweitert er so Gränz als Glieder.
Sein Schwerd, das Schlag und Sieg vermehlt
Und, wenn es irrt, aus Großmuth fehlt,
Gebiehrt dem Feind ein neues Schröcken
Und stärckt der Völcker Herz und Macht,
Die unter Adlern, Bliz und Nacht
Die Flügel nach dem Monden strecken.

Die Wahlstatt ist noch naß und lau
Und stinckt nach Türcken, Schand und Leichen.
Wer sieht nicht die verstopfte Sau
Von Äsern faul und mühsam schleichen?
Und dennoch will das deutsche Blut
Den alten Kirchhof feiger Wut
An jungen Lorbeern fruchtbahr machen,
Und gleichwohl hört der dicke Fluß
Des Sieges feurigen Entschluß
Aus Mörsern und Carthaunen krachen.

Es schnaubt des Überwinders Roß,
Es schäumt und riecht den Streit von fernen,
Das Glücke mengt sich in den Troß,
Um von Eugen Bestand zu lernen.
Die Luft erthönt, das Ufer bebt,
Der Reuter brennt, das Fußvolck strebt,
Den wilden Haufen anzurennen.
Und wer nicht schärfer sinnt als sieht,
Der dörfte, wenn die Mannschaft zieht,
Ihr Heer ein fliegend Herze nennen.

Nur drauf, du Kern der deutschen Treu,
Nur drauf, du Kraft aus Hermanns Hüften!
Beweise, wer dein Ahnherr sey,
Und crön ihn auch noch in den Grüften!
Dein Haupt, dein Beyspiel, dein Eugen
Läst alle, die dir wiederstehn,
Ein tödtliches Verhängnüß wißen.
Er steht, er eilt, er würgt dir vor,
Es ist noch um ein eisern Thor,
So wird die Pforte springen müßen.

Dort, wo der Zeiten Eigensinn
Die Brücke des Trajans zertrümmert,
Dort wirf die Augen vor dir hin,
Dort mercke, was so schwermt und schimmert.
Es rauscht wie Panzer und Gewehr,
Es ist ein römisch Geisterheer,
Es sind die Seelen alter Helden;
Sie kommen, deinen Muth zu sehn,
Und werden, was durch ihn geschehn,
Der Ewigkeit voraus vermelden.

Braucht, tapfren Sieger, braucht das Heft
In Gegenwart so seltner Zeugen,
Die, wo mich nur kein Blendwerck äft,
Aus jenem duncklen Reiche steigen.
Warum? Sie wollen nicht allein
So schlecht- und faule Zeugen seyn,
Sie helfen euch im Sieg und Schlagen;
Denn hat ihr Schatten gleich kein Herz,
So kan er doch wohl hinterwärts
Den Feind mit kaltem Schauer plagen.

Gieb Acht, erschrocknes Morgenland!
Du kennst den Bliz, des Adlers Stärcke;
Er wafnet unsers Helden Hand,
Und zielt auf größre Wunderwercke.
Hier Schwerd des Herrn und Gideon!
Auf, blaße Türcken, auf, davon!
Nein, steht und lernt noch beßer fühlen!
Hier schlägt der Degen und der Mann,
Den Gott kaum tapfrer wehlen kan,
Euch Hiz und Wahnwiz abzukühlen.

Ihr übereilt euch, Schritt vor Schritt!
Ihr kommt mit Roß, Camel und Wagen;
So bringt uns fein das Werckzeug mit,
Den Raub bequemer wegzutragen.
Nun strengt euch an, es giebt Gefahr!
Nun hinckt um Mahomeths Altar,
Nun fleht ihm mit gesenckten Wafen,
Nun ruft doch laut, nun schreyt doch zu,
Er hält vielleicht noch Mittagsruh,
Er dichtet oder hat zu schafen.

Umsonst! Der stumme Göz ist taub,
Ihr mögt euch selbst zu Hülfe rufen.
Kommt, seyd ihr Männer, holt den Raub!
Wir reißen aus, verfolgt die Stufen!
Was säumt ihr denn? Was steht ihr da?
Wie, geht euch unser Schaden nah?
Wie, macht euch unsre Zagheit müde?
Probiert sie! Weh uns, Amurath!
Du sinnst auf eine große That.
Was kommt heraus, was suchstu? Friede.

Ha, sinckt dein Hochmuth schon so tief?
Du scherzest oder hast vergeßen,
Wie grausam nechst dein Meineid rief,
Als wollt er uns von weiten freßen.
Wie stimmt dein dort vermeßnes Schreyn
Mit dieser Demuth überein?
Ja, Noth macht oft Gebeth aus Flüchen.
Ja, ja! Dein Herz und auch dein Mond
Sind beid an eine Zeit gewohnt
Und zeigen sich nur zum Verkriechen.

Du hast auch wohl warhaftig Zeit;
Denn zwischen deinem Stehn und Weichen
War nunmehr sonst kein Unterscheid
Als unsers Angrifs Losungszeichen.
So manche Klinge stund schon blos,
So mancher Donner schlug schon los,
Dir Hals und Lästern abzukürzen;
Europa selbst beschloß schon fest,
Dein stolz Serrail, dein Hurennest,
Von seinem Rand ins Meer zu stürzen.

Bysanz, erkenn anjezt den Werth
Von Rudolphs göttlichem Geblüte
Und küße Carls gereiztes Schwerd!
Es hat nicht minder Schärf als Güte.
Du fehlst, es straft; du flehst, es schenckt
Und wird durch Demuth abgelenckt
Und läst sich siegend überwinden.
Ihn selbst zwingt nichts als Buß und Reu.
Wer lehrt dich, tumme Tyranney,
Dergleichen kluge Wafen finden?

Wie kanstu, Schuzgott deutscher Ruh,
Der frechen Schaar so bald vergeben?
O, fahre mit dem Donner zu!
Ihr Fall wird doch dein Lob erheben.
Doch nein, du zeigst auch hier dein Reich
Und feßelst Feind und Zorn zugleich
Und brauchst die Keile nur zum Schüzen.
Die Sanftmuth crönt dich mehr als Gold;
Denn, wenn du strafen must und solt,
So wiltu nur dem Sünder nüzen.

Hört, Frevler, die ihr weder Rath
Noch Trost, noch Schuz, noch Ablas findet
Und nach vollbrachter Mißethat
Die Zuflucht an die Fersen bindet,
Fast, sucht ihr Rettung und Erhör,
Die Hörner des Altars nicht mehr!
Auch Joab kan nicht sicher flüchten.
Kommt, fast des sanften Kaysers Knie!
Hier liegt sein Herz, hier giebt sichs Müh,
Die Thorheit mit Gedult zu richten.

Verwegne Feder, halt doch ein
Und schone Carls vollkommne Gaben!
Sonst werden wir die ersten seyn,
Die diese Freystatt nöthig haben.
Die Warheit hast die Mahlerey,
Dein Lob macht doch kein Conterfey.
O trag ein ehrerbietig Schweigen
Und weis in Habspurgs Ahnensaal
Und sprich: Carl fast sie allzumahl.
So kanstu seine Größe zeigen.

Zurück, ihr Musen, in das Feld!
Dort sproßt der Oelzweig aus den Lanzen,
Irene flicht ein Zauberzelt,
Geht, springt mit ihr auf Wall und Schanzen!
Die Schwerdter werden sichelkrumm,
Das Glücke schmelzt die Kugel um
Und geußt den Helden Ehrensäulen.
Die Freudenglut frißt Kraut und Loth,
Das Stücke wirft mehr Lust als Tod
Und darf nicht mehr gefehrlich heulen.

Schläft Naso noch um jenen Ort,
Wohin ihn das Geschrey begraben,
So wüntscht ich mir ein Allmachtswort,
Nur ihn dadurch erweckt zu haben.
Jezt dächt er nie ans Vaterland,
Jezt würde sich so Harf als Hand
In Carls Person und Ruhm verlieben,
Jezt wär Eugen sein Lobgesang,
Jezt spräch er: Cäsar, habe Danck,
So glücklich hastu mich vertrieben.

Die Freude zieht sich weit herein
Und wächst mit Meilen und in Städten,
Die unter Thau und Sonnenschein
Vor Leopolds Geschlechte bethen.
Der Tempel raucht von heilger Pflicht,
Die Priester tragen Recht und Licht
Und liegen vor den Danckaltären.
Vornehmlich sieht das hohe Wien
Die Opferflammen aufwärts ziehn
Und von der Türcken Beute zehren.

Die Regung macht mich ungeschickt,
Das frohe Deutschland abzureißen.
Wohin des Adlers Aufsicht blickt,
Da muß dies Jahr ein Halljahr heißen.
Der Friedensherold bläst und jagt
Und wird von Groß und Klein gefragt;
Der Greiß läst Stock und Schwachheit fallen,
Die Jugend spielt, die Kindheit singt,
Und das, was noch aus Brüsten trinckt,
Erklärt sich durch ein holdes Lallen.

Hier kommt ein junger Ritter an
Und findet in dem nechsten Garthen,
Der alle Straßen zeigen kan,
Sein schönes Kind mit Schmerzen warthen.
Da geht es an ein zärtlich Thun,
Da läst der Kuß den Mund nicht ruhn,
Da stockt das zitternde Willkommen,
Da wird, was immer schmeicheln mag,
Als wär ein andrer Hochzeittag,
Mit Hand und Mienen vorgenommen.

Dort spizt ein voller Tisch das Ohr
Und horcht, wie Nachbars Hans erzehle.
Hans ißt und schneidet doppelt vor
Und schmiert sich dann und wann die Kehle.
Da, spricht er, Schwäger, seht nur her,
Als wenn nun dies die Donau wär,
(Hier macht er einen Strich von Biere)
Da streiften wir, da stund der Feind,
Da gieng es schärfer, als man meint,
Gott straf, ihr glaubt mir ohne Schwüre.

Dort muß ein tapfrer Wittwensohn
Der Mutter neuen Trost erwerben,
Und schliefe nicht der Vater schon,
So müst er jezt vor Freude sterben.
Das gute Weib ist froh und rennt
Und ändert gleich ihr Testament
Und flucht dem falschen Todtenscheine
Und denckt: Nun hab ich einen Stab
Und weis, wer einmahl um mein Grab
Aus Treu und reinem Herzen weine.

So sah der Griechen Jubel aus,
Als dort nach zehn Belagrungsjahren
Der Dardaner verwüntschtes Haus
In geilem Feuer aufgefahren,
Corinth und Argos und Athen
Lies Kampfplaz, Stall und Schulen stehn
Und lief, die Schife zu empfangen;
Weib, Kind und Kegel drang an Port,
Und keins verstund sein eignes Wort
Vor Jauchzen, Fragen und Verlangen.

Mich deucht, die Zeitung nährt sogar
Auch unbeseelte Creaturen.
Der Hundsstern brennt und eifert zwar,
Und doch erquickt der Lenz die Fluren;
Wald, Förste, Thäler, Berg und Hayn
Gehn hier und dar ein Bündnüß ein,
Die süße Nachricht auszubreiten;
Die Nymphen scherzen um den Sand
Und sprizen mit geübter Hand
Viel Bogen naßer Lustbarkeiten.

So weit die Donau, wie sie soll,
In christlichem Gehorsam fließet,
Und mehr begierd- als waßervoll
Sich unter Carls Geboth ergießet,
So weit vermehrt sie ihre Lust
(Denn Freude zieht das Blut zur Brust)
Durch Beytrag aus den kleinen Flüßen,
Die jezt den stündlichen Tribut,
Weil große Freude viel verthut,
Geschwind und doppelt liefern müßen.

Dort kommen Drave, Sau und Theiß
Und bringen ihr viel starcke Fluthen,
Hier wächst sie durch des Sieges Schweiß
Und durch der Janitscharen Bluten;
Damit so fleucht ihr schneller Lauf
Und hält die Wellen nirgends auf,
Als wo sie sich mit Fleiß verweilen,
Um, wo ich also reden mag,
Dem Ister einigen Geschmack
Von unsrer Freyheit mitzutheilen.

Nun sieh doch, wo du etwas siehst,
Du böses Ismaels-Geschlechte!
Du kommst, so oft du auswärts ziehst,
Dem Donner allemahl zu rechte.
Dein toller Hund, dein stumpfer Zahn
Fällt Reich und Adler kraftlos an
Und muß so Blut als Haare laßen.
Dein Einbruch ist so gut als Flucht;
So gehts, wer fremde Schläge sucht,
Kriegt meistens Spott und Strick zu faßen.

Du sündigst auf Vergebung los,
Und außer Carls Verdienst und Glücke
Ersieht die Sonne nichts so groß
Als deines Hochmuths Schwäch und Tücke.
Dein Frevel kämpft mit eigner Qual
An Vorzug, Länge, Stärck und Zahl
Und siegt sich selber zum Gehöhne.
Geh, trag nun den verwürckten Hals,
Ja, gar den Aufschub deines Falls
Von Oesterreichs Gedult zum Lehne.

Nur glaube nicht, verschnidtner Schwarm,
Dein Meineid sey so durchgekommen,
Nachdem sein ganz zerschellter Arm
Zehn Jahr zur Heilungsfrist genommen.
Der Friede, den die Noth nur fast
Und den du halb erbettelt hast,
Erlöst dich nicht vom Zorngerichte.
Nein, nein, verstockter Pharao,
Die Langmuth lacht und thut nur so,
Damit sie deine Boßheit sichte.

Zerreiß den falschen Alcoran,
Er hat dich lang genung betrogen.
Dein lezter Fall rückt endlich an
Und steigt mit unsern Siegesbogen.
Die Rach ist kein vergeßlich Weib,
Sie dringt zwar langsam auf den Leib,
Allein mit desto schärferm Streiche.
Dein angemaßter Kayserthron
Erschrickt und wanckt und wittert schon
Die Eitelkeit gestohlner Reiche.

Du, dem zu Lieb Eugenius
Des Aufgangs Untergang verschoben,
Du, dem des Allerhöchsten Schluß
Sein hohes Strafamt aufgehoben,
Komm fort und eil aus Blut und Schoos!
Komm, eil auf unsre Zeiten los,
Komm, komm aus Carls geweihten Lenden!
Es hält sich Asien gefast,
Dir ehstens, angenehmer Gast,
Sein reiches Erbland zuzuwenden.

Was zieht sich vor ein Vorhang weg?
Ich seh den Schauplaz später Zeiten:
Dort hör ich einen Scanderbeg,
Dort seh ich einen Gottfried streiten,
Die Palmen grünen um sein Haupt,
Man heult, man jauchzt, man schlägt, man raubt,
Kein Creuzzug macht ein solches Lermen.
Der Erden gröst- und dritter Theil
Zerreißt der Saracenen Heil
Und würgt den Hund mit seinen Därmen.

Der Nil erschrickt, Damascus brennt,
Es raucht auf Ascalons Gebürgen,
Und durch den ganzen Orient
Herrscht Unruh, Hunger, Pest und Würgen.
Der Jordan steht wie Mauren da,
Als käm ein andrer Josua.
Er kommt auch, doch aus deutschem Saamen.
Wie heist er? Ja, die Schickung winckt
Und raubt mir, weil der Vorhang sinckt,
Stand, Vorwiz, Schauplaz, Held und Nahmen.

Was macht in Ungarn der Soldat
Vor grausam-klägliche Gebehrden?
Er dringt sich vor den Kriegesrath
Und hört mit Unruh Friede werden.
Er murrt, er zörnt, er schilt den Bund,
Wodurch der abgewiesne Hund
Der heurigen Gefahr entgangen;
Und ehrt er nur nicht den Eugen,
So sollt er sich wohl unterstehn,
Den Krieg von frischem anzufangen.

Sein Eifer hat auch ziemlich recht;
Es muß die Tapferkeit verdrießen,
Wenn Kleinmuth ihren Fortgang schwächt
Und Thränen statt des Blutes fließen.
Sie sucht nur Wehr und Wiederstand,
Sie sucht mehr Ruhm als Leut und Land
Und giebt nur ein verbittert Lachen,
Wenn, eh ihr Degen Wunder thut,
Feind, Zelt, Geschüz und Hab und Gut
Den Siegeswagen enge machen.

Ihr guten Deutschen, lasts nur seyn
Und sprecht den tapfern Zorn zufrieden!
Die Lorbeern gehn gleichwohl nicht ein,
Sie grünen mitten in dem Frieden.
Der Palmbaum ist nicht schlimm versezt,
Wofern ihn fettes Ufer nezt.
Das hoft man auch von euch zu schreiben.
Geht, zieht ans Meer und kämpft und sucht,
Iberiens verlorne Frucht
In Welschlands Gärthen aufzutreiben.

Hält hier der Stillstand euren Muth,
So kan er dort mit Nachdruck blizen.
Nicht anders pflegt der Adern Blut
Nach kurzer Stremmung scharf zu sprizen.
Dort spannt ein neuer Friedensbruch
Ein schnell und feindlich Seegeltuch.
Geht, geht und zeigt dem Niedergange
Ein schwarz und blutig Abendroth,
Damit die Flotte, so euch droht,
Den Port in Charons Kahn erlange!

Wo schweif ich hin, wo bleibt mein Held?
Entzieht er sich vielleicht der Erde?
Wie, oder hebt sich nur sein Zelt,
Damit es nicht entheiligt werde?
Ja, ja, ich seh die Ewigkeit,
Sie webt und stickt sein Ehrenkleid,
Umgiebt sein Bildnüß mit den Sternen
Und führt es zum Vergöttern auf.
Nun mag der Enckel Lebenslauf
Den Vorzug unsrer Tage lernen.

O Prinz, o großer Prinz! Wie weit,
Wie weit entfernstu dich dem Neide
Und auch so gar der Mögligkeit,
Daß etwas deinen Kranz beschneide!
Homer, behalt dir den Achill!
Aeneas bleibe, wo er will!
Sie sind am längsten groß gewesen,
Sie weichen doch mit Ehren aus;
Denn dies ist auch ein Lorbeerstrauß,
Dem Stärcksten Palmen nachzulesen.

Die Seele weis von keiner Ruh,
Sie zeugt Gedancken aus Gedancken.
So, theurer Held, verfährst auch du
In deinen weiten Lebensschrancken.
Dein Eifer braucht Gelaßenheit;
Das Wesen seiner Tapferkeit
Besteht in lauter klugen Siegen.
Dein Alter blizt so spät als früh.
Was wollte wohl die Poesie,
O Held, zu deinen Ehren lügen?

Genung, genung vor deinen Ruhm!
Genung mit blutigen Geschäften!
Trag Helm und Schild ins Heiligthum
Und las es an die Cedern heften!
Auch Großmuth macht dem Alter Raum,
Es blüht ja schon der Mandelbaum
Auf deinen lorbeerreichen Haaren.
Geneuß doch einmal deine Ruh,
Und sieh nunmehr auch andern zu,
Wie viel sind unter dir erfahren?

Carl ist allein geschickt und werth,
Getreue Dienste zu belohnen,
Carl, der wie Gott nichts mehr begehrt,
Als daß die Völcker sicher wohnen,
Carl, deßen Ohr vom Himmel nimmt,
Was sein Befehl der Welt bestimmt,
Die kein Verhängnüß mehr vergnüget,
Carl, deßen Geist den Thron erhöht
Und noch so weit darüber geht,
Als Feind und Ehrfurcht drunter lieget.

Ihr, die ein glücklich Feuer treibt,
Dem hohen Maro nachzukommen,
Was macht es, daß ihr sizen bleibt?
Ihr habt nicht rechten Stof genommen.
Ihr sinnt, ihr schreibt mit Angst und Müh,
Reimt Fabeln und vergeht wie sie.
Kommt, wollt ihr hoch und ewig leben,
Kommt, sezt die göldnen Federn an
Und schreibt, was Gott und Carl gethan;
Der Adler wird euch mit erheben.

Ja schreibt nur, was ihr hört und seht,
Hier gilt erzehlen mehr als dichten.
Europa jauchzt und Stambol fleht;
Wer weist mir dieses in Geschichten?
Die Vorsicht, so das Reich bewacht,
Erklärt den Zwiespalt in die Acht
Und lehrt uns mit versöhnten Blicken,
Es werde dies sein mächtig Haupt,
Was Unrecht, List und Neid geraubt,
Den Barbarn aus den Klauen rücken.

Das Erbtheil Josephs lebt in Ruh
Und nährt sich von des Bruders Glücke;
Der Schäfer lacht, sein Vieh nimmt zu,
Die Lämmer werden feist und dicke;
Elysiens gelobtes Land
Treibt Handel, bringt das Feld in Stand
Und baut so Korn- als Weißheitshäuser;
In Welschland blüht ein neuer Sieg.
So lehren beides, Fried und Krieg:
Der sechste Carl, der gröste Kayser.

Der Sechst an Zahl, der Erst an Ruhm:
Ihr Zeiten, lernt den Titul faßen!
Er zieret noch kein Alterthum,
Er fliegt allein in unsern Gaßen.
Er giebt der Fama Geist und Schall,
Verewigt Felsen und Metall
Und heiligt die gerizten Bäume.
Ja, was das gröste Wunder schaft:
So stärckt des großen Nahmens Kraft
Die Ohnmacht meiner schlechten Reime.

Herr, so vermögend würckt dein Geist
In kalt- und schläfrige Gemüther.
Ich, den nur Wind und Hofnung speist,
Besize weder Kunst noch Güter,
Ich leyr im Winckel, Noth und Staub
Und bin ein ungetheilter Raub
Von so viel ungeneigten Fällen,
Die, hab ich gleich die Pallas lieb
Und käm auch oft ein guter Trieb,
Mir dennoch Fleiß und Lust vergällen.

Und sieh, o Herr, auf einmahl reißt
Mich deines Purpurs Anblick höher,
So schnell, daß nichts geschwinder heist.
Was red ich? Siegt Eugen nicht eher?
Dein Scepter führt mich auf die Spur,
Drum troz ich Schwachheit und Natur,
Du nimmst sie, wie den Feind, gefangen.
Herr, wächst dein Alter wie dein Reich,
So hof ich mir noch viel von euch,
Ihr deutschen Schwäne, zu erlangen.

Den welcken Lorbeer hab ich schon,
Nun mangeln noch Verdienst und Leben;
Dies muß ein Mäcenatensohn
Und jenes Carls Regierung geben.
Die Allmacht laße nur sein Haupt,
Wofern es unsre Sünd erlaubt,
Nicht eher Stern und Himmel zieren,
Als bis ein Alexander weint,
Dem eine Welt zu enge scheint,
Des Vaters Thaten auszuführen.

Ich, Herr, dein tiefster Unterthan,
Will, bleib ich auch im Staube sizen,
Noch mehr auf deiner Ehrenbahn
Als vor dem Elendsofen schwizen.
Verstoß mich an den kalten Bär,
Ich geh, und gern, und find ein Meer,
Dein Lob in ewig Eiß zu schreiben;
Denn weil mir Augen ofen stehn,
Soll Carl und Tugend und Eugen
Die Vorschrift meiner Musen bleiben.