Wenn dir, Hochwertheste, ein kindliches Vertrauen
Zu deiner Muttertreu lieb und erfreulich ist,
So las den kleinen Sohn, der dir die Hände küst,
Die Größe reicher Huld an diesem Tage schauen.
Nimm mit geneigter Hand den schlecht- und armen Zoll
Und las dies dürre Blat aus deinen holden Augen
Die Anmuth, so ihm fehlt, anstatt der Dinte saugen!
Vielleicht macht dieser Thau die hohlen Nelcken voll.

Der Abend dämpft bereits des Mittags Last und Hize.
Ich komme ziemlich spät, doch langsam nährt sich auch;
Du weist es schon vorhin, ich habe den Gebrauch,
Daß ich gar selten viel aus Übereilung schwize.
Die Kindheit überdies entschuldigt meine Pflicht,
Die das erfreute Fest, so deinen Nahmen borget,
Nicht eher durch den Reim, der dennoch schnarrt, versorget,
Weil mir die rechte Kraft zur Poesie gebricht.

Was aber sollt ich dir zum Angebinde kaufen,
Da ich ein Petrus bin, dem Gold und Silber fehlt?
Wer von Salat und Obst die Finger müde zehlt,
Der kan vor den Gewinn gar leicht zum Koche laufen.
Die Kräuter bringen mir nicht einen Heller ein,
Und könt ich einen Marckt von Kirschengut bestellen,
So würden sicherlich mir anderthalb Florellen
So wenig als ein Quart ans Herz gebunden seyn.

Jedoch ein Stoßgebeth, ein Seufzer, eine Thräne,
Die vor dein Wohlergehn von mir gen Himmel steigt,
Gilt mehr als rotes Erz, weil es den Seegen zeigt,
Dem ich durch meinen Wuntsch den Weg zur Ankunft bähne.
Gott, deiner Väter Gott, steh deinem Creuze bey,
Er mindre seine Last und mehre dir die Jahre,
Damit des Alters Schmuck, das Silber grauer Haare,
Dereinst um deinen Schlaf der Ehrfurcht heilig sey!

Dein Garthen baue dir ein Paradies auf Erden,
In welchem jeder Baum Vergnügungsfrüchte trägt,
Die keines Unfalls Wind von ihren Zweigen schlägt,
Bis sie von Glücke reich, von Wollust mürbe werden.
Trinckt manchmahl Gottes Hand dir einen Creuzkelch zu,
So misch ein Engel dir stets Zucker in die Myrrhen,
Und mustu deinen Fuß zur lezten Reise schirren,
So bringe Canaan den müden Leib zur Ruh!