In fremdem Nahmen.

Zwey Schlüßel öfnen uns das Thor der Ewigkeit,
Zwey Wege theilen sich, den Berg zu überwinden,
Auf welchem Ehr und Ruhm, die Sclaven keiner Zeit,
Der Großmuth und der Kunst den Marmortempel gründen:
Hier schwizt die Tapferkeit, dort eilt die Weißheit fort,
Und beide dringen sich an den gestirnten Ort,
Wo Pallas und ihr Kiel, wo Mavors und sein Degen
Die Bilder ihrer Zunft auf göldne Münzen prägen.

Vor diesen theuren Lohn zahlt mancher Haut und Blut,
Vor diese Kostbarkeit wagt Cäsar Leib und Leben.
Heist nicht, was Cloelia und ihr Geschlechte thut,
Durch Waßer und Gefahr dem Kranz entgegen streben?
Bläst nicht die Fama noch der Nachwelt in das Ohr,
Warum Pharsalien Pompejens Kopf verlor?
Hat die Vergängligkeit den kühnen Arm gefreßen,
Der bey Porsennens Herd die rechte Hand vergeßen?

Auf dieser Straße geht ein unerschrockner Held,
Der ihm die Losung nimmt: Wir sterben oder siegen.
Die Wahlstatt scheinet ihm ein Thron, der ewig hält;
So viel er Leichen macht, so viel betritt er Stiegen.
Spricht man zulezt von ihm: Er focht, er stand, er fiel,
So kommt er allerdings an sein erwüntschtes Ziel
Und läst den schweren Zeug nach einem halben Blicke,
Als spräch er Gute Nacht, der Eitelkeit zurücke.

Noch sichrer führt die Bahn, so uns Minerva bricht;
So flüchtig steigt kein Pfeil, den Meroe gefiedert,
Als sich ein Geist erhebt, der mit den Musen spricht
Und seiner Glieder Fall durch den Verstand erwiedert.
Er spottet selbst dem Neid, der ihm nicht folgen kan,
Sieht aus der stolzen Höh der Misgunst Ohnmacht an,
Sucht alles in sich selbst, was ihn zufrieden stelle,
Und macht die Finsternüß in seiner Gruft noch helle.

Das Volck, so gerne log, erhob sein Vaterland,
Weil es dem Juppiter die Wiege zugeschnidten;
Auch Pella wird der Welt durch die Geburth bekand,
Die einen Jüngling gab, der um die Welt gestritten.
Doch Memphis und Athen verschlungen beider Ruhm:
Dort wird die Weißheit jung, hier stund ihr Heiligthum;
Dort ward der Wißenschaft das erste Brodt gebrochen,
Hier der Gelehrsamkeit der Hauptsiz zugesprochen.

Die Ehrsucht und ihr Wind blies hier den Zunder auf,
Den Vorsicht und Natur dem Plato eingegraben;
Der Tod betrog ihn zwar um seinen Lebenslauf,
Doch kan er keinen Theil an seinem Nahmen haben.
Ist gleich dem Stagirit ein naßes Grab bestimmt,
Gnug, daß sein Ehrenpreis noch täglich oben schwimmt
Und in dem Garthen grünt, wo Epicurus lachet,
Wenn dort der schwarze Nil aus Zwiebeln Götter machet.

Das Bad des Seneca geußt noch viel Lehren aus,
Die Schulen hören noch den Greiß von Samos schweigen,
Der kluge Hund bewohnt ein unverbrennlich Haus,
Um sein Gedächtnüßmahl der Nachwelt anzuzeigen.
Stellt uns auch Larrey nicht die weltberühmte Schaar
Der Weisen Griechenlands in sieben Geistern dar,
So wird ein weiser Knecht von der Laterne sagen,
Um die die Käufer sich nach seinem Tode schlagen.

Ja, wendet mancher ein, den Ruhm gebiehrt der Tod,
Hingegen was vor Lust springt aus der bittern Quelle?
Was hilft der lezte Ruf, wenn ich bey Angst und Noth
Durch meine Wißenschaft die Lebenszeit vergälle?
Ich lobe den Verstand, der Gold zusammenhält;
Denn wem des Midas Wuntsch in seinen Beuthel fällt,
Der hat der Leute Gunst und kan an Tafeln speisen,
Die Aristippens Maul zum Kohlgerichte weisen.

O unerfahrner Wiz, der gar zu thöricht schleust!
Sind Glück und Weißheit denn so scharfe Stiefgeschwister?
Wem unser Tagebuch nicht gnug Exempel weist,
Der wandre durch den Staub verlegner Zeitregister.
August macht seinen Staat mit den Gelehrten groß,
Ein kluger Thrasilus besizt des Kaysers Schoos,
Den Dio läst Trajan mit seiner Gunst bedienen,
Und Epictet verehrt die beiden Antoninen.

Dir, klug- und weises Haupt, zeigt jezt dein Elb-Athen,
Wie es der Künste Fleiß wohl zu belohnen wiße,
Und daß, wie Blüth und Frucht aus einer Knospe gehn,
Das Kleinod und der Kampf einander folgen müße.
Dein würdiges Verdienst begehrte diesen Stab,
Den Pallas deiner Hand, ihr Volck zu lencken, gab.
Drum gilt nunmehr der Spruch, den man in Zweifel stellte,
Daß ein Prophete noch im Vaterlande gelte.

So wenig dir der Neid dergleichen Vorzug gönnt,
So viel lacht Wittenberg, weil es ein Kind erzogen,
Das, da Minervens Schaar es seinen Vater nennt,
Mit unverdroßner Müh der Weißheit nachgeflogen.
In Zittau bricht von dir des Glückes Wiederschein
Durch das bekandte Haus der Pierinnen ein,
Und Mirus, deßen Schweiß an dir den Baum begoßen,
Sieht mit Verwundrung an, wie er so hoch geschoßen.

Das ehmahls freye Rom pries deßen Herrligkeit,
Dem man nun siebenmahl sechs Beile vorgetragen;
Verlängerte mein Wuntsch das Ziel der kurzen Zeit,
So sollten siebzig Jahr nach deiner Würde fragen.
Jedennoch, da kein Mensch die Schickung ändern mag,
So wüntsch ich nur so viel, daß dich dein lezter Tag
Gesund, vergnügt, berühmt und eher nicht ergreife,
Bis es um deinen Schlaf wie Schnee und Silber reife.