1. Weg mit Lustgesang und Reigen!
Bei der Andacht ernstem Schweigen
Warnen Totenkränze hier,
Sagt ein Kreuz von Asche dir:
Was geboren ist auf Erden,
Muß zu Erd' und Asche werden.

2. Vom Altar in die Paläste
Dräng' es sich zum Jubelfeste;
Mitten unter'm Göttermahl
Ruf' es in den Königssaal:
Was den Zepter führt auf Erden,
Muß zu Erd' und Asche werden.

3. Wo Trophäen sich erheben,
Sieger jauchzen, Völker beben,
Tön' es aus der Ferne dumpf
In den schallenden Triumph:
Was den Lorbeer trägt auf Erden,
Muß zu Erd' und Asche werden.

4. Wie sie ringen, sorgen, suchen,
Das Gefundne dann verfluchen,
Der umhergetriebne Geist
Felsen türmt und niederreißt!
Was so rastlos strebt auf Erden,
Muß zu Erd' und Asche werden.

5. Siehe, durch des Tempels Hallen
Mann und Greis und Jüngling wallen,
Und die Mutter, die entzückt
Ihren Säugling an sich drückt!
Was da blüht und reift auf Erden,
Muß zu Erd' und Asche werden.

6. Wie sie kommen, ach! so kamen
Viele Tausend; ihre Namen
Sind erloschen, ihr Gebein
Decket ein zermalmter Stein.
Was geboren ist auf Erden,
Muß zu Erd' und Asche werden.

7. Aber von der Welt geschieden.
Ohne Freud' und ohne Frieden,
Blickt die Treue starr hinab
In ein modervolles Grab.
Was so mächtig liebt auf Erden,
Soll es Erd' und Asche werden?

8. In den schönsten Rosemagen
Füllt die Lüfte banges Klagen,
Jammert die verwaiste Braut,
Einem Schatten angetraut.
Liebe kann nicht untergehen;
Was verwes't, muß auferstehen.

9. Und das brüderliche Sehnen,
Abzuwischen alle Tränen,
Was die Hand der Armut füllt,
Haß mit Wohltun gern vergilt,
Ewig kann's nicht untergehen:
Was verwes't, muß auferstehen.

10. Jene, die gen Himmel schauen,
Ihrer höhern Ahnung trauen,
Diesem Schattenland entfliehen,
Vor dem Unsichtbaren knien,
O, die werden auferstehen:
Glaube kann nicht untergehen.

11. Die dem Vater aller Seelen
Kindlich ihren Geist befehlen,
Und, vom Erdenstaube rein,
Der Vollendung schon sich freun,
Sollten sie wie Staub verwehen?
Hoffnung muß dem Grab' entgehen.

12. Sieh an schweigenden Altären
Totenkränze sich verklären:
Menschenhoheit, Erdenreiz
Zeichnet dieses Aschenkreuz:
Aber Erde wird zu Erde,
Daß der Geist verherrlicht werde.