1. Der Herbst zog dunkel um die Höh'n,
Der Sturm flog durch die Wolken hin,
Vom Rheine brauste laut Gestöhn.
Verödet lag ein Eiland drin;
Drauf stand ein Sarg auf dunkler Bahr,
Ein Mann davor im Mönchsgewand,
Mit dunklem Blick, mit grauem Haar,
Zur Leiche schauend unverwandt.

2. "So grüß' ich, Kaiser Heinrich, dich!
Von Palästina trieb mich's her;
Als deines Schicksals Kunde schlich,
Fand ich nicht Ruh auf Land und Meer.
Du allerunglückvollster Mann,
Den jeder floh in wirrer Scheu,
In Teiches Acht, in Papstes Bann,
Im Tod liebt dich ein Fremder treu!"

3. Dein Herz war edel, mild und gut,
Es schlug voll kühner Tatenlust,
Als noch der Jugend frische Glut
Dir pochte durch die volle Brust.
Zwei Priester haben es verheert,
Die frech der Mutter dich geraubt;
Die Leidenschaft hat Albert,
Die Härte Hanno drein geschraubt.

4. Als Jüngling warest du umspürt
Von Wölfen rings im Lammgewand;
Die Schar, die dich verhetzt, verführt,
Hob frech die Faust, die schlau dich band.
Sie machte dir das Weib verhaßt,
Das treu dir bis zum Tode blieb,
Sie hat mit dir geschwelgt, gepraßt,
Sie war's, die dich nach Sachsen trieb.

5. Wohl warst du hart und rasch und wild,
Doch schlimm betrogen warst du auch.
Dein Herz blieb stets versöhnbar mild,
Bis Harzburg fiel in Schutt und Rauch.
Es brach der Feind dein Lieblingsschloß,
Der Ahnen Asche wühlt' er auf,
Da schlugest du ihm Mann und Roß
Voll Heldenzorn im Siegeslauf.

6. Dann rief Gregor, der stolz die Macht
Der Staaten wie der Kirch' gewann,
Zu stehn vor seines Stuhles Pracht;
Dich traf der Große mit dem Bann.
Zwar setzest du ihn ab in Wut,
Doch botst du auch zuerst die Hand;
Allein mit Bertha, sonder Hut,
Zogst du zur Sühn' in Feindesland.

7. Wohl hat dich da der Winter kalt
Auf eis'gen Alpenhöhn umkreist;
Doch kälter jenes Manns Gewalt,
Der nie gewankt im stolzen Geist.
Du mußtest vor Kanossa's Schloß
Drei Tag' und Nächte büßend stehn
Im Winterfrost, verhöhnt vom Troß;
Er ließ dich kaum gesühnet gehn.

8. Es starb Gregor, doch wuchs sein Zorn
Treu durch der spätern Päpste Herz:
Sie öffneten des Aufruhrs Born,
Die Fürsten hoben schnöd' ihr Erz.
Du standst in alter Kaiserpracht
Und triebst die Gegenkönige fort;
Es sank dir Rudolphs Pfaffenmacht
Und Hermann hier und Ekbert dort.

9. Doch weh! die Söhne übten dann
Am eignen Vater Hochverrat;
Konrad hob in Italien an
Und starb an früh mißlungner Tat.
Dein Heinrich selbst, dein liebster Sohn,
Er steckte Aufruhrsfahnen auf!
Du bist, verratner Greis, entflohn,
Durch Berg und Wald ging irr dein Lauf.

10. So fraßest du den Vaterschmerz,
Allein, geächtet und gebannt,
Bis dich der Sohn, das Eisenherz,
Zu Ingelheim in Fesseln band.
Er riß dir Kron' und Purpur ab,
Du flohst und starbst in fremden Land,
Sie gönnten dir kein ehrlich Grab,
Sie setzten dich auf diesen Strand.

11. So grüß' ich, Kaiser Heinrich, dich.
Von Palästina trieb mich's her;
Als deines Schicksals Kunde schlich,
Fand ich nicht Ruh in Land und Meer.
Du allerunglückvollster Mann,
Den jeder floh in wirrer Scheu,
In Reiches Acht, in Papstes Bann,
Im Tod liebt dich ein Freund treu.

12. Er sprach's und hob den Leichensang,
Die Psalmen klangen Tag und Nacht,
Er sang fünf lange Jahre lang,
Da ward gelöset Bann und Acht.
Die Leiche fand zu Speir im Dom
Ein prächtig Kaisergrab sofort,
Öd' blieb des Eiland in dem Strom,
Der Mönch zog ungekannt von dort.