1. Aus Norden von dem Meere steigt schwarz herauf die Nacht.
O Dänemark, nie sahst du so wilde blut'ge Schlacht!
Das Ufer starrt von Waffen, von Schild und Schwert und Speer,
Tot liegt das Heer der Dänen und tot der Schweden Heer.

2. Nur einer harrt lebendig noch auf dem blut'gen Feld,
Er steht, auf's Schwert gestützet, ein hoher greiser Held,
Die edle Stirne decket der Helm mit gold'nem Schein,
Die prächt'gen Glieder hüllet der Purpurmantel ein.

3. Harald, der alte König, brennt eine Fackel an,
Er suchet seine Toten und holt sie Mann für Mann,
Er trägt sie zu dem Strande, wo er im Schiff sie barg.
Wer hat wohl je gesehen so großen edlen Sarg?

4. Drauf löst er selbst die Anker und steigt am Kiel hinauf,
Er stellt sich an das Ruder und lenkt des Schiffes Lauf;
Und wie es furcht die Woge, ein stolzer Segelschwan,
Da hebt beim Schein der Fackel der Held zu singen an:

5. "Fahr' wohl, du grüne Insel, des heißen Kampfes Preis,
ES läßt dich nun für immer des Nordlands Kriegergreis;
Er hat dein Volk gebändigt, wie kühn es war und stark,
Und läßt dich wieder fahren, besiegtes Dänemark!"

6. Dank euch, ihr hehren Götter, hoch in Allvaters Saal!
Ihr habt mir beigestanden auch heut das letzte Mal.
Ich siegt' in hundert Schlachten, auch dieser Sieg ist mein;
Doch weh, ich muß der letzte von allen Helden sein.

7. Die zwölf Genossen fielen, der Skalde wie der Held,
Zerbrochen Schwert und Harfe, sie decken rings das Feld.
Ihr meine Söhne sanket, du edles Zwillingspaar!
Weh, schon im ersten Fluge sinkt so der junge Aar.

8. Und für zukünftiges Streben ist nun mein Leben leer,
Der Tod ist meine Losung, drum nimm mich auf, o Meer!
Das Schiff war meine Wiege, das Schiff sei meine Bahr,
Es sei mein Grab der Ozean, der meine Heimat war!

9. Du gabst mir Haß und Liebe und ew'ge Freiheitslust;
Drum stürz' ich mich in Wonne, o Meer, an deine Brust.
Dort ruh' ich mit den Helden, indes die Geister fliehn
Und zu den ew'gen Göttern im Asensaale ziehn.

10. Die alten Augen glühen, es fliegt das graue Haar,
Es schwingt der Held die Fackel, sie brennt im Winde klar,
Dann wirft er schnell sie nieder, hell leuchtet auf die Glut:
Das Schiff zieht, mächtig brennend, dahin auf klarer Flut.

11. Und hohe Wellen fassen das Fahrzeug, wie es zieht,
Und singen gar ein schaurig und ernstes Grabeslied,
Sie schaukeln wie die Wiege den Heldensarg daher;
Wie sanft bist du als Mutter, du altes blaues Meer!

12. Und wo am Himmelsrande der Brand verglühet fern,
Da taucht aus blassem Nebel herauf ein neuer Stern,
Der vor den andern prächtig zum Ätherraume kreist:
Mich will es schier bedünken, es ist des Helden Geist.